Leitspruch / Methode / Ziel

Leitspruch

“Omnia Ad Unum” ist in den Grabstein von Gottfried Leibniz eingrafiert, es bedeutet “Alles (bezieht sich) auf das Eine”.

Erstens kann man sich die Null als ‘transzendente Zahl’, und damit als etwas, das über den Begriff ‘Zahl’ hinaus geht, denken. Dadurch hat man in der Null eine Art Unendlichkeit. Nach Leibniz stand die Null für das Nichts und die Eins für Gott, auf jenem Grabstein umkreist die Null die Eins. So kann man sich die Beziehung der Null und der Eins als Erstes denken.

Zweitens kann man sich Gott, oder das Ursprünglichste, als das Allesumfassende denken, und so umfasst Gott jenes, das jeden Widerspruch in sich vereinigen kann, und jenes von Gott Umfasste stellt für sich die Wahrheit dar. Nach diesem Bild ist Wahrheit umgeben von einem höchsten Göttlichen.

Drittens schliesslich sind die WA neben dem Menschen ‘nicht erfassbare Grösse’, und damit aus der Sicht des Menschen unendlich. So umkreisen die WA nach diesem Bild den Menschen, der darinnen die Eins, das zukünftige Göttliche (siehe Erstens), darstellt.

So hat man erstens Gott umgeben vom Nichts, zweitens hat man Wahrheit umgeben vom Göttlichen, und drittens hat man den Menschen innerhalb der zwölf Teile der Wahrheit.

Nach diesen drei Gedanken soll “Omnia Ad Unum” der Leitspruch der zwölf Weltanschauungen sein.

‘Pluralis Modestiae’ oder ‘Pluralis Auctoris’, auf weltanschauung.org etwas zu häufig verwendete Form, wären beide etwas antiklimaktisch gewesen.

Methode

Generell: das WAP hat durch alles eine positive Methode. Das heisst, es wird nicht widerlegt oder ignoriert, sondern gezeigt was geordnet werden kann.

Für Kontemplation: Das Ziel ist hier nicht das Rechthaben; Artikel sollen (speziell bei Kontemplation) inhaltlich so gut wie möglich, und nicht abgeschlossene Thesen sein; und so wird mit neuen Gedanken oder Definitionen immer wieder Älteres ergänzt. Weniger werden mit neuen Begriffen redundante Abschnitte oder Artikel entfernt, eine Entfernung war aber für manche schon angebracht. So manche falsche Gedankengänge werden, um dem Gang des Gedankens folgen zu können, oftmals stehen gelassen (mit der Erklärung, was falsch war), sofern dies nicht zu Verwirrung führt. Unter Kontemplation werden Fehler gemacht, und es wird mit Gedanken gespielt.

Sind Meinungen so dargestellt, als wären es Wahrheiten, so dient eine solche Darstellung dennoch einem Ausprobieren, und ist weniger abgeschlossen, als es scheinen mag. Bei jeder deutlichen Meinung sucht sich gleichzeitig die Befreiung von selbiger. Jeder Gedanke schafft immer auch gleich eine Vielzahl von Widersprüchen, und dies zu navigieren erfodert Geduld den Mut und den Willen, selbst im Wissen, dass etwas unfertig ist, dieses doch so gut es geht hinzuschreiben, und danach irgendwann in besserer Form noch einmal zu versuchen.

Es gibt kein Thema, zu dem mit zusätzlicher Recherche oder zusätzlichem geistigem Aufwand nicht zu einer anderen Meinung gelangt werden kann. Der Idealismus verteilt gerne geistige Ohrfeigen, die recht schmerzen können, wenn man zu zuversichtlich ist. Irren ist nicht nur menschlich, es ist immer. Jede Haltung oder Meinung ist entweder bei genügend genauer Betrachtung, oder bei genügend Distanz ein Irren – ob durch Einseitigkeit, sprachlicher Ungenauigkeit, unbekannten Gedanken, kontraintuitiver Realität oder Logik usw, ‘irren ist immer’. Dennoch muss irgendann ein Punkt gemacht werden, und trotz des Wissens um die Unvollständigkeit der Gedanken etwas gesagt werden, und sei dies nur um es später wieder überwinden zu können.

Das ganze Projekt (‘WAP’) scheint in seiner Entwicklung stets zwei Schritte nach vorne, und einen zurück zu gehen, weil immer wieder Fehler auftreten, oder z.B. durch eine Wissenslücke falsche Begriffe verwendet werden, oder Begriffe sonstwie misrepräsentiert werden. Ein Dutzend Weltanschauungen ist nicht gleich einem dutzend Sprachen: es sind einige dutzend Sprachen pro Wissen- oder Glaubenschaft (Gesinnungsgruppen), und verschiedenste von diesen wieder pro Weltanschauung. Aus dem Grund sollte das WAP eigentlich ein gemeinschaftliches Projekt sein, etwas, das eines Tages vielleicht, oder hoffentlich, realisiert werden kann.

Ein Beispiel hierzu ist die Unterscheidung zwischen ‘Wort’ und ‘Begriff’, und wie in der Philosophie oder Linguistik ein Unterschied gemacht wird: während das Wort aus Silben besteht die ausgesprochen und geschrieben werden können, und bestimmten Regeln seiner Sprache unterliegt, und sich in bestimmter Weise von den anderen Worten derselben Sprache unterscheidet, und in andere Sprachen übersetzt oder angenähert werden kann, hat der Begriff ganz andere Eigenschaften und Aufgaben. Der Begriff ist der Sinn hinter dem Wort, er ist eine Idee, die sich durch Worte, stets mit gewissen Kompromissen, in etwas formen lässt, das durch die Sprache mitgeteilt werden kann. Als mir der Unterschied bewusst wurde, musste ich die bisherige Arbeit nach Stellen durchsuchen, wo die zwei synonym (gleichartig) und fast per Zufall verwendet wurden. Kürzlich (Juni ’22) hatte ich dieses frustrierende Erlebnis mit dem Wort ‘Politik‘, das etwas ist, das wir in der Gegenwart nicht kennen – und schon müssen etliche Artikel (und etliche Tweets) noch einmal überarbeitet werden.

Die Darstellung der Zwölf WA soll in drei separaten Teilen geschehen: einmal möglichst einfach (Präsentation), einmal reflektierend (Kontemplation), und zuletzt so komplex wie für den Inhalt auch immer nötig (Kontention). Dennoch haben unverständliche Artikel wenig wert, und sollten so weit bearbeitet werden, bis sie verständlich geworden sind.

Für Präsentation soll das Verständnis im Vordergrund stehen, für Kontemplation die kunstvolle, philosophische, bewegliche Darstellung, und für Kontention die möglichst evidenzorientierte, möglichst widerlegbare These (was für WA wie Pneumatismus, Spiritualismus und dergleichen am ehesten mit logischen Schlüssen und Entsprechendem umzusetzen ist).

Ziel

Das Ziel dieser Webseite ist der Versuch einer öffentlichen Darstellung des Prinzips der Zwölf Weltanschauungen, wie von Rudolf Steiner entworfen, und wie von ihm in knapp vier kleineren Vorträgen skizziert. Es geht hier weder darum, Steiner zu verehren, noch geht es darum, ihn zu kritisieren. Es geht weiter nicht darum, das Verständnis des Betreibers von weltanschauung.org zu den Zwölf WA vom Verständnis der Zwölf WA einer anderen Person oder Gruppe abzugrenzen. Es werden leider auch nicht alle WA gleicherart berücksichtigt, da es für manche WA je nach Mensch mehr Überwindung braucht, sich mit deren Inhalten zu beschäftigen (mir persönlich ist der Sensualismus am Absurdesten und der logistizistische Pneumatismus am Nächsten – dennoch akzeptiere ich beide gleichermassen unter den DWA).

Nachdem gesagt wurde, worum es nicht geht, sei nun gesagt, worum es geht. Es geht hier erstens darum, die zwölf Weltanschauungen so zu lehren, dass die zu einem fremden Weltanschauungen nicht mehr etwas Unerreichbares sind, sondern schon mit wenigen richtigen Gedanken auf einmal ganz leicht darin verstanden werden, was in der Gegenwart eben nicht verstanden wird. Man betrachte die Weltanschauungen als eigene ‘Sprachen’, wobei aber jede den Platz mit elf anderen teilen muss. Was sie sagen, mag manchmal widersprüchlich scheinen, ist es aber nicht – die vereinigenden Sprachen, wie Deutsch oder Französisch, sind nur zu allgemein, zu durchlässig für alles, um einer spezialisierten WA gerecht werden zu können. Es ist für die interaktiven Sprachen der Völker und Länder jedoch notwendig, sich allgemein zu halten, um nicht die eine oder die andere WA auszuschliessen.

Von da aus, mit diesem Bild im Bewusstsein, wollen zweitens dann die einzelnen WA näher betrachtet werden, und mit der angemessenen Geduld soll mit einer der vielen WA-Universalsprachen der Gegenwart (Deutsch) das Wesen, die Inhalte und das Wirken der verschiedenen einzelnen WA erforscht werden.

Hat man sich ein Verständnis über einzelne WA errungen, kommt das Dritte zum Zuge, und das ist der verständnisvolle Austausch unter den WA, das eigentliche Ziel dieses Projekts. Oppositionelle WA-Vertreter sollen um die Existenz ihrer Opposition wissen, und nicht mehr von deren Gedankengängen überrascht werden, und ob all der Missverständnisse, welche als Absurditäten empfunden werden, fassungslos dastehen. Oppositionelle WA-Vertreter reden ohne das Wissen um die WA einander vorbei, ohne dass sie im Geringsten verstehen, wie dies geschieht. Verstehen sie um ihre Unfähigkeit die Opposition zu verstehen, wird man in den Menschen demütigere WA-Vertreter haben, welche nicht mehr einen alleinigen Anspruch auf alles Wissen behaupten werden wollen.

Zusammenfassend geht es erstens um das Verstehen des WAP, zweitens um das Verstehen einzelner WA, und drittens um das Verstehen der Grenzen der ‘eigenen’ WA, und die Möglichkeiten der oppositionellen WA im WAP.

Dieses sind die Ziele dieses WA-Projekts.

Der Nutzen der WA für die Anthroposophie

Ich sehe die Anthroposophie lieber als ein Rahmen und ein Werkzeug, der dem individuellen Menschen eine ungefähre Richtung weist, in die er forschen kann. Weniger gerne sehe ich die Anthroposophie als ein Rahmen für ein Kollektiv, in dem sich Gleichgesinnte sammeln.

Ich sehe in den WA ein Ausweg aus einer Anthroposophie, die nicht so recht weiss, wohin es gehen soll, und die tendentiell gerne nur Altes, bereits Gesagtes wiederholt. Ich sehe in den WA eine Verbreiterung der Möglichkeiten des Forschens in allen Bereichen, ein Weg zum selbstständigen – von unerreichbaren Denkern unabhängigen – Denken, ohne Angst haben zu müssen, relativ zu Steiner oder anderen grossen Persönlichkeiten in der Erkenntnissuche zu versagen. Die WA haben für jeden Menschen etwas, und egal wie klug und bedacht man auch sein mag, man wird sich in den WA gewaltig irren, weil für jede WA gilt, dass man sich auch mit den besten Gedanken irgendwann auf das Terrain einer fremden WA begeben, und dort kläglich hinfallen wird. In jedem Irrtum lernt man nicht nur etwas über die Fülle der WA, man hat oft auch ein Erlebnis von Selbsterkenntnis.

Die WA sind ein unendlicher Spielplatz, auf dem alles zu finden, alles auszuprobieren ist. Man wird merken, dass dieses einem zusagt, und man mit jenem nichts anfangen kann. Man kann sich in der gesamten Spanne der Philosophie tummeln, mit Husserl, Schopenhauer, Schelling und vielen anderen, und die WA helfen einem, sich in etwa orientieren zu können. Je mehr man sich mit der Hilfe der WA in der Welt der verschiedensten Ideen verschiedener WA bewegt, desto einfacher fällt es einem mit der Zeit, sich selbstständiger darin zu bewegen, und wenn man es richtig macht, braucht man ab einem bestimmten Punkt überhaupt keine Hilfe mehr, und man ist in einem gewissen Sinne frei geworden, im Denken.

Vielleicht können die WA der Anthroposophie ausserhalb der Praxis einen neuen Dynamismus verleihen.


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