Kategorien sozialer Dreigliederung

Jeder Kulturmensch ist von drei Arten sozialer Strukturen umgeben:

  • 1) Familie/Beziehung (private Struktur wenn ‘gut’)
  • 2) Gemeinde/Staat (politische Struktur wenn ‘gut’)
  • 3) Freunde/Bekannte/Kollegen (manchmal Teil einer partisanen Struktur, nie ganz privat und nie ganz politisch).

Der Staat wiederum besteht aus dreierlei: dem Geistesleben, dem Rechtsleben und dem Wirtschaftsleben.

Anmerkung: meine Beschäftigung mit der anthroposophischen ‘Dreigliederung des sozialen Organismus’ ist bisher nur oberflächlich geschehen. Dieser Artikel ist in diesem Sinne möglicherweise grundfalsch.

GeisteslebenRechtslebenWirtschaftsleben
BildungsstätteBürokrativeLehrhaus
KunststätteExekutiveMarkthaus
ReligionsstätteJudikativeSpendenhaus
SinnstiftungsstätteLegislativeZunftshaus

Geistesleben

Bildungsstätte, Kunststätte, Religionsstätte, Sinnstiftungsstätte.

Im Geistesleben wird das Schöne geschaffen, ausgeformt und gepflegt. Hier muss nichts gewonnen und bewiesen werden wie im Wirtschaftsleben, und es gibt auch keinen verpflichtenden Zustand wie im Rechtsleben. Das Geistesleben ist der Ort wo der Mensch eine (beschränkte) Freiheit aus- und erleben kann. Die Sinnstiftungsstätte ist der Ort wo Erzählungen, Symbole und Riten entwickelt, weitergegeben und untersucht werden.

Rechtsleben

Bürokrative, Exekutive, Judikative, Legislative.

Im Rechtsleben muss die gesamte Gesellschaft, das heisst jeder vollmündige Bürger, teilnehmen, hier geschieht ‘Politik’ im wahren Sinne des Wortes; hier gilt die Stimme von jedem gleich viel. Es darf keine ‘Politiker’ geben, der Begriff ist ein Oxymoron (Widerspruch in sich – ausser es ist damit die gesamte Bürgerschaft gemeint). Es wird nicht durch rhetorische Wettkämpfe eine Repräsentation gewählt, es gibt keine politische Karriere, es gibt keine Macht. Jeder Bürger wird per Zufallslosverfahren zwischendurch dazu aufgerufen, am politischen Geschehen teilzunehmen, physisch präsent zu sein, um sich da sachlich und gründlich mit den ihm vorgelegten Themen zu beschäftigen und unter Erwägung aller Konsequenzen verbindliche Entscheidungen zu formulieren.

Wirschaftsleben

Lehrhaus, Markthaus, Spendenhaus, Zunftshaus.

Die Brüderlichkeit die hier notwendig sein soll, bezieht sich vielleicht nicht auf ein aufopferndes Teilen, sondern bis zu einer bestimmten Grenze auch gesunden Wettbewerb. Kain und Abel waren Brüder, aber eine solche Art von ‘Brüderlichkeit’ sollte hier wohl vermieden werden.

Symbolische Kategorisierung

GeisteslebenFreiheit – Stoffwechselsystem – franz. Flagge blau

RechtslebenGleichheit – Rhythmisches System – franz. Flagge weiss

WirtschaftslebenBrüderlichkeit – Nerven-Sinnesssystem – franz. Flagge rot

Gesellschaftsform

In diesem Artikel wird kurz berührt nach welcher Art wir unsere moderne, westliche Gesellschaft aufgebaut sehen, warum sie anders ist als wir meinen, und welche anderen Möglichkeiten es gibt.

Eine funktionierende Gesellschaft aufzubauen ist nicht einfach, und je grösser sie sein soll, desto schwieriger ist es. Kann aber mit einer vorhandenen Infrastruktur gearbeitet werden, so erleichtert es die Aufgabe etwas. Haben die Menschen bereits Erfahrung darin, kooperativ zu leben, ist die Aufgabe weiter erleichtert. Kann man sich auf alte, sorgfältig formulierte Dokumente berufen, die dabei helfen einfache Fehler in der Zusammensetzung und Entwicklung der Gesellschaft zu vermeiden, die davon berichten, welche Folgen aus welchen Fehlern entstanden, so ist die Aufgabe noch einmal etwas einfacher.

Kultur und Natur

Von all den Menschen auf dem Planeten ist eine grosse Mehrheit ‘Kulturmensch’. Wir können mehrheitlich lesen und schreiben, nutzen Strassen und Gefährte, sind Angestellte für Gegenleistungen, tauschen Güter nach einem Standard, usw. Der ‘Naturmensch’ hingegen ist fast ausgestorben, oder besser: ist am schlafen. Wir sind von Natur aus Naturmenschen, aber manchmal überdecken wir ihn mit dem Kulturmenschen. Mit Naturmenschen sind hierbei nicht Hippies, Selbstversorger, jene Verarmten mit schlechter Infrastruktur oder dergleichen gemeint, sondern Menschen die z.B. aus tausenden Pflanzen die Giftigkeit kennen, ohne jemals ein Wort gelesen oder ein Buch aufgeschlagen zu haben.

Die Menschheit hat als Ganzes grundlegende Kulturbedingungen erfüllt. Jedes Land kennt mindestens ein Schriftsystem, mindestens ein Wertesystem, ein Rechtssystem usw. In jedem Land der Welt gibt es Museen, Grundbildung und Steuern. In manchen Ländern sind die Menschen gerade gebildet genug um Propagandaplakate oder -artikel lesen und verstehen zu können. Aber auch das reicht schon als Grundlage, denn auch Propaganda hat einen gewissen ordnenden Nutzen.

Unzählige Gesellschaftssysteme sind schon ausprobiert worden, manche mit mehr, andere mit weniger Erfolg. Manche scheiterten durch ungünstige Umstände, manche durch strukturelle innere Schwächen. Von den meisten ist nichts in die Gegenwart hinein überliefert. Was wir uns für die Gegenwart vorstellen können, ist stark davon beeinflusst, was wir in der Gegenwart vor uns haben. Es gibt viel mehr Mögliches als das, was direkt vor unserer Nase liegt.

Was wir meinen zu wollen: die Säkulargesellschaft

Oder auch: “was wir (im kollektiven Westen und tendentiell) fälschlicherweise meinen zu haben”. Wir sind nicht säkular (Staat und Kirche trennend), wir sind eher ‘anti-Vergangenes’. Die neue Kirche heisst Szientizismus (Wissenschaftsglaube), so widersprüchlich dies auch zu sein scheint. Der moderne Staat nimmt mehrheitlich von da seine Ideologien. Das Aggregat all der szientizistischen und pseudowissenschaftlichen Ideologien dient als Ersatzreligion.

Wir leben mit haufenweise neuen Werkzeugen und Einrichtungen, und meinen erstmals Grenzen überschritten zu haben, von denen all unsere Vorfahren nur träumen konnten. Wir schreiben den gewonnenen materiellen Komfort unserer Wissenschaftlichkeit zu und grenzen ihn ab von unseren frommen Vorfahren. Die Fortschritte sind materiell; wir meinen aber, dass sie auch uns als Menschen betreffen; wir meinen, wir selber seien in gewisser Weise besser als unsere Ahnen; wir meinen von Glauben und Mythos befreit zu sein, und der ‘Beweis’ dafür ist unser Wohlstand. Wir wollen fortschrittlich sein, und so wollen wir z.B. unsere Ethik so weit fortschreiten sehen, wie wir all unsere Elektrospielzeuge und dergleichen fortschreiten sehen.

Die Realität ist jedoch nüchterner. Wir haben zwar unzählige neuartige Materialien, Technologien, ganze virtuelle Welten, eine unüberschaubare Komplexität usw. Was wir jedoch nicht haben, ist eine ‘neue Psyche’. Unsere Psyche ist vermutlich diesselbe wie vor 2000, 3000, 4000 Jahren. Das Menschheitsgeschlecht gibt es schon sehr lange, und grossflächige Änderungen geschehen in ihm sehr langsam. Die neue Weltlichkeit gibt uns auch nicht eine bessere Ethik, Ästhetik, Wertesysteme etc, nur weil der Mythosglaube ausgeklammert wird.

Was daraus geschlossen werden kann ist, dass unsere Welt in der Gegenwart durch verschiedenste äussere Dinge zwar anders aussehen mag, dass sich diese Veränderungen jedoch vor allem an der Oberfläche vollzogen haben. Wir haben weder mehr Klugheit, noch mehr Weisheit, noch mehr Erinnerungs- oder Vorstellungsvermögen etc, wir haben lediglich physische Instrumente die uns diese Dinge abnehmen. Ob das unsere persönlichen, geistigen Fähigkeiten verbessert ist fraglich. Es verbessert sicher unsere unpersönlichen physischen Fähigkeiten.

Die ‘private Religion‘, zu der diese Form einer Gesellschaft geführt hat, macht den Menschen jedoch unter anderem einsam, da ihm nun der Raum fehlt mit anderen Menschen etwas zu teilen, das weit mehr ist als nur intellektuelle Übereinstimmung. Daraus entstehen verschiedenste gesellschaftliche Probleme (die unter dem Artikel über Religion berührt werden). Eine Säkulargesellschaft zu wollen, ist aus dem Grunde nicht der beste Wille.

Was wir haben: die Äppelgesellschaft

Durch die Veräppelung nimmt man jemanden sprichwörtlich (im Gegensatz zu ‘wortwörtlich’) auf den Arm; man macht sich einen Scherz mit einem anderen Menschen.

Nun muss es nicht notwendigerweise eine Person sein, die sich mit einem anderen Menschen einen Scherz erlaubt, es kann auch ein Unternehmen oder eine Organisation sein, das oder die sich seinen Kunden oder ihren Mitgliedern gegenüber so verhält, dass man denken könnte, die Menschen würden mit Absicht veräppelt.

Durch dreierlei Strategien wird z.B. bei der Firma Apple ein weltlicher Schabernack mit der Kundschaft betrieben: erstens durch Hardware, zweitens durch Kosten, und drittens durch Software. Apple wird hier als Beispiel verwendet, weil die Firma durch ihre ‘Scherze’ in Umsatz bis vor kurzem noch die grösste der Welt war, und einen speziell unbarmherzigen Klamauk betreibt.

Erstens werden Geräte verkauft die so gebaut sind, dass in wenigen Jahren neue (teure) Ersatzgeräte gekauft werden müssen. Die Geräte sind so gebaut, dass eine Reparatur mühsam ist, und so ist der Kauf von einem komplett neuen, teuren Gerät im Fehlerfall naheliegend genug zu sein scheint (siehe ‘Right to Repair‘, das ‘Recht auf Reparatur’). Das Material für die Geräte wird so gewählt und zusammengebaut, dass es nach wenigen Jahren zerfällt; dies nennt sich ‘geplante Obsoleszenz’ (absichtlicher Zerfall). Ein Gerät nach dem anderen zu kaufen ist übrigens kein Materialismus[1].

Zweitens kosten die Geräte sehr viel, obwohl sie nicht anhaltend gut, sondern gut aussehend gebaut werden. Die Qualität beschränkt sich auf die Bedienung und die Optik (das Aussehen).

Drittens ist das Betriebssystem so gestaltet, dass die Menschen alles nur genau so tun können, wie Apple es für sie vorsieht. Der Konsument wird davon abgehalten zu verstehen, was im Hintergrund geschieht. Das Nutzererlebnis ist wie eine Einbahn ohne Hürden, und die Dinge funktionieren, ohne dass man sie durch den geringsten persönlichen Aufwand oder durch ein Verstehen der Sache zum Funktionieren bringen muss. Und: auch über die Software findet sich bei Apple geplante Obsoleszenz (alter Artikel bei Forbes).

Der dritte Punkt scheint in Bezug auf die einfache Bedienung etwas Gutes zu sein – es ist für die Psyche aber schädlich, wenn die Menschen ihre Umgebung nicht mehr verstehen und immerzu Dinge gebrauchen, die von Anfang bis Ende alles für den Menschen übernehmen. Die Realität wird dem Menschen abgenommen und er entkoppelt sich ohne es zu merken von seiner Umgebung – vom Wirklichen.

Apple baut Akkus so, dass sie eine künstlich verkürzte Lebensdauer haben, macht es schwierig, sie auszuwechseln, und verlangsamt das Gerät nach einer gewissen Nutzungszeit absichtlich über Software, mit dem Scheinargument, die Akkus stellten nach einer Anzahl Ladevorgänge eine Gefahr dar. Man sieht das zirkulare Begründen. Da solches Tun sehr subtil ist, und in den Augen von Ökonomen die Wirtschaft anfeuert, ist es nicht etwas, das einfach durch ein Gesetz entfernt werden könnte. Es ist ein systemisches Problem.

Eigentlich sollte jeder Mensch der mit digitalen Geräten hantiert, etwas vom Programmieren verstehen. Wenn der Mensch sich vom Wirklichen abtrennt, geht nicht nur seine praktische Fähigkeit verloren mit der Natur in einfacher Weise umzugehen, auch seine Vorstellungen, seine Begriffe, sein innerer Bezug zu den Realitäten der Umwelt schwindet. Er beginnt in einer ideelen Welt oder einer Fantasiewelt zu leben; er verliert die Fähigkeit, zwischen Ideologie und Utopie zu unterscheiden. Real werden Unterhaltungsmedien, die tatsächlich fiktive Dinge vorzeigen. Und hier verliert der Mensch durch die früh im Leben erscheinenden digitalen Bilder neuer Technologien gar die Fähigkeit, in sich selber z.B. innere Bilder zu schaffen. Es gibt heute viele, die sich eine Sache nicht einmal abstrahiert vorstellen können. Es ist eigentlich normal, dass in einem Menschen Bilder auftauchen, wenn er z.B. die Augen schliesst – viele haben das nicht mehr. Sie haben keine Bilderschaffenskraft. Das mag schwer zu glauben sein, aber das Absterben der Imagination ist ein zunehmendes Phänomen. Bildschirme, die schon in früher Kindheit für die kleinsten, jüngsten Menschlein allerlei Bilder erzeugen, übernehmen etwas, das der Mensch selber ausbilden und erlernen können sollte. Der Bildschirm nimmt dem Kind die Möglichkeit, sich im Geiste Bilder zu Sagen und Märchen selber zu erzeugen. Der Mensch wird innerlich still. Es gibt in meinen Augen fast nichts Schrecklicheres als die Idee, keine Bilder erschaffen zu können.

So lebt der Mensch in einer Fantasiewelt, obwohl er keine Fantasie hat. Ein solcher Mensch ist ein Gefangener, ohne dass ihn jemand gefangen hält. Er trägt Ketten, von denen er meint, sie seien ein natürlicher Teil von ihm.

Wir meinen von Technologien unterstützt zu werden – was einerseits richtig ist, andererseits werden wir von ihnen abhängig und verlieren verschiedenste Kräfte, und werden schleichend zu geistigen (und irgendwann auch physischen) Krüppeln. Wir drehen in der Äppelgesellschaft in einem Hamsterrad. Wir mühen uns darin für Dinge ab, die keinen anhaltenden Wert, und damit eigentlich auch generell keinen Wert haben.

Eine solche Gesellschaft hat verlockende Vorteile, aber sie ist nicht die beste.

Was wir wollen sollten: die Beteiligungsgesellschaft

Jede Gesellschaft hat in ihrer Form Vorzüge und Schwächen. Wie eine Gesellschaft aufgebaut ist, ist weniger gradlinig als man meinen könnte. Denn es ist ein Fehler zu denken, dass man für die beste Gesellschaftsform einen ‘besten Fokus’ auswählen müsse, z.B. Entrepreneuren all die nötigen Anreize zu geben, ihre Ideen umzusetzen, herzustellen und zu vermarkten. Oder dann möglichst sozial zu sein, und Güter und Mittel so effizient und fair wie nur möglich unter dem Volk aufzuteilen. Oder einen Staat zu haben, der jede Form von Kriminalität mit aller Härte zerschlägt, usw. Der Fokus ist gerade ein Fehler.

Jeder Mensch ist einzigartig. Es gibt Menschen, die durchsetzungsstark, arbeitsfreudig und kompetitiv sind. Von solchen Menschen wird das Beispiel mit der Wettbewerbsgesellschaft abgeschaut. Dann gibt es Menschen, die vielleicht einen feinen Sinn dafür haben wenn andere leiden, und die den Willen oder Drang haben, deren Leiden zu mindern; an ihrem Beispiel wird z.B. der soziale Staat abgeschaut. Und als drittes Beispiel haben wir Menschen, die einen strengen Gerechtigkeitssinn haben, die es nicht ertragen, wenn gegen das Gesetz verstossen wird. An jenen wird z.B. der tyrannische Staat abgeschaut.

Durch die Einzigartigkeit eines jeden Menschen, dessen Talente, dessen Interessen, dessen Umgang mit anderen usw, kann eine Gesellschaftsform geformt werden. Man könnte eine Sportlergesellschaft haben, eine Bürokratengesellschaft, eine Langweilergesellschaft usw, die Möglichkeiten sind endlos. Man bedenkt es nicht, aber was wir als Potential vor uns haben, ist tatsächlich eine von etwa acht Miliarden Möglichkeiten.

Wie entscheiden wir uns unter all diesen, welche die beste ist? Nehmen wir den produktivsten, den sozialsten, den gerechtesten Menschen als Beispiel, und bilden diesen in einer Staatsform ab?

Die beste Form lässt alle Formen zu; die beste Staatsform begünstigt nicht eine Menschen-Charakteristik über die andere. Eine gute Gesellschaftsform ist so nicht die kämpferischste, die sozialste, die gerechteste usw, sondern die, welche all die verschiedenen Menschen mit ihren Eigenheiten (Formen), in ihren Formen erfolgreich sein lässt, ohne sie durch eine ‘Bildungs’-Mühle drücken zu müssen, oder in einem Hamsterrad der Beschäftigung rennen zu lassen und dergleichen Übel, nur damit sie besser zu der bevorzugten Form passen. Die beste Gesellschaft ist weder die beste Form (z.B. aristokratisch), noch ist sie formlos (anarchistisch) – sie bietet Formfreiheit: Sie lässt all die kleinen Formen (Individualitäten) zu. Sie drängt sich weder auf, noch lässt sie den einzelnen draussen in der Kälte stehen und für sich selber kämpfen.

Die Gesellschaft, in der sich ein jeder direkt und mittelbar zu beteiligen hat, wo nicht z.B. wenige Repräsentanten für zehntausende Individuen oder mehr gewählt werden, und wo der Privatismus von Parteien zurecht eine irre Absurdität ist, ist die einzige die allen etwas geben kann. In einer solchen Gesellschaft wird durch ein Zufallslosverfahren entschieden, wer dazu antraben muss politische Entscheidungen zu treffen. Dadurch findet sich eine echte Repräsentation der Bürger vor, wo jeder zwischendurch physisch hin muss, und sich in der Polis aktiv zu beteiligen hat. Die zufällig ausgewählten treffen sich, beschäftigen sich mit all den vorgelegten, trockenen Fragen in ruhiger, sachlicher Art, formulieren eine Entscheidung und gehen dann weiter ihres Weges. Keine Berufspolitiker, keine Wettkämpfe um Stimmen, keine Aufregung um Probleme, keine hetzerischen, aufreibenden Medien, kein Skandaljournalismus der die Aufmerksamkeit lenkt und am erfolgreichsten ist wenn er wütend macht, keine Koordination privater Gruppen, kein Fingerzeigen, keine Schlammschlachten.

Diese Form nennt sich ‘Demokratie‘, und sie ist etwas grundsätzlich anderes als das, was wir haben (ein Artikel zu Politik zum Thema). Demokratie ist die schwierigste Form von allen, sie ist die wahre ‘Hochkultur’. Sie wurde bereits errichtet (auch wenn es mit vor ~2’500 Jahren länger her ist), wir können auf vorhandener Infrastruktur bauen, und haben durch Dokumente wie die Bibel und vielen anderen Schriftwerken ‘Anleitung zur Vermeidung’.

Aus diesen Gründen ist die Umsetzung der Demokratie möglich.

Anmerkung

[1] Solcher Konsumerismus ist kein Materialismus, weil der Materialismus sich um Materie sorgt; nichts liegt dem Materialismus ferner als Materie absichtlich so zu bearbeiten, dass sie nach einer kurzen Zeit zerfällt, nur damit mehr geschäftet werden kann. Müllberge (oder: Vergeudung von Materie in reinem Zustand) sind dem Materialismus etwas Abstossendes.

Kategorisierung nicht-einfacher Fehler

Dies ist einer der vielen Artikel die laufend überarbeitet werden. Offensichtliche Fehler, bei denen nicht zwischen Absicht und Inkompetenz unterschieden werden kann, können bei den ‘nicht einfachen Fehlern’ nicht berücksichtigt werden. Folgendes sind Kategorien für Fehler die ehrlich (d.h. gegen beste Versuche keinen Fehler zu machen) geschehen; nicht solche, die zumeist dazu dienen ein Argument zu gewinnen, oder sich selber etwas vorzumachen.

Auf weltanschauung.org scheinen unzählige kleine Projekte in den Kinderschuhen zu stecken, und keines scheint jemals wirklich abgeschlossen zu werden. Das hat Methode. Die Idee ist, alle Projekte zu beginnen, und gelegentlich mit der Frage zurück zu schauen: “welche Projekte sind notwendig um das Weltanschauungsprinzip der Welt in den drei Formen zu zeigen (einfach und bildhaft: Präsentation; überlegend: Kontemplation; beweisend: Kontention), und welche Projekte sind verschenkte Mühe oder in einfacher Weise ersetzbar”. Dann wird in eine zweite Runde gegangen, und an jedem Projekt wird ein bisschen gefeilt. Manche werden verworfen: andere werden neu hinzu genommen weil sich zeigt, dass hier und dort noch etwas fehlt, usw. Würde ein Projekt um das andere bis zum bitteren Ende durchgezogen, entsteht die Gefahr der Anbindung an ‘versunkene Kosten’ (ein Denkfehler um sich selber z.B. vor Enttäuschung zu schützen): “Es wurde so viel Zeit und Energie in dieses oder jenes Projekt investiert, es kann sich nicht als sinnlos herausstellen – warum sonst hätte ich so viel Zeit und Energie darin investiert?” Beim Thema ‘Aprosität‘ (das Unzugängliche, nicht Erreichbare) wurde zum Beispiel zu viel Energie investiert – gemessen daran, wo das Weltanschauungsprinzip-Projekt (‘WAP-Projekt’ hat keine Tautologie) als Ganzes erst steht.

Vielleicht ist es auch Faulheit und mangelnde Aufmerksamkeit, und Obiges ist ein Rationalisieren der halbherzigen Projekte. Da aber der Gedanke, dass es lediglich Faulheit sein könnte, ein Hinweis darauf ist, dass dem nicht der Fall ist (dass es hingegen tatsächlich bewusst gewollte Methode ist), weil es nicht einfach so zugegeben würde wenn es nur Faulheit wäre, spricht etwas gegen Faulheit. Da um diesen Umstand beim Schreiberling jedoch ein Bewusstsein vorhanden ist, ist wohl gerade jener Gedanke ein effektives Rationalisierungsinstrument – denn ich würde das Rationalisieren bestimmt nicht zugeben, wenn es vorhanden wäre. Da ich aber diesem wieder bewusst bin…?

Ein Teil der Aufgabe, das Weltanschauungsprinzip systematisiert aufzubauen, ist es, alle notwendigen Kategorien zu erstellen, die für das Beweisen des Weltanschauungsprinzips vonnöten sind. Das Weltanschauungsprinzip will bewiesen werden, und die Bedingungen dazu scheinen kein Ende zu nehmen. Um mir das Leben etwas einfacher und die Aufgabe weniger unmöglich zu machen, versuche ich überall sinnvolle Kategorien (oder nur schon Definitionen)zu finden, mit denen ich effektiv arbeiten kann, und wo ich keine sinnvollen finde, welche zu erstellen. Folgendes ist leider zweiteres.

Weiterführende Artikel, die einfache Fehler behandeln:

Überkategorien

Nun also zu der Sache. Vier Überkategorien an nicht einfachen Fehlern:

  1. Denkfehler
  2. Erkenntnisfehler
  3. Methodenfehler
  4. Sachfehler
DenkfehlerErkenntnisfehlerMethodenfehlerSachfehler
AssoziationsfehlerAuswahlfehlerAnwendungsfehlerInhaltsfehler
BedingungsfehlerBewertungsfehlerPlatzierungsfehlerLogikfehler
VorurteilsfehlerVerständnisfehlerVertrauensfehlerSprachfehler

Mit drei Hauptkategorien unter jeder Überkategorie haben wir ein dutzend Hauptkategorien an nicht einfachen Fehlern, unter die dann allerlei weitere Kategorien eingeteilt werden können. Auch die Hauptkategorien sind noch sehr grob, denn sie sollen alles beinhalten was unter die Überkategorie gefasst werden kann. Damit die Kategorien Sinn machen, müssen weiter die Eigenschaften der Überkategorien verstanden werden. “Was ist das Denken?” muss beantwortet werden können, um Kategorien aus der Denkfehlerüberkategorie schliessen zu können; “Wie verläuft eine Erkenntnis?” oder “Was ist für eine Erkenntnis notwendig?” müssen beantwortet werden können, um Erkenntnisfehler kategorisieren zu können usw. Für diese zwei Beispiele übrigens wird Rudolf Steiners Hauptwerk “Philosophie der Freiheit” zu Rate gezogen – dessen Inhalte werden jedoch an anderer Stelle näher betrachtet, und dann später von hier aus darauf verwiesen.

Diese Kategorisierung ist ein Versuch (wie vieles hier). Sie hat (noch) keinen Anspruch auf Abgeschlossenheit. Die Kategorie ‘einfache Denkfehler’ analog zu den ‘nicht-einfachen Fehlern’ soll nicht als Schlupfloch dienen, sobald ein Fehler in letzteres nicht einzugliedern ist. Die Kategorisierung ist offen für Anpassungen, und solche werden mit Sicherheit auch kommen.

Einfache Fehler sind weiter darin anders als nicht-einfache, indem sie verschiedenste Hauptkategorien gleichzeitig abdecken. Einen nicht-einfachen Fehler hat man dann, wenn nur eine Hauptkategorie zutrifft.

Das Resultat eines Fehlers ist der ‘wahrscheinlich falsche Schluss’.

Denkfehler

… teilen sich auf in die drei Hauptkategorien:

  1. Assoziationsfehler
  2. Bedingungsfehler
  3. Vorurteilsfehler

Der Assoziations- oder Dissoziationsfehler entsteht, wenn verbunden oder getrennt wird, was nicht verbunden oder getrennt werden sollte.

Der Bedingungsfehler stellt falsche Axiome oder Prämissen.

Der Vorurteilsfehler fällt sein (falsches) Urteil vor der Wahrnehmung, oder gibt dem Vorurteil vor der Wahrnehmung den Vorrang. Auch ‘Bias’ genannt; kommt bei einfachen Fehlern sehr häufig vor, ist aber generell schwer zu vermeiden.

Erkenntnisfehler

… teilen sich auf in:

  1. Auswahlfehler
  2. Bewertungsfehler
  3. Verständnisfehler

Die Erkenntnis ist die Verbindung von Wahrnehmung und Gedanke.

Der Auswahlfehler entsteht durch unvollständige Daten, eine unpassende Selektion von Daten oder blinde Flecken.

Der Bewertungsfehler entsteht durch eine falsche Bewertung der Wichtigkeit oder Bedeutung verschiedener Eindrücke oder Ergebnisse.

Der Verständnisfehler entsteht durch eine (Vielzahl an möglichen Gründen) fehlerhafte Interpretation von Wahrgenommenem, z.B. durch irreführende Sinneseindrücke, durch ‘falsche Beobachtung’ (einschränkende Perspektive, unangessene Dauer oder Zeitpunkte des Beobachtens, falsch gerichteten Fokus etc), oder durch das Vermischen älterer, vorhandener Gefühle mit dem Neuen.

Methodenfehler

… teilen sich auf in:

  1. Anwendungsfehler
  2. Platzierungsfehler
  3. Vertrauensfehler

Diese Fehler haben in den dutzend Weltanschauungen eine wichtige Rolle. Hierbei ist unser anachonomistischer Grundsatz zu erwähnen: eine Methode selber gilt nie als falsch. Es ist immer in der Anwendung oder Platzierung der Methode der Fehler zu suchen. Es gibt Methoden die auf nichts anwendbar sind; das macht die Methode nicht falsch, sondern ‘für die Gegenwart unnütz’. Es kann schliesslich sein, dass eines Tages ein zu ihr passender Gegenstand existiert.

Der Anwendungsfehler geschieht wenn die Methode nicht wie sie vorgesehen ist verwendet wird.

Der Platzierungsfehler setzt eine Methode in ein (zu ihr) unpassendes Gebiet. Er entsteht durch einen, oder führt zu einem, nicht erkannten (oder in falscher Weise korrigierten) Widerspruch zwischen Methode und Gegenstand. Die Kombination aus Methode und Gegenstand passt nicht genügend zusammen, um falsche Ergebnisse vermeiden zu können.

Der Vertrauensfehler (oder Misstrauensfehler) schätzt die Nützlichkeit der Methode falsch ein: entweder zu hoch (Überschätzungsfehler) oder zu niedrig (Unterschätzungsfehler). Der Vertrauensfehler führt häufig zum Platzierungsfehler.

Sachfehler

… teilen sich auf in:

  1. Inhaltsfehler
  2. Logikfehler
  3. Sprachfehler

Inhaltsfehler sind falsche, schlecht belegte oder ungenaue Quellen, Zitate, Bemerkungen, usw.

Logikfehler sind innere Schwächen in einem Argument, durch widersprüchliche Aussagen die sich überschneiden. Widersprüchliche Aussagen allein müssen noch nicht auf Fehler hinweisen (da jede Sprache in ihrer Weise einschränkt, wie Ideen kommuniziert werden können), solange die Widersprüche zueinander ‘isoliert’ sind – das heisst nicht in derselben WA anzutreffen, oder sonstwie auf unterschiedliche Gebiete anzuwenden sind -> siehe WAP-Oppositionsgesetz.

Sprachfehler sind Fehler die sich z.B. aus Mehrdeutigkeit, ungenauen Definitionen, Übersetzungen usw ergeben.

Ein besserer Name für diese Überkategorie wird gesucht…


Kritiken-Serie 5: Akademia

In diesem Artikel möchte ich aufzeigen, dass die Welt der Universitäten zuerst sich selber und den eigenen dient, und der Allgemeinheit erst indirekt untergeben ist. Dies begründe ich damit, dass ich keinen anerkannten, öffentlichen Zugang zu ihren Materialien habe, nicht einmal über das Internet, auch wenn das Einrichten von solchem einen insignifikanten zusätzlichen Aufwand bedeuten würde, und obwohl ich solche Materialien gebrauche.

Wie viel Geld wird für Bildung aufgewendet? In der Schweiz allein sind es durch den Bund mehr als 8 Miliarden Franken jedes Jahr (d.h. für das Jahr 2021), und die Kurve steigt mit jedem Jahr weiter an (hauptsächlich durch Inflation wie ich vermute). 2.5 Miliarden werden vom Bund für Hochschulen ausgegeben, 3 Miliarden für Grundlagenforschung, 1.7 Miliarden für angewandte Forschung, während für die Berufsbildung rund 1 Miliarde ausgegeben wird. Dann finden sich noch Ausgaben für ‘übriges Bildungswesen’. Es sind ungefähr 10% aller steuerlichen Bundesausgaben. Ich weiss nicht, wie viel im Total von einzelnen Kantonen aufgewendet wird, der Kanton Bern jedefalls wendet jedes Jahr 2.5 Miliarden für Bildung auf. Wie viel davon an welche Art von Institution geht, weiss ich wiederum nicht. Es ist all dies jedenfalls sehr viel Geld.

Universitäten erhalten von all dem einen grossen Anteil, und dies zurecht, denn sie geben die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes im globalen Spiel um Forschungsgelder und um die regionale Attraktivität für qualifizierte Studenten, Doktoranden, Professoren usw, vor. Wer die Hochgebildeten der Welt anziehen kann, hat sehr viel mehr Möglichkeiten, auf jeder Ebene.

Wenn nun jedes Jahr allein in der Schweiz Miliarden an Franken für Hochschulen aufgewendet werden, wie ist es dann möglich, dass sich auf der ganzen Welt nicht eine einzige öffentliche, akademische Institution findet, die sich die Mühe macht, einen einzigen Angestellten dafür aufzuwenden, die grössten Schriftwerke der Geschichte zu katalogisieren und der Öffentlichkeit kostenfrei in verschiedenen Sprachen zur Verfügung zu stellen? Von wie vielen millionen Menschen die für Hochschulen und Universitäten arbeiten, findet sich nicht ein einziger Mensch der dazu abgeordnet wird, der Öffentlichkeit ohne Gegenleistung zu dienen, und einige zehntausend PDFs zu sortieren und hochzuladen? Ich sammle seit Jahren alles zusammen das ich finden kann, und ich werde alles öffentlich zugänglich machen, und ich werde dies in meiner Freizeit tun, ohne einen einzigen Rappen, Cent oder Kopeken dafür zu erhalten, auf der anderen Seite muss ich jedoch dafür Steuern bezahlen, dass genau dies durch Bataillione an überdrossenen Bürokraten, Forschern und Studenten nicht getan wird, deren ganzer Lohn in vielen Fällen durch die Öffentlichkeit bereitgestellt wird.

Die Kritiken in dieser Kritikenserie richten sich, ähnlich wie die Artikelserie ‘Hürden der WA‘, gegen alle möglichen verkehrten Tendenzen der Gegenwart, bei Akademia verspüre ich jedoch eine spezielle Abscheu, da sich gerade dort Menschen finden sollten, die es besser wissen müssten. Nur der Sophismus der akademischen ‘Philo’-sophie ist aus demselben Grund noch schlimmer als die ökonomisierte Universitätswelt. Solche intellektuellen Kompromisse sind mir ein Anzeichen dafür, dass von diesen Menschen von sich aus nichts kommen wird, weil es Menschen sind, die sich von einer ihnen günstigen Strömung treiben lassen, und, abgesehen von Beschäftigung gegen Langeweile, nur tätig werden, wenn sich ihnen ein persönlicher Vorteil, ob materieller oder intellektueller Art, abzeichnet. Bisher fand ich zwei Akademiker, auf die all dies nicht zutrifft, der eine hiess Aaron Swartz, und der andere heisst Grigori Jakovlevitsch Perelman (Doku in russisch).

Der prinzipielle Widerspruch der 12WA

Die 12WA ohne die Visibilitätsstufen, Seelentöne und den Anthropomorphismus sind das 12WA-System

Alle vier Kategorien zusammen sind das Weltanschauungsprinzip (WAP). In diesem Artikel geht es um das System der 12WA, nicht um das WAP.

Das dutzend WA beschäftigt sich mit den möglichen Anschauungen welche man zur Welt haben kann. Dabei finden sich im System der dutzend WA einige Annahmen, wie z.B. dass Allseitigkeit nicht gleichzeitig möglich ist, dass Oppositionen durch ihre Unähnlichkeit nicht eins sein können, oder dass die Lage einer WA im System vorgibt, welche Grenzen und Möglichkeiten sie hat.

Solche Annahmen können wir nun versuchen nachzuweisen – und wenn wir es für alle Dinge, oder so viele Dinge wie nur möglich tun können, so haben wir eine bestimmte Art von Beweis (induktiv). Eine andere Art von Beweis wäre, durch in sich stimmige Überlegungen auf eine Gedankenabfolge zu kommen, die schlüssig genug ist, um durch sie von der Gültigkeit der Annahme auszugehen. Auch dies ist eine Art von Beweis (deduktiv). In beiden Fällen kommen wir jedoch auf ein fundamentales Problem in den 12WA, denn das System widerspricht prinzipiell den eigenen Annahmen, da es in einem Satz sagt, dass es Allseitigkeit gibt, und da es sagt, wie es sie gibt, während es sagt, dass Allseitigkeit nicht in einem Moment möglich ist.

Wenn wir sagen, Allseitigkeit sei nicht gleichzeitig möglich, so sagen wir, dass es z.B. unmöglich sein sollte einen Satz zu machen, der alle 12WA auf einmal beinhaltet. Sobald wir jedoch vom System der 12WA sprechen machen wir dauernd allseitige Sätze, wie: “Das System der 12WA ist wahr.” Ein solcher Satz sollte unter den Voraussetzungen des Systems nicht möglich sein, da es ein allseitiger Satz ist. Die Voraussetzungen des System schliessen damit ihr eigenes Wesen aus.

Wir können die Voraussetzungen des Systems nicht abändern, ohne andere Annahmen zum menschlichen Erleben zu machen (und Dinge wie Allseitigkeit nicht mehr auszuschliessen). So versuchen wir das Problem stattdessen damit zu lösen, dass wir gewisse Feinheiten einbauen, und damit weniger grob über die Voraussetzungen sprechen. Sagen wir z.B.: “Das System der WA ist wahr, aber es ist nicht in einem Moment als wahr zu erkennen, sondern nur über eine Abfolge von Gedanken”, so haben wir die für das System vorausgesetzte Allseitigkeit nicht mehr in einer Gleichzeitigkeit, sondern in einer zeitlichen Abfolge.

Dadurch sehen wir nun, dass wir das System zwar sowohl induktiv wie auch deduktiv begreifen können, aber nicht als eine einzelne Ganzheit, sondern nur als eine Anzahl an Bestandteilen. In anderen Worten können wir zwar alle Bestandteile der 12WA gleichzeitig sehen, aber wir können nicht die Wahrheit aller Bestandteile gleichzeitig erkennen. Entweder wir sehen in einem Moment das Ganze ohne die einzelnen Qualitäten, oder wir sehen in einem Moment eine einzelne Qualität ohne das Ganze. Entweder oder. Allein zu sagen, dass System sei wahr, sagt uns nichts, da wir eine solche Wahrheit nicht erleben, sondern nur auf sie schliessen können, indem wir die Wahrheit der einzelnen Bestandteile untersuchen.

Ich meine, dass der Widerspruch des Systems für den Moment damit beiseite gelegt werden kann.

Widerlegbarkeit der WA

Das Dutzend WA (DWA -> auf alle WA als eine Einheit bezogen). Dutzend wird hier gross geschrieben, nicht weil es ein Nomen wäre, sondern als Name, wie ‘Heiliges Römisches Reich, oder Goethe’sche Naturwissenschaft.

Die dutzend WA (WA -> wo immer eine Aufzählung aller dutzend WA Musse ist)


Alles Wahre hat Bedingungen, an die es geknüpft ist um eine Wahrheitsaussage machen zu können, und ohne Aussage kann das Wahre weder formuliert noch von anderen verstanden werden. Da die dutzend WA wie das Wahre verstanden werden wollen, wollen wir die Bedingungen der WA erfüllen, und dazu gehört die Frage, wie sie sich widerlegen und wie sie sich beweisen lassen. Eine Bedingung für eine Wahrheitsaussage (aber nicht Wahrheit an sich) sehr grundlegender Art wäre z.B., dass sich Wahrheit mindestens zum Teil über Sprache ausdrücken lässt. Damit hat schon jeder wahre, gemachte Satz eine Bedingung. Aus der Überlegung nach den möglichen Arten der Widerlegung möchte ich auf mögliche Arten des Beweisens schliessen können. Damit hat dieser Artikel noch einen weiteren Zweck.

Nun behaupte ich, dass das DWA als Prinzip wahr sind, dass sie also etwas repräsentieren, das dort in der Weise vorgefunden werden kann, wo sie etwas sagen, in der Art, wie sie es sagen. Wenn das DWA innerhalb des Weltanschauungsprinzips (WAP) oder an sich nicht wahr wären, so würden sie dort (wo auch immer das DWA eine handgreifliche Aussage macht) nicht in der Weise vorgefunden werden können, wie sie müssten.

Opposition, Resemblation, Indifferenziation

Das Dutzend WA hat eine Vielzahl überprüfbarer Bedingungen zu erfüllen. Denn es werden mit ihm nicht nur ein dutzend Kategorien für alle Denk- und Wahrnehmungsarten vorgeführt, diese Kategorien stehen in einer strengen Beziehung zueinander, die sich an der kreisförmigen Anordnung ablesen lässt. So ist eine Bedingung der Anordnung, dass gegenüberliegende WA (‘Opposition‘) einander nicht verstehen können, dass solche unvereinbar sind. Das bedeutet nicht, dass sich nicht ein Zwischending aus Oppositionen formen liesse, sondern, dass die Sprache der einen nicht auf die andere anwendbar ist.

Eine andere Bedingung, die sich aus der festgelegten Anordnung ergibt, ist dazu fast umgekehrt, es ist dies die Ähnlichkeit bei jenen WA, die direkt nebeneinander stehen (‘Resemblation‘).

Und die dritte Bedingung (aus der Relation) ist die Neutralität jener Oppositionspaare, die zwischen zwei anderen Oppositionspaaren stehen (‘Indifferenziation’).

Lässt sich zeigen, dass eine dieser drei Bedingungen von einer oder mehreren WA nicht erfüllt wird, so ist das Weltanschauungsprinzip als Ganzes widerlegt.

Exklusions- und Inklusionswiderlegung

Das Weltanschauungsprinzip ist jedoch noch mehr als das Dutzend WA (DWA), es kommen dazu noch drei weitere Kategorien hinzu. Eine jede davon besteht aus mehreren Unterkategorien. Wenn eine Unterkategorie von Kategorie A mit einer Unterkategorie von Kategorie B im Widerspruch steht, so wie WA-Oppositionspaare im Widerspruch stehen, ist das WAP ungültig. Hier wird nicht von einer unharmonischen Kombination gesprochen, sondern von einer unmöglichen Kombination, wie einem materialistischen Spiritualismus oder dergleichen. Die Unmöglichkeit einer Kombination einzelner Unterkategorien unterschiedlicher Kategorien führt zum Exklusionsbeweis (der Fehler des WAP wird durch ein Ausschlussverfahren gesucht und gefunden).

Eine Kategorie neben den WA formt sich z.B. aus den sieben Visibilitätsstufen (abgekürzt DVS, von Gnostizismus bis Okkultismus), und hier lässt sich das WAP als Ganzes bereits widerlegen, wenn sich aufzeigen und beweisen lässt, dass eine einzige Kombination aus DWA und DVS nicht möglich ist.

Sollte dies nicht abschliessend als Material zur Widerlegung hinreichen, so findet sich eine dritte Kategorie, die Seelentöne (DST), diesmal eine dreiteilige, die in jeder Kombination mit DWA und DVS möglich sein muss. Lässt sich aufzeigen, dass eine einzige Kombination aus einem Seelenton, einer Visibilitätsstufe und einer Weltanschauung ein Widerspruch (nicht nur unharmonisch sondern unmöglich) ist, so ist das WAP widerlegt.

Und nun findet sich eine vierte Kategorie, und diese ist der Anthropomorphismus (DAM als Kategorie; oder AMM als die eine Unterkategorie, und der ‘Nichtanthropomorphismus’, NAM als die andere Unterkategorie). Ist der AM in einer einzigen DWA-DVS-DST-Kombination ausgeschlossen, ist das WAP ebenso widerlegt. Findet sich also in den 12x7x3x2 = 504 Kombinationen eine einzige, die sich unauflösbar widerspricht, so ist das WAP ebenfalls als Ganzes widerlegt.

Schickt man mir nun eine Kombination oder eine Auflistung zu, auf dass ich erkläre, wie ein Mensch durch diese oder jene Kombination wohl die Welt sehen mag, so werde ich wohl nicht darauf reagieren. Ich werde irgendwann diese müssige Arbeit zum abschliessenden Beweis der Nützlichkeit des Prinzips tun, wenn ich nichts Interessanteres mehr vorfinde.

Die Art, in der sich die vier Kategorien voneinander unterscheiden wird jedoch, wie ich meine, nicht zu einem Widerspruch führen können. Dennoch sollte ein jeder Vertreter des Prinzips für eine solche Möglichkeit offen bleiben.

Was in die Widerlegung des Prinzips auch noch mit hinein spielt, ist die möglicherweise auftretende Unmöglichkeit der Integration von etwas spezifisch Durchdachtem in das WAP hinein. Wenn sich also eine wohlüberlegte Denkart findet, die sich nicht durch eine der 504 abgedeckt findet, erfüllt das WAP gleichsam eine seiner eigenen Bedingungen nicht, und sieht sich damit widerlegt.

Dies ist der andere Beweis dieser Kategorie des Beweisens, die Widerlegung durch die Inklusion. Allerdings ist eine solche etwas schwammig, da z.B. die Unwahrheit eines Gedankens nicht nachvollziehbar sein muss, da das Wahre an sich (vermutlich) an keine Bedingung ausser seiner eigenen Natur geknüpft ist, und schon auf der Stufe der Sprache keine beweisbarkeit bedingt. Man kann dies als Immunisierungsstrategie gegen Widerlegungen bezeichnen, dies ändert an der Natur des Wahren jedoch nichts. Finden sich wahre Aussagen, die sich nicht in das WAP integrieren lassen, obwohl sie durch ihren Wahrheitsgehalt integrierbar sein sollten, so findet sich dadurch eine weitere Art der Widerlegung des WAP.

Plausibilität

Nun findet sich noch eine fünfte Art, die WA oder das WAP als Ganzes zu widerlegen, und diese schöpft sich daraus, ob das Prinzip für all die vorhandenen Wissenschaften, Denkarten, Denkschulen, Erkenntnistheorien usw, einleuchtend kategorisieren kann.

Das WAP sieht sich zwar durch verunreinigte Begriffe (wie das Wort ‘Theismus’ durch die Pneumatisten) beeinträchtigt, aber mit gutem Willen dies berücksichtigend, muss sich dennoch vom WAP aus zeigen lassen, wie es sich, ohne dass man sich rückwärts bücken muss, anwenden lässt.

Nun ist es sehr selten, dass sich ein Mensch findet, der sich durch alle vier Kategorien einteilen lässt. Selbst die bekanntesten Denker kommen nur selten über die DWA-DVS-Kombination hinaus, hin zur DWA-DVS-DST-Kombination. Die DWA-DVS-DST-DAM-Kombination ist den philosophischen Savants vorbehalten. Die meisten Menschen haben noch nicht einmal eine abgrenzbare WA, geschweige denn eine einzelne WA mit einer höheren Kombination, der sie zugeteilt werden könnten.

Dies tut dem WAP jedoch keinen Abbruch, denn höhere Literatur konnte ich bisher noch immer bestimmten WA zuordnen, auch wenn man sie davor sehr gründlich studiert haben muss. Wird das Prinzip auf der Ebene der Plausibilität widerlegt, so hat man dadurch zwar noch keinen Beweis der Ungültigkeit, aber es fände sich dadurch ein Hinweis auf ein mögliches tieferes Problem innerhalb des Prinzips.

Kritiken-Serie 4: Medien

‘Medien’ sind, seit ich mich erinnern kann, argumentationslos als die ‘vierte Macht im Staat’ bekannt. Der Begriff ‘Medialisierung‘ beschreibt, wie sich die Dynamik kollektiver Kommunikation nach Zeithorizonten, Selektionsregeln und Rollenvorgaben von Medien richtet. All dies vergrössert den Einfluss jener vierten Macht. Entzeitlichung, Enträumlichung und Vervielfältigung sind Phänomene, welche durch die vorhandenen exponentiellen, technologischen Fortschritte den Medien immer mehr Möglichkeiten schaffen.

Jene Phänomene bewirken, dass die Medialisierung und die Politisierung der Wahrnehmung und den Handlungsspielräumen der Menschen immer mehr Grenzen setzt. Es ist immer schwieriger, unabhängig von den Begriffen und Bildern der Medien Erfahrungen zu machen, zu denken und zu handeln, speziell wenn es um Fragen geht, welche die gesamte Gesellschaft betreffen. Und es wird nicht nur zunehmend allein als wirklich verstanden, was durch Medien vorgetragen wird, Wirkliches wird durch die Formate der Medien diesen entsprechend geschaffen. Es finden sich Ereignisse, die allein durch das Vorhandensein von Kameras, Aufnahmegeräten und Reportern stattfinden.

Ein jeder Mensch hat Vorurteile, und der Einfluss der Vorurteile wird stets unterschätzt, besonders wenn es um die eigenen Vorurteile geht. Dass Reporter und Journalisten Vorurteile haben, wird niemanden überraschen, nicht einmal Reporter und Journalisten. Wie schwierig es jedoch ist, Vorurteile in der Berichterstattung wegzulassen, selbst mit grösstem, bewusstem Bemühen, wird hingegen gewaltig unterschätzt, wenn die Objektivität von Medien zur Diskussion steht. Jede Berichterstattung bewirkt eine tiefe Beeinflussung eines jeden öffentlichen, demokratischen Prozesses. Für die Fairness einer Demokratie sind Medien ein grosses Problem, da Medien relativ zum individuellen Bürger eine asymmetrische Informationsgewalt haben. Nun kann man dies abwägen gegen ihren Nutzen, da sie behaupten, die Bevölkerung zu informieren. Wenn das Informieren jedoch bedeutet, dass ein mehrheitlich zentralisierter Medienapparatus durch seine Lautstärke jede Informationsvielfalt erstickt, so ist es nicht einfach, dieses Argument zu machen. Die Alternative müsste sein, dass die Bürger eines Landes ohne Medien völlig uninformiert wären. Dies ist schwer zu akzeptieren, und so scheint die Behauptung, dass die einsilbigen, monopolistischen Medien zur Informiertheit beitragen, der Vorschlag eines faulen Kompromisses zu sein, der gar nicht gemacht werden müsste.

In den letzten zwei Jahren, seit dem Beginn der Koronakrise, haben sich, neben all den zersetzenden medialen Wirkungen für die Informationsökologie unter den Menschen, zwei weitere Problematiken den Medien hinzugefügt. Es ist dies erstens die Behauptung von Wissenschaftlichkeit. Hiermit will nicht argumentiert werden, dass die Behauptungen der Medien an sich falsch seien, oder dass sie unwissenschaftliche Studien zitierterten, sondern, dass die inneren Prozesse der Medien nichts mit Wissenschaftlichkeit zu tun haben. Medien arbeiten mit Aktualitäten, erzählbaren Ereignissen, Persönlichkeiten und dergleichen. Nichts an den Medien ist darauf ausgelegt, wissenschaftlich zu sein (auch nicht die Wissenschaftssektion im Morgenblatt). Und das Zweite ist die sich selber zugeschriebene Funktion des Faktenüberprüfers. Auch hier findet sich nichts an den Medien der Gegenwart, das eine solche Funktion rechtfertigen könnte. Es gab vor einigen Jahrzehnten den investigativen Journalismus, wo ein einzelner Journalist oder eine kleinere Gruppe an Journalisten auf eine längere, abenteuerartige Reise zur Aufklärung eines einelnen Themas gingen, und eine bestimmte Kultur, Menschen, Umgebung usw für Wochen oder gar Monate auf sich wirken liessen, und dazu dann eine mehrteilige Artikelserie veröffentlichten. Daraus liess sich eine Realität schliessen, und solche Journalisten hatten eine gewisse Reputation aufrechtzuerhalten, und es war durchaus möglich, dass viel investierte Zeit ergebnislos blieb, und dann wurde halt das ‘Versagen’ zu einer häufig ebenso spannenden Geschichte.

Solcher Journalismus ist tot, aber selbst wenn er nicht tot wäre, könnte dessen Methode niemals mit den Aktualitäten mithalten. Er findet sich in abgewandelter Form bei manchen Autoren von Büchern, aber die Kosten für solche ausgiebigen Recherchen kann oder will heute meines Wissens keine einzige der grossen Zeitungen mehr aufbringen, da die Kunden kaum noch dazu bereit sind für Informationen zu bezahlen. Medienkonzerne haben in einem regelmässigen Abstand eine bestimmte Menge an Artikeln zu veröffentlichen, ansonsten gehen die Konsumenten zur Konkurrenz. Worüber sie berichten können unterliegt einer Anzahl an Einschränkungen, eine ist z.B., dass das Aktuellste geboten werden muss, weil die anderen Medienfirmen ansonsten mehr Aktualität und dadurch in den Augen der Konsumenten einen berechtigten, massiven Wettbewerbsvorteil haben. Aktuelle Informationen unterliegen jedoch einer sich immer ändernden Beweglichkeit, es gibt hier keine festgelegten Fakten, alle Information kann sich schlagartig ändern. Es ist dies ein grundlegendster Widerspruch der Mainstreammedien der Gegenwart, dass sie bestimmte Fakten für sich zu beanspruchen versuchen, während sie in der Schnellebigkeit von Aktualitäten mit all den anderen mithalten müssen, und mittlerweile offen diffaminieren, wer zu jenen von ihnen beanspruchten Fakten anderes behauptet. Noch einmal: damit ist nicht gesagt, dass solche Medien falsch liegen, damit ist gesagt, dass sie keinen Mechanismus haben, um solche Ansprüche an ihre Informationen zu machen. Das einzige was sie können ist, ihre Quellen offenzulegen, auf Falschinterpretationen ihrer Artikel und Kolumnen zu reagieren, und Falschheiten in den Artikeln zurückzuziehen oder zu korrigieren. Alles darüber hinaus ist ein Würfelspiel auf Seiten jener Medien, da sie Informationen nicht in der Art beurteilen können, wie sie dies in der Gegenwart behaupten zu tun.

Ich wäre der erste, der Freudensprünge machen würde, wenn sich eine Methode fände, in einem Schnellprozess Wissenschaftlichkeit und Faktenlagen derart präzise zu definieren, dass sich davon Abweichendes sogleich klassifizieren lässt. Vielleicht kommt man dadurch darauf, wie absurd ein solches Unterfangen ist, wenn man daran denkt, wie sich unzählige der besten Köpfe selbige seit Jahrhunderten, ja Jahrtausenden allein darüber zerbrechen, wie man eigentlich zu einer Gewissheit kommen kann, wie man sie überhaupt, oder ob man sie überhaupt in Worte fassen kann usw. Diese Fragen sind nicht nur nicht abgeschlossen, die Philosophie scheint langsam erst den Umfang der Fragen zu begreifen, geschweige denn Antworten darauf zu haben. Medien scheinen jedoch so sehr wissen zu können, was Fakt ist, dass sie sich nicht nur zutrauen, zurecht dazu widersprüchliche Meinungen zu zensieren, sondern dass sie auf die Kenntnis um die Wahrheit hinauf auch noch wissen, wie sie jene der Verständlichkeit wegen vereinfacht kommunizieren muss, ohne Einbussen in den Nuancen zu äusserst komplexen Umständen zu machen. Die Verkehrtheiten die entstehen, wenn all diese Dinge zusammen kommen ist wirklich schwer in Worte zu fassen. Es ist wohl normal das Gefühl zu haben, sich ob all der nicht begreifbaren Widersinnigkeiten mit einem kleinen Kind zu unterhalten, wenn man sich mit Medien oder Politik beschäftigt. Die Selbstverständlichkeit und Überzeugtheit jenes Handelns versetzt mich viel zu oft in sprachloses Erstaunen, und ich nehme an, dass es den meisten Menschen wohl ähnlich ergeht.

Vom Fernsehen sei hier noch nicht einmal gesprochen, aber man sei sich sicher, dass dort die Probleme durch Vereinfachungen, Auslassungen und Übertreibungen, die unheilige Trinität medialen Optimismus’, noch einmal um eine Grössenordnung ausgeprägter sind.

Ursache des ‘Faktenprüfens’

Alternative Medien (Blogs, kleine Webseiten, Podcasts usw) haben durch ihre Flexibilität mit den Technologien des Internet sehr viele Fortschritte darin gemacht, wie sie ihre Leser erreichen. Fortschritte in journalistischen Fähigkeiten sind allerdings weiterhin vielfach ausgeblieben. Für sie besteht das Problem, dass sie oftmals nicht einmal die Überprüfungsmechanismen der Mainstreammedien haben. Alternative Medien können praktisch behaupten was sie wollen, es gibt keine nennswerten Konsequenzen. Selbst wenn sie gröbsten Unsinn verbreiten, werden sich noch Unterstützer finden, die offen behaupten: “Der sagt noch, wie es ist!” “Der lässt sich nicht von den Zensurbehörden beeindrucken!” “Der hat keine Angst vor der Wahrheit!” usw.

Alternativen Medien hängt etwas Proletenhaftes an. Sie sind wie der Typ, der an der Strassenecke auf eine kleine Kiste steht, und von dort aus irgendwelche Dinge rausruft, während die Leute an ihm vorbeilaufen. Er kann erzählen was er will, es werden sich Menschen finden, die anhalten um ihm zuzuhören, selbst wenn es nur aus einer Faszination über die Verrücktheit ist. Dies muss nicht heissen, dass kein solcher irgendwas Sinnvolles von sich geben kann, aber meistens ist es Nonsens. Dass sich über Facebook, Telegram usw nun Plattformen finden, auf denen beliebige Dinge behauptet werden können, ist gleichsam ein Problem für die Demokratie. Wenn für positive Reaktionen (‘Likes’) berichtet wird, und das Berichten eine unbegrenzte Anzahl Menschen erreichen kann, muss man zusehen, dass die Informationsökologie nicht in all ihren Kategorien aus den Rudern läuft.

Die Mainstreammedien haben dagegen eine Lösung gefunden. Da die Lösung einem politischen Denken entspringt, ist es selbstverständlich mehr Aggressivität. Auf den grossen sozialen Medien wie Twitter, Instagram oder Facebook wird nun offen zensiert oder zumindest korrigiert. Die eigenen Berichte (von Reuters, AP und dergleichen) hingegen versuchen zu definieren was ‘akzeptable Information’ ist – und dadurch indirekt auch was inakzeptabel ist. In anderen Worten ist die Lösung lediglich eine Eskalation der bestehenden Probleme. Denn die Konsumenten, so träge ihre Wahrnehmung auch sein mag, bemerken es irgendwann doch, wenn nur noch eine Seite dargestellt wird, und sie beginnen, die Mainstreammedien zu hinterfragen. Gerade dies führt dazu, dass alternative Medien, die gerne das naheliegendste Verschwörerische behaupten, eine Zuwanderung erfahren. Die Ursache des Ganzen: man war sich zu schade, sich ordentliche Gedanken zum Problem zu machen. In anderen Worten machte man den Kardinalfehler aller Inkompetenz: man beschleunigte bevor man überlegte. Man tut das immer noch, und es ist keine Änderung jener Dynamik in Sicht.

Lösungsansätze

Mögliche Auswege aus diesem Kollisionskurs finden sich in meinen Augen bei Daniel Schmachtenberger. Es finden sich sehr interessante Vorträge von ihm auf Youtube, und einen davon bin ich am übersetzen, wie so oft kamen diesem Vorhaben vorerst jedoch andere, als wichtiger empfundene Projekte in den Weg. Es sollte sich jedoch eine Masse an möglichen Auswegen finden, wenn man solche nur einmal sucht. Vielleicht liegt das Problem viel ursprünglicher, nämlich beim einfachen Verstehen desselben, ich weiss es nicht. Ich sehe keinen Sinn darin, mir Gedanken zu Dingen zu machen, die von Menschen besetzt sind, die ihr Verhalten nicht reflektieren. Solchen Menschen kann man niemals helfen, ausser sie kommen einem von sich aus entgegen und fragen aktiv um Hilfe.