bookmark_borderZum Begriff: Freiheit

Den Begriff Freiheit definieren wir hier mit der Hilfe von Max Stirners zweiter Abteilung seines Hauptwerks ‘Der Einzige und sein Eigentum’. Stirners Werk hat zwei Abteilungen (Hauptteile), welche beide wiederum in mehrere Teile gegliedert sind. Manche dieser Teile haben wiederum drei Teile, hier eine Auflistung aller Kapitel.

  • Der Einzige und sein Eigentum
    • 1. Abteilung – Der Mensch
      • I. Ein Menschenleben
      • II. Menschen der alten und der neuen Zeit
        1. Die Alten
        2. Die Neuen
          1. § Der Geist
          2. § Die Besessenen
          3. § Die Hierarchie
        3. Die Freien
          1. § Der politische Liberalismus
          2. § Der soziale Liberalismus
          3. § Der humane Liberalismus
    • 2. Abteilung – Ich
      • I. Die Eigenheit
      • II. Der Eigner
        1. Meine Macht
        2. Mein Verkehr
        3. Mein Selbstgenuss
      • III. Der Einzige

In der Abteilung ‘Der Mensch’ scheint ein Kapitel zu fehlen, um die Ordnung des restlichen Werks einzuhalten. Ich will mir jedoch nicht anmassen zu wissen, was jenes nicht vorhandene Kapitel besprechen sollte (‘I. Ein Mensch’, ‘II. Eine Menschengruppe’, ‘III. Eine Menschheit’ unter ‘1. Abteilung – Der Mensch’?).

Stirner sieht in der Freiheit ein Widerspruch. Freiheit sei ein Ideal durch und durch, ein Ideal aber, das man aus folgenden Gründen nie im Realen umsetzen kann. Man vergegenwärtige sich, wie sich die höchste Idee von Freiheit in einem bildet – wonach richtet sich eine solche höchste Idee von Freiheit, wie verwirklicht sie sich? Sie lässt sich nicht verwirklichen, denn sie kommt im Realen sofort an Grenzen, die sie nur als Idee nicht erfahren muss. Ein jeder wird eine andere Idee der höchsten Freiheit haben. Geht es aber um eine kleine Freiheit, so beschränkt sich eine solche durch ihre Kleinheit bereits selber, will also nicht in alle Richtungen frei, und somit nicht eine umfassende Freiheit sein. Die Aussagen gegen das Christentum werden grösstenteils ausgelassen, da sie manche Leser nur verärgern, und von der eigentlichen Sache etwas ablenken werden.

“Wovon willst du denn frei werden? Von deinem Kommissbrot und deinem Strohlager? So wirf es weg! – Damit aber scheint dir nicht gedient zu sein; du willst vielmehr die Freiheit haben, köstliche Speisen und schwellende Betten zu geniessen. Sollen die Menschen dir diese »Freiheit« geben –, sollen sie dir’s erlauben? […]

“Du willst, wenn du es recht bedenkst, nicht die Freiheit, alle diese schönen Sachen zu haben, denn mit der Freiheit dazu hast du sie noch nicht; du willst sie wirklich haben, willst sie dein nennen und als dein Eigentum besitzen. Was nützt dir auch eine Freiheit, wenn sie nichts einbringt? Und würdest du von allem frei, so hättest du eben nichts mehr; denn die Freiheit ist inhaltsleer. […]

“Frei – wovon? O was läßt sich nicht alles abschütteln! Das Joch der Leibeigenschaft, der Oberherrlichkeit, der Aristokratie und Fürsten, die Herrschaft der Begierden und Leidenschaften; ja selbst die Herrschaft des eigenen Willens, des Eigenwillens, die vollkommenste Selbstverleugnung ist ja nichts als Freiheit, Freiheit nämlich von der Selbstbestimmung, vom eigenen Selbst, und der Drang nach Freiheit als nach etwas Absolutem, jedes Preises Würdigem, brachte uns um die Eigenheit: er schuf die Selbstverleugnung. Je freier ich indes werde, desto mehr Zwang türmt sich vor meinen Augen auf, desto ohnmächtiger fühle ich mich. Der unfreie Sohn der Wildnis empfindet noch nichts von all den Schranken, die einen gebildeten Menschen bedrängen; er dünkt sich freier als dieser. In dem Maße, als ich mir Freiheit erringe, schaffe ich mir neue Grenzen und neue Aufgaben; habe ich die Eisenbahnen erfunden, so fühle ich mich wieder schwach, weil ich noch nicht, dem Vogel gleich, die Lüfte durchsegeln kann, und habe ich ein Problem, dessen Dunkelheit meinen Geist beängstigte, gelöst, so erwarten mich schon unzählige andere, deren Rätselhaftigkeit meinen Fortschritt hemmt, meinen freien Blick verdüstert, die Schranken meiner Freiheit mir schmerzlich fühlbar macht. »Nun ihr frei worden seid von der Sünde, seid ihr Knechte worden der Gerechtigkeit« […]

“Frei sein von etwas – heisst nur: ledig oder los sein. »Er ist frei von Kopfweh« ist gleich mit: er ist es los. »Er ist frei von diesem Vorurteil« ist gleich mit: er hat es nie gefaßt oder er ist es los geworden. Im »los« vollenden wir die vom Christentum empfohlene Freiheit, im sündlos, gottlos, sittenlos usw. […]

“Müssen wir etwa, weil die Freiheit als ein christliches Ideal sich verrät, sie aufgeben? Nein, nichts soll verloren gehen, auch die Freiheit nicht; aber sie soll unser eigen werden, und das kann sie in der Form der Freiheit nicht.”

aus der 2. Abteilung – Ich; I. Die Eigenheit

Stirner unterscheidet also zwischen ‘Freiheit’ und ‘Eigenheit’. Freiheit ist ihm, eine Sache nicht haben zu müssen, Eigenheit ist ihm, eine Sache haben zu können. Es ist dies zwar ein subtiler Unterschied, aber ohne solchen wird es uns nicht möglich sein, den Begriff der Freiheit zu bestimmen. Man könnte zwar unterscheiden zwischen ‘Freiheit von…’ und ‘Freiheit zu…’, doch läuft es auf dasselbe hinaus, denn die ‘Freiheit zu…’ ist noch immer die Weglassung einer Einschränkung, was dasselbe ist wie die ‘Freiheit von…’.

“Welch ein Unterschied zwischen Freiheit und Eigenheit! Gar vieles kann man los werden, alles wird man doch nicht los; von vielem wird man frei, von allem nicht. Innerlich kann man trotz des Zustandes der Sklaverei frei sein, obwohl auch wieder nur von allerlei, nicht von allem; aber von der Peitsche, der gebieterischen Laune usw. des Herrn wird man als Sklave nicht frei. »Freiheit lebt nur in dem Reich der Träume!« Dagegen Eigenheit, das ist mein ganzes Wesen und Dasein, das bin ich selbst. Frei bin ich von dem, was ich los bin, Eigner von dem, was ich in meiner Macht habe oder dessen ich mächtig bin. Mein eigen bin ich jederzeit und unter allen Umständen, wenn ich mich zu haben verstehe und nicht an andere wegwerfe. Das Freisein kann ich nicht wahrhaft wollen, weil ich’s nicht machen, nicht erschaffen kann: ich kann es nur wünschen und danach – trachten, denn es bleibt ein Ideal, ein Spuk. […]

“Alle Welt verlangt nach Freiheit, alle sehnen ihr Reich herbei. O bezaubernd schöner Traum von einem blühenden »Reiche der Freiheit«, einem »freien Menschengeschlechte« – wer hätte ihn nicht geträumt? So sollen die Menschen frei werden, ganz frei, von allem Zwange frei! Von allem Zwange, wirklich von allem? Sollen sie sich selbst niemals mehr Zwang antun? »Ach ja, das wohl, das ist ja gar kein Zwang!« Nun, so sollen sie doch frei werden vom religiösen Glauben, von den strengen Pflichten der Sittlichkeit, von der Unerbittlichkeit des Gesetzes, von – »welch fürchterliches Missverständnis!« Nun, wovon sollen sie denn frei werden, und wovon nicht? […]

“Freiheit wollt ihr alle, ihr wollt die Freiheit. Warum schachert ihr denn um ein Mehr oder Weniger? Die Freiheit kann nur die ganze Freiheit sein; ein Stück Freiheit ist nicht die Freiheit. Ihr verzweifelt daran, daß die ganze Freiheit, die Freiheit von allem, zu gewinnen sei, ja ihr haltet’s für Wahnsinn, sie auch nur zu wünschen? – Nun, so laßt ab, dem Phantome nachzujagen, und verwendet eure Mühe auf etwas Besseres als auf das – Unerreichbare. […]

“Was habt ihr denn, wenn ihr die Freiheit habt, nämlich – denn von euren brockenweisen Freiheitsstückchen will ich hier nicht reden – die vollkommene Freiheit? Dann seid ihr alles, alles los, was euch geniert, und es gäbe wohl nichts, was euch nicht einmal im Leben genierte und unbequem fiele. Und um weswillen wolltet ihr’s denn los sein? Doch wohl um euretwillen, darum, weil es euch im Wege ist! Wäre euch aber etwas nicht unbequem, sondern im Gegenteil ganz recht, z.B. der, wenn auch sanft, doch unwiderstehlich gebietende Blick eurer Geliebten – da würdet ihr nicht ihn los und davon frei sein wollen. Warum nicht? Wieder um euretwillen! Also euch nehmt ihr zum Maße und Richter über alles. Ihr lasst die Freiheit gerne laufen, wenn euch die Unfreiheit, der »süsse Liebesdienst«, behagt; und ihr holt euch eure Freiheit gelegentlich wieder, wenn sie euch besser zu behagen anfängt, vorausgesetzt nämlich, worauf es an dieser Stelle nicht ankommt, daß ihr euch nicht vor einer solchen Repeal [d.i. Aufhebung] der Union aus andern (etwa religiösen) Gründen fürchtet.”

aus der 2. Abteilung Ich; I. Die Eigenheit

Somit hat Freiheit weniger mit der äusseren Welt zu tun, als mit unserer inneren, respektive um die Unabhängigkeit der letzteren von ersterer, sofern es uns um die uns mögliche Freiheit geht.

“Die Freiheit lehrt nur: Macht euch los, entledigt euch alles Lästigen; sie lehrt euch nicht, wer ihr selbst seid. Los, los! so tönt ihr Losungswort, und ihr, begierig ihrem Rufe folgend, werdet euch selbst sogar los, »verleugnet euch selbst«. Die Eigenheit aber ruft euch zu euch selbst zurück, sie spricht: »komm zu dir!« Unter der Ägide der Freiheit werdet ihr vielerlei los, aber Neues beklemmt euch wieder: »den Bösen seid ihr los, das Böse ist geblieben«. Als Eigene seid ihr wirklich alles los, und was euch anhaftet, das habt ihr angenommen, das ist eure Wahl und euer Belieben. Der Eigene ist der geborene Freie, der Freie von Haus aus; der Freie dagegen nur der Freiheitssüchtige, der Träumer und Schwärmer.

“Jener ist ursprünglich frei, weil er nichts als sich anerkennt; er braucht sich nicht erst zu befreien, weil er von vornherein alles ausser sich verwirft, weil er nichts mehr schätzt als sich, nichts höher anschlägt, kurz, weil er von sich ausgeht und »zu sich kommt«. Befangen im kindlichen Respekt, arbeitet er gleichwohl schon daran, aus dieser Befangenheit sich »zu befreien«.

aus der 2. Abteilung Ich; I. Die Eigenheit

Weiter hat Freiheit weniger mit jenem zu tun, das uns gegeben wird, als mit jenem, das uns ohnehin gehört, wir aber zumeist nicht wahrnehmen (Stirner verwendet als Vergleich das Schaf mit der Redefreiheit).

“Laut erschallt ringsum der Ruf nach »Freiheit«. Fühlt und weiss man aber, was eine geschenkte oder oktroyierte [gegebene] Freiheit zu bedeuten hat? Man erkennt es nicht in der ganzen Fülle des Wortes, dass alle Freiheit wesentlich – Selbstbefreiung sei, d.h. dass ich nur so viel Freiheit haben kann, als ich durch meine Eigenheit mir verschaffe. Was nützt den Schafen, daß ihnen niemand die Redefreiheit verkürzt? Sie bleiben beim Blöken. Gebt einem, der innerlich ein Mohammedaner, ein Jude oder ein Christ ist, die Erlaubnis zu sprechen, was er mag: er wird doch nur borniertes Zeug vorbringen. Rauben euch dagegen gewisse andere die Rede- und Hörfreiheit, so verstehen sie sich ganz richtig auf ihren zeitweiligen Vorteil, da ihr vielleicht etwas zu sagen und zu hören vermöchtet, wodurch jene »Gewissen« um ihren Kredit kämen.

“Wenn sie euch dennoch Freiheit geben, so sind sie eben Schelme, die mehr leben, als sie haben. Sie geben euch dann nichts von ihrem Eigenen, sondern gestohlene Ware, geben euch eure eigene Freiheit, die Freiheit, welche ihr euch selbst nehmen müsstet; und sie geben sie euch nur, damit ihr sie nicht nehmet, und die Diebe und Betrüger obenein zur Verantwortung zieht. In ihrer Schlauheit wissen sie es wohl, daß die gegebene (oktroyierte) Freiheit doch keine Freiheit ist, da nur die Freiheit, die man sich nimmt, also die Freiheit des Egoisten, mit vollen Segeln schisst. Geschenkte Freiheit streicht sogleich die Segel, sobald Sturm oder – Windstille eintritt: sie muß immer – gelinde und mittelmäßig angeblasen werden.”

aus der 2. Abteilung Ich; I. Die Eigenheit

Viel mehr braucht dazu wohl nicht gesagt zu werden, ausser dass uns diese Erkenntnisse zu einer individuellen Freiheit führen müssen, da das Schaf die Redefreiheit nicht gebrauchen kann, so gibt es eine zu mir passende Freiheit, ob diese nun von der Idee jemals zum Realen kommen mag, oder nicht. Der Begriff der Eigenheit erschliesst sich durch einen solchen Artikel wie diesem eigentlich von selber.

Stirner hat noch sehr viele erklärende Ideen zum Begriff von Freiheit, jedoch ist er in seinem Denken derart konsequent, dass er sich auch nicht scheut, ein Wort wie Egoismus hochzuhalten. Kann man über solche beharrliche gedankliche Rigidität hinweg sehen, und es ertragen, dass einer sich weniger um die Folge des Gedankens in der Welt, als um die Folgerichtigkeit des Gedankens in sich selbst, kümmert, und dass er auch generell als nützlich gesehende Formen der Gesellschaft kompromisslos in ihren einschränkenden Arten hervorhebt, so sei diesem das Werk Stirners sehr empfohlen.

bookmark_borderZum Begriff: Wahrheit

Wahrheit ist für die zwölf WA ein zentrales Thema, und der Begriff hat für die WA (zumindest hier auf weltanschauung.org) eine Bedeutung, die vielleicht etwas ungewöhnlich ist. In diesem Artikel ist die Grenze der Sprache um Wahrheit auszudrücken beschrieben, die Beziehungen der WA zum Wahren und die Natur der Wahrheit selber.

Wahrheit und Sprache

Der Begriff ‘Wahrheit’ muss in den WA etwas erfüllen, das, so wird man versucht sein zu denken, eigentlich unmöglich ist, weil das Prinzip der WA behauptet, dass jede WA sowohl eine Opposition hat, wie auch eine Wahrheit repräsentiert. Der Widerspruch im Begriff der Wahrheit soll hier kurz näher betrachtet werden, und vielleicht erschliesst sich auch, wie es sich um die Wahrheit im Prinzip der WA verhält.

Leibnitz sagt in den Theodizee, dass keine Wahrheit einer anderen widersprechen kann. Dies ist für die WA zwar richtig, jedoch müssen wir die Sache noch etwas feiner betrachten, um sie richtig zu verstehen. Dass Problem ist nämlich, unabhängig davon wie Leibnitz es gemeint hat, dass dieser Satz zwar für Begriffe (d.i. Vorstellungen des Geistes) zutrifft, jedoch nicht für Worte, also die Sprache. Denn die begriffliche Wahrheit ist ein ganz anderes Tier als die sprachliche. Der Begriff ist dasjenige, das über der Sprache ist, er ist (grossteils) unabhängig von dieser. Begriffe können eine Vielfalt haben, welche von Worten der Sprachen der Gegenwart nicht erreicht werden kann.

Möchte man einen Begriff einem anderen Menschen erklären, so hat man den Begriff zu ‘übersetzen’, oder anders gesagt: ‘in Sprache umzuwandeln’. Ist der Begriff in der Sprache drinnen, und wird durch Worte mitgeteilt, so hat er einen Teil seines Wesens aufzuopfern, bei manchen Sprachen kann er seinem Wesen eher noch treu bleiben, bei anderen geht das meiste verloren. Es kommt auch auf den Menschen, und wie gut dieser eine jeweilige Sprache gebrauchen kann, darin, ob der Begriff seine eigentlichen Inhalte in die Sprache hinein tragen kann.

So kann die lateinische Sprache Begriffe von WA wie des Rationalismus, des Mathematizismus, des Materialismus und des Sensualismus gut darstellen, während die slawischen Sprachen, oder die altgriechische Sprache für Begriffe des Dynamismus, des Monadismus, des Spiritualismus und des Pneumatismus feine sprachliche Unterscheidungen ausgearbeitet haben, um sich differenziert in diesen WA ausdrücken zu können. Sprachen des fernen Ostens sind eher geeignet für WA rund um den Spiritualismus, Sprachen des (fernen) Westens eher für WA rund um den Materialismus. Es gibt auch einiges dazwischen, besonders der mittlere Osten kannte in den Jahrhunterten, welche bis zu der ägyptischen Hochkultur führten, viel Abwechslung zwischen zum Geistigen und zum Materiellen strebenden Kulturen. Es ist jedoch noch nie möglich gewesen, den Gegensatz aus Materialismus und Spiritualismus in einer einzelnen Sprache zu vereinigen, denn es wäre erstens eine ungeheuer komplexe Sprache, und zweitens eine, die Gegensätzliches in sich vereinigen müsste, was vielleicht nicht möglich ist. Die Gelehrten, welche heute sowohl Latein wie auch Altgriechsisch lernen, bekommen einen tiefen Einblick in beide Extreme, wenn sie sich so weit in diese Sprachen hinein leben können, dass sie deren WA erkennen.

Wo ein Begriff vorhanden ist, ist etwas vorhanden, das für seine Existenz im Prinzip etwas Neues schafft, das sich mit keinem anderen Begriff austauschen lässt. In der Sprache hat man diese Möglichkeit nicht, man hat immer wieder diesselben Worte, die man durch einen Kontext mit wiederum immer gleichen Worten einfärben muss. Man muss sich davon abhängig machen, dass die anderen Menschen nicht nur die Worte hören, sondern versuchen, den Begriff dahinter zu erspüren. Von jenen Menschen, welchen ein Begriff gelehrt wird, hat man vorauszusetzen, dass sie in sich die innere Beweglichkeit haben, sich nicht über die Sache zu stellen, und etwa zu erwarten, dass ihnen etwas geliefert wird, sondern dass sie mit einem offenen Wesen die Worte wirken lassen, bis sich nach und nach der Begriff abzeichnet, mit dem sie sich dann verbinden können. Weil solche Dinge viel Zeit und Ruhe erfordern, gab es sogenanntes ‘esoterisches Wissen’, das heisst, vor der Öffentlichkeit verborgenes, wo das Ziel war, einigen wenigen Befähigten die Sache umfassend zu verstehen zu geben, und nicht, dass möglichst viele Menschen genügend verstehen. An dieser Stelle könnte man ausführlich kritisieren, was die universelle Allgemeinbildung der Gegenwart für Kompromisse machen muss, vor allem dort, wo es einen Teil der Studierten geben sollte, welche eine kompromisslose Form von Begriffen mit sich tragen sollten. Esoterik muss nicht spiritualistisch sein, sie muss lediglich etwas erzielen, das in seiner Tiefe durch öffentliche Institutionen und dergleichen, niemals getragen werden kann. Ohne Menschen, welche die Tiefe der Geschichte als Stütze für Entscheidungen mit grosser Tragweite nutzen können, steuert eine Gesellschaft irgendwohin.

Wenn nun Menschen verschiedener WA miteinander sprechen, und dazu eine bestimmte Sprache verwenden müssen, so müssen die Begriffe für die Verständlichkeit der Sprache Kompromisse machen. So kann ein Mensch der einen WA das eine sagen, und ein Mensch einer anderen WA die genau gleichen Worte verwenden, aber die Begriffe dahinter sind gänzlich unterschiedliche. Es können nun beide Menschen etwas Wahres sagen, dafür gar die gleichen Worte verwenden, aber verschiedene Dinge meinen. Sie können einander zustimmen, in der falschen Annahme, tatsächlich dasselbe gesagt zu haben, und zu einem späteren Zeitpunkt davon überrascht werden, wie die andere Person auf einmal absurde Schlüsse zu ziehen scheint. Die Schlüsse scheinen absurd zu sein, weil von Beginn weg überhaupt keine Übereinstimmung vorhanden war, und nur durch den Schein der ungenauen Sprache von einer Übereinstimmung ausgegangen wurde.

Man hat in diesem eher unwahrscheinlichen Beispiel also mit beiden Menschen verschiedener WA Wahrheit, aber erst im Verlaufe der Klärung von Vorstellungen stellt sich heraus, dass ein Unterschied vorhanden ist. Was sich vielleicht nicht heraus stellen wird, ist, dass der Unterschied von Beginn weg da war. Wahrscheinlicher ist es, dass zwei Menschen verschiedener WA verschiedene Dinge sagen, und die Worte der anderen Person jedoch durch die eigene WA hindurch zu verstehen versuchen – was bei oppositionellen WA aber nicht möglich ist, weil sie in zu unterschiedlichen Welten leben. Man hat durch die gemeinsame Sprache dann den Schein von Verständigung, wenn von vornherein überhaupt nichts von der anderen Seite verstanden wird.

Was bewirkt dies nun für Leibnizens Satz? Es bewirkt, dass man in der Sprache auf Widersprüche treffen kann, die nur in der Sprache Widersprüche sind. Die Begriffe dahinter sind einander womöglich zu fremd, um von der anderen Seite überhaupt verstanden zu werden. Die Begriffe dahinter widersprechen einander folglich nicht, denn sie beschreiben komplett unterschiedliche Dinge, selbst wenn sie eine einzelne Sache betrachten. Wir haben mit allen ‘gewordenen’, oder vorhandenen Dingen ‘Kompositionen aus Wahrheit’ vor uns. Eine jede Sache hat verschiedene Ebenen, die betrachtet werden können, und die unterschiedlichen Arten des Betrachtens einer Sache sind gleichsam etwas, das Wahrheiten repräsentieren kann. Wirklichen Widerspruch kann es eigentlich nur innerhalb einer WA, oder unter benachbarten WA geben, wo noch vom Gleichen gesprochen wird. Und dort hat man durchaus nur eine Wahrheit, und diese Wahrheit kann in ihrer WA nur von einer Falschheit widersprochen werden.

Wahrheit und WA

Die WA an sich sind für den Menschen im Prinzip unmöglicher Widerspruch. Um die Bedingungen der 12WA vollständig zu erfüllen, und in ihrem Sinne allseitig zu sein, müsste man sich in zwölf Teilen, und gleichzeitig von zwölf verschiedenen Richtungen auf eine Sache schauen. Da dies nicht möglich ist, macht man es nacheinander, und setzt so die einzelnen Stücke nach und nach zusammen. Die Aufgabe des WAP ist es somit nicht, dem Menschen zu helfen alles allumfassend zu betrachten, sondern für bestimmte Bereiche die richtigen Werkzeuge zu haben (z.B. für Technologie den Rationalismus, für Lebendiges den Dynamismus, für Vorgänge des Denkens den Idealismus usw). Die allseitige Sicht, die ‘perspektivlose Perspektive’, ist etwa so weit vom Menschen entfernt, wie der menschliche Geist vom Tiere entfernt ist. So wie das durchschnittliche Tier nicht zu bewusster Abstraktion fähig ist (es gibt allerdings Tiere mit beeindruckenden Fähigkeiten, von Raben, Tintenfischen, Delphinen, möglicherweise manchen Walarten, Spinnen, und einigen Vogelarten), ist der Mensch nicht zu Allseitigkeit fähig.

Das Wesen des Wahren

Die Fehler die entstehen wenn man darüber nachdenkt was wahr sei, deuten darauf hin, dass das Wahre unabhängig davon ist wie wir darüber nachdenken. Wenn das Wahre und unsere Gedanken zum Wahren nie notwendigerweise verbunden sei müssen, wenn nie notwendigerweise beide gleichzeitig auftreten müssen, so liegt es allein an unserem Denken, dass sich dieses bessere.

Wir wollen jedoch nicht die agnostische Route der neueren rationalistischen Bewegungen gehen, die davon ausgehen, dass alles relativ sei, selbst das Wahre an sich. Es gibt eine absolute Wahrheit da draussen, aber unser Verständnis von ihr ist in einem Widerspruch. Der Mensch sieht die Dinge, wenn er sie betrachtet, perspektivisch, etwas anderes ist nicht möglich, aber die Natur des Wahren ist nicht darauf beschränkt, wie es aus einer möglichst guten Sicht betrachtbar ist. Ein Ausweg daraus ist die Vorstellungskraft, wo eine Sache mit ‘geschlossenen Augen’ betrachtet wird, aber auch hier ist man eingeschränkt, und nur durch viel Übung, durch eine Automatisierung bestimmter Vorstellungen, ist es möglich, das Bewusstsein aufzubrechen in mehr als einen Teil. Das Wahre braucht sich somit nicht uns anzupassen, sondern wir uns dem Wahren.

bookmark_borderZum Begriff: Dimension

Die Überschrift ‘Zum Begriff’ unterscheidet sich von der Überschrift ‘Zum Wort’ dadurch, dass bei ersterem eher die Idee, und bei letzterem eher die Sprache betrachtet wird. Hier geht als also nicht um die Sprache, wie etwa die Herkunft des Wortes, sondern um die Idee.

Der Raum hat, ohne Zeit, drei Dimensionen. Erstens die Linie, zweitens die Ebene oder Fläche, drittens den Körper.

Der ‘Punkt’ hat keine Dimension, weil er keinen Raum und keine Richtung hat, er ist zu den anderen Dimensionen ‘transzendent’. Mit dem Punkt lässt sich z.B. die Position eines Schnittpunktes definieren, aber der Punkt selber ist so schwer zu fassen, wie die Zahl null. Deswegen ist der Punkt die ‘nullte’ Dimension.

0. Dimension: Punkt

1. Dimension: Linie

2. Dimension: Fläche

(zwischen Fläche und Körper: Ebene, z.B. die Oberfläche einer Hügellandschaft)

3. Dimension: Körper

Dimensionen darüber finden sich zusammen mit Zeit.

Zu sagen, eine Dimension setzt sich aus unendlich vielen, um eine Stufe tieferen, Dimensionen zusammen, gründet auf einem etwas diffusen Verständnis vom Begriff rund um das Wort Unendlichkeit. Die Fläche ist nicht erst dadurch eine Fläche, dass auf ihr unendlich viele Linien liegen. Man kann Linien durchaus auf sie projizieren. Aber man muss das nicht tun, um eine Fläche zu haben. Gleichsam setzt sich eine Linie auch nicht aus unendlich vielen Punkten zusammen. Die Realität besteht nicht aus Pixel, wie auf einem Bildschirm, und das macht eine Linie zu etwas eigenem, das keiner Punkte bedingt.

bookmark_borderZum Begriff: Unendlichkeit

Das Wort Aprosität wird hier, auf Weltanschauung.org, verwendet für all jenes, das ausserhalb der Reichweite des indivduellen wie auch allgemeinen menschlichen Bewusstseins liegt, um etwas zu haben, das ausserhalb von Objektivität ist. Dieser Artikel argumentiert, dass Unendlichkeit eine solche ‘Aprosität’ ist, also etwas, über das man weder subjektiv noch objektiv nachdenken kann. Es kann aber darüber nachgedacht werden, wo Unendlichkeit in Wahrheit womöglich noch Endlich ist, und ob Aprosität (Unerreichbares) dadurch vielleicht schon da, beim Endlichen, beginnen kann.

Hier will kurz untersucht werden, warum die meisten Formen von Unendlichkeit (vermutlich) nicht möglich sind, das Grenzenlose aber schon. Dazu schauen wir zuerst den Raum (z.B. die Kugel, den Würfel), dann die Zeit, und zuletzt die Grösse (z.B. das Quadrat, die Linie) an.

Zum ersten Beispiel – kann der Raum unendlich sein? Es ist eine solche Unendlichkeit natürlich nicht denkbar, aber sie ist, wenn man sich die Eigenschaften des Räumlichen vergegenwärtigt, auch in der Abstraktion nicht nachzubilden. Geht man in ein Haus hinein, so geht man in den ‘Raum’ des Hauses. In diesem Haus hat es dann wieder kleinere Räume, die man Zimmer nennt, und in diesen Zimmern hat es wiederum kleinere Räume usw.

Wir könnten sagen, dass das Haus eine obere Kategorie ist, und das Zimmer, jedenfalls im Räumlichen, eine Kategorie darunter. Geht man durch die Haupteingangstüre, so kommt man in einen Raum, und dieser Raum umschliesst einen bestimmten Bereich. Um diesen Bereich herum hat man die Aussengrenze des Raumes, und von dieser Aussengrenze hat jeder Punkt einen anderen Punkt auf der anderen Seite des Raumes. So kann man nicht von einem ‘Anfang’ und einem ‘Ende’ sprechen, sondern man muss von ganz vielen Anfängen und Enden sprechen, die sich alle gegenüber liegen. Zwischen diesen Punkten hat man nun ‘Abstände’, und diese Abstände definieren die Grösse des Raumes. Das ist eine mögliche mathematizistische Darstellung dessen, was ein Raum ist. Mit den Abständen haben wir Grössen, die miteinander in Beziehung stehen.

Das ist also der Raum, wie wir ihn für unsere Zwecke definieren. Und nun gehen wir etwas weiter in die Abstraktion hinein, denn nur da können wir wirklich über Unendlichkeit nachdenken. Wir gehen nun also in einen abstrakten Raum hinein, einen Raum, den es nur in der Theorie gibt. Wir gehen durch eine theoretische Eingangstüre durch, und gehen in den theoretischen Raum hinein. Dieser Raum hat die Eigenschaft, dass die Punkte auf der anderen Seite weder mit den Augen noch sonstwie mit dem Bewusstsein in jeglichster Weise wahrnehmbar sein können. Wir können also nicht wissen, was auf der anderen Seite dieser Eingangstüre ist.

Schauen wir in jenen Raum, so können wir erstens sagen: dieser Raum ist endlos. Ich kann laufen und laufen, und werde doch nie die andere Seite erreichen. Ich könnte mit Lichtgeschwindigkeit fliegen, und würde die andere Seite auch nie erreichen. Folglich ist der Raum ‘unendlich‘.

Zweitens können wir denken und dann sagen: dieser Raum ist so gross, dass mein Bewusstsein das andere Ende nie erreichen kann. Und so ist dieser Raum ‘für meine Begriffe unendlich‘. Subjektiv gesehen ist der Raum in diesem Fall also etwas Unendliches.

Drittens können wir denken: dieser Raum ist zwar so gross, dass mein Bewusstsein nie die Vorstellung davon haben kann, welche Grösse er hat, dennoch ist er ‘nicht unendlich‘, denn ich kam in den Raum hinein. Wenn ich eine Eingangstüre habe, so habe ich auch einen Punkt auf der anderen Seite, sonst könnte ich überhaupt nicht in den Raum hinein, denn es gäbe ohne den Punkt auf der anderen Seite an sich keine ‘Räumlichkeit’. Mit dem Vorhandensein einer Sache, hat man dadurch immer auch eine Endlichkeit derselben. Ein Raum der existiert, schliesst das Unendliche mit seiner Existenz aus. Das Unendliche kann es nur im Nichtexistierenden geben, und damit kann es das Unendliche nicht geben.

Der dritte Gedanke ist derjenige, den wir für die Aprosität (das dem Bewusstsein nicht mehr Erreichbare) verwenden wollen. Der zweite Gedanke hat jedoch auch eine gewisse Gültigkeit, und er ist die Art, wie Unendlichkeit meistens verstanden wird: wo ich zwischen ‘Unendlichkeit’ und ‘Nicht erfahrbarer Endlichkeit’ nicht unterscheiden kann, gehe ich – in der Sprache – von Unendlichkeit aus. Bei der ersten Aussage findet sich nur jene Aussage, ein Gedanke ist da nicht.

Was hat man nun für einen Raum, wenn man auf einmal dazwischen landet, mitten in unserem theoretischen, endlosen Raum, den wir vorhin durch eine Tür betreten haben? Man kommt in einem solchen Fall also nicht an der Raumesgrenze in den Raum, wie wir das vorher gemacht haben, sondern man ist ähnlich so darinnen, wie der Mensch im Weltall drinnen ist.

Macht es einen Unterschied? Die Tatsache, dass man im Raum drinnen ist, gibt uns den Begriff des Raumes und die Eigenschaft der Räumlichkeit, die uns wieder den Begriff des Abstandes verschiedener auf der Raumesgrenze liegender Punkte geben. Das muss nicht ein Raum sein, der eine Wand hat, es muss weiter auch nicht ein Raum sein, den man verlassen oder betreten kann, all diese Dinge müssen nicht gelten. Was aber gelten muss, ist, dass es mit der ‘Räumlichkeit’ kleine Abstände gibt, und daraus folgt, dass es auch grosse, und damit auch grösste Abstände geben muss. Sonst erfüllen wir unsere Definition von ‘Räumlichkeit’ nicht. Und mit grössten Abständen haben wir den Abstand zwischen den Aussengrenzen des gesamten Raumes. Und dieser Abstand ist, wenn auch für unsere Sinne und unser Bewusstsein nicht endlich, für sich gesehen (d.h. nicht aus der Sicht des Menschen, sondern aus der Sicht des Raumes) ‘endlich‘. Anstatt z.B. ‘unendlicher Raum’ würden wir vielleicht besser sagen: ‘aller Raum’.

Der Raum kann erst dort zur Unendlichkeit werden, wo er aufhört Raum zu sein, und etwas anderes wird. Bis an diese Grenze haben wir jedoch Raum, und dieser Raum ist, für sich gesehen, streng genommen, immer endlich.

Über ‘Zeit’ ist es etwas schwieriger nachzudenken, aber hier gelten eigentlich diesselben Regeln: dort wo Zeit noch ‘Zeit’ ist, ist sie endlich. Wo sie aber zu etwas anderem transzendentiert, wird sie zu etwas werden, das nicht als ‘unendliche Zeit’ bezeichnet werden kann, weil sie überhaupt nicht mehr als ‘Zeit’ bezeichnet werden sollte. Da eine solche transzendentale Zeit (‘Zeit’ vor und nach ‘der Zeit’) damit wohl eine Aprosität ist, vom Bewusstsein also nicht erfasst werden kann, können wir nicht wirklich weitere Überlegungen dazu anstellen. Es gibt also auch keine ‘unendliche Zeit’, nur ‘Zeit Transzendentierendes’.

Nun zum dritten Punkt, den ‘Grössen’. Die Zahl Pi, oder die Zahl ‘Wurzel zwei’, kennt man als ‘unendliche Zahlen’, also Zahlen, deren Nachkommastellen nicht an einem bestimmten Punkt aufhören, sondern immer weiter gehen (irrationale Nummern). Aber eigentlich sind sie nicht unendlich, denn sie gehen nur so weit, wie man halt zählt, solange also, als dass man sie noch als eine ‘Grösse’ hat. Und man könnte sich ihnen überhaupt nicht annähern, wenn sie in unserem Sinne, der dritten aufgeführten Aussage nach, ‘unendlich’ wären.

‘Pi’ ist im Prinzip eine Funktion der Abrundung eines aus vielen kleinen Geraden zusammen gefügten Kreises. Wie bei der Darstellung des WA-Schemas ganz oben, das auf dem Umkreis aus einzelnen Linien besteht (12 Linien) die sich zu etwas Kreisartigem formen. Dort, wo auf dem Umfang zwei kleine Geraden zusammen kommen, hat man eine kleine Abeckung. Je mehr von diesen kleinen Abeckungen man auf dem Umkreis hat, desto ‘runder’ wird der Kreis, und desto präziser wird Pi (deswegen wird Pi auch als Kreiszahl bezeichnet, obwohl ‘Halbkreiszahl’ eher stimmen würde). Und weil man halt so viele Ecken auf den Kreis projizieren kann, wie man zählen kann, denkt man sich Pi gerne als etwas ‘Unendliches’. Eine unendliche Zahl ist nach diesen Begriffen eines von diesen: inexistent (weil ohne Messbarkeit) oder transzendent (weil ohne Zahl, z.B. die Null).

‘Null’ kann man nicht als Zahl bezeichnen, weil sie den Begriff transzendentiert. Wir haben mit ‘Null’ also insofern keine Unendlichkeit, als wir mit ihr auch keine Zahl mehr haben.

Es ist jedoch keine Unendlichkeit im Zählen selber, denn da ist nur ‘noch nicht gefundene Grösse’. Eine ‘unendliche Grösse’ wäre keine ‘Grösse’ mehr, weil es etwas anderes geworden sein würde (wir nennen es hier eine ‘transzendentale Grösse’). Eine Grösse ist jedoch nur so lange eine Grösse, wie sie noch gemessen werden kann. Darüber hinaus wird sie zu etwas anderem als ‘Grösse’, etwas, für das wir keine Begriffe mehr haben. Es ist jedenfalls nicht ‘Unendlichkeit’, weil Unendlichkeit in diesem Fall ‘nicht mehr messbare Grösse’ wäre. Das ist nach unseren Begriffen ein Widerspruch im Begriff ‘Grösse’.

Der Begriff ‘transzendental’ bedeutet, dass der Begriff der darauf folgt, sich überwunden hat, und zu etwas anderem wurde. ‘Transzendentale Grösse’ heisst damit nichts anderes als: da war einst ‘Grösse’, nun ist da etwas anderes, das mit der alten Kategorie nicht mehr passend beschrieben werden kann. Ein ‘transzendentales X’ ist eine Erinnerung an das ‘X’, das vor dem Transzendentieren war.

Im Externalen können wir nun unterscheiden zwischen diesen Arten von Unbekannten. Wir können die mathematischen Begriffe (wie Raum, Zeit und Grösse) dem einen zuteilen, und wir können die transzendentalen Ideen (transzendentaler Raum, tr. Zeit und tr. Grösse) einer anderen Art von Externalem zuschreiben. Das erste können wir einer objektiven Unendlichkeit, wie wir gesehen haben, nicht zuteilen, aber wir können das auch nicht mit den transzendentalen Begriffen. Denn diese Begriffe verlassen den Bereich des Räumlichen, Zeitlichen und dergleichen. Und wo wir nichts Messbares mehr haben, macht es auch keinen Sinn, von einem ‘Endlichen’ oder ‘Unendlichen’ zu sprechen.

Beim Transzendentalen dieser Kategorien, wie dem transzendentalen Raum, haben wir nichts Messbares mehr, beim transzendentalen Raum wäre das die Qualität ‘quantifizierbare Abstände’ die wir nicht mehr haben. So haben wir auch keine Unendlichkeit, da wir für selbige ein Mass gebrauchen (‘etwas, das unendlich ist’). Objektive Unendlichkeit müsste einen Widerspruch in sich vereinigen: sie müsste eine ausserhalb des Menschen messbare Sache (wie ein Raum) in einer nicht (mehr oder nie) messbaren Form begreifen können. Dadurch müsste die Messbarkeit der Sache selber transzendental sein.

So können wir abschliessend vom Aprositalen sagen, dass es selber nie unendlich ist. Nur die perspektivische Sicht des Menschen lässt die Dinge unendlich erscheinen. Hat man Räumlichkeit, hat man Endlichkeit, hat man Zeitlichkeit, hat man ebenso Endlichkeit, und hat man Grösse, hat man immer noch Endlichkeit. Hat man keine Endlichkeit mehr, so hat man ‘Endlichkeit Transzendentierendes’, und damit nicht mehr etwas Messbares. So hat man Räumlichkeit, Zeitlichkeit und Grösse als transzendentale Kategorien. Den Begriff ‘Unendlichkeit’ gibt es damit, wenn man keine transzendentale Messmöglichkeit hat, nur als etwas Subjektives.

Edit: Möchte man sich die Ausmasse der Grösse des (wie wir gesehen haben: durchaus endlichen) Universums vorstellen, so vergegenwärtige man sich alles Bekannte oder Vorstellbare des Universums, wie man es in der Gegenwart kennt. Dieses Vorstellbare, so gewaltig es auch sein mag, ist im Vergleich zu der tatsächlichen Grösse nicht von ‘null’ zu unterscheiden. Das grösste Denkbare ist im Vergleich zum Wirklichen so vernachlässigbar winzig, dass es daneben nicht mehr zu sehen ist, es approximiert null. ‘Nicht mehr erfassbare Endlichkeit’ ist damit nicht ‘die Grenze unserer Vorstellungskraft, plus noch etwas’ das sich gerade ausserhalb unserer Grenze befindet, es sind ganz andere Grössenordnungen. Unsere Vorstellungskraft oder unser Wissen ist neben dem Wirklichen, das wir im normalen Sprachgebrauch als unendlich bezeichnen, ein Tropf im Ozean. So ist die unvorstellbare Endlichkeit der Wirklichkeit bereits ‘Aprosität’. Wir brauchen gar nicht beim Unendlichen zu sein, um uns die Dinge nicht mehr vorstellen zu können.

Edit 2: Vielleicht mag man fragen: warum ist die Frage, ob es Unendlichkeit gibt oder nicht, überhaupt ein Thema? Es ist ein Thema, weil sich ‘nicht enden wollende Endlichkeit’ in der Geometrie (Diastegraphometrie) in ihrem Verhalten von der ‘Unendlichkeit’ unterscheidet. Weltfremdes Denken wir einfacher als solches erkannt, wenn man mit einer fern jeder Begreifbarkeit befindlichen Endlichkeit arbeitet, anstatt mit dem unspezifischen Begriff Unendlichkeit herum spielt, und unbewusst immer wieder allerlei Gedankensprünge macht. Hat man Endlichkeit, hat man zwar nicht mehr diese okkulte Verworrenheit (die einem womöglich sehr nützlich sein kann, wenn andere Menschen einem präzise, überlegte Fragen zur Unendlichkeit stellen), dafür hat man in sich mehr Klarheit, ab wo man in die Welt der Fantasie abgeht.

Edit 3: Unendlichkeit kann auch sehr klein und überschaubar sein, nämlich dann, wenn ‘etwas‘ relativ zu ‘nichts‘ ist. Eine jeder Gegenstand, ein jedes Sein, hat unendlich mal mehr Existenz als jedes Nichtsein. Solches wäre weder echte (nicht erfassbare) noch unechte (erfassbare), sondern eine relative Unendlichkeit.

bookmark_borderZum Wort: Ökologie

Ökologie setzt sich zusammen aus οἶκος oikos, von ‚Haus‘ oder ‚Haushalt‘, und λόγος logos ‚Lehre‘. Es ist die ‘Lehre vom Wirtschaften’. Die Ökonomie untersucht dagegen die ‘Gesetze des Wirtschaftens’. Was die Bedeutung hinter der Assoziation des Hauswirtschaftens zu kollektiven Geldern ist, kann ich nicht nachvollziehen. Ich meine, dass mit der Begriffswahl im Stile griechischen Denkens im Wort auch eine Art Vorgabe versteckt ist: in solcher Art und Weise sollte mit Geld umgegangen werden, um nicht etwas Schädliches entstehen zu lassen (wie den Chrematismus, der sich nicht auf ein Wirtschaftswesen mit physischen Gütern richtet, sondern auf ein abstraktes Finanzwesen). Wie sich das finanzielle Haushalten auf eine Volkswirtschaft übertragen lässt, entzieht sich mir (noch). Für das Wort Ökologie habe ich ähnliche Schwierigkeiten.

Das Wort Ökologie wird in der Gegenwart für Umweltfragen verwendet. Ein besserer Begriff für Umwelt und Weltrettung und dergleichen, wäre vielleicht der Begriff Ökumenophilologie (von οἰκουμένη oikouménē, ‘bewohnte/belebte Erde’ oder ‘Erdkreis’; und φιλία philía, ‘Freundschaft‘, oder φίλος philos, ‘Freund‘; wie auch λόγος lógos, ‘Lehre’), ‘Lehre zur Liebe zur belebten Welt’. Oder dann sollte zumindest der Begriff Ökumenologie verwendet werden, was so viel ist wie die ‘Lehre zur belebten Welt’.

bookmark_borderZum Wort: Geometrie

Geometrie setzt sich zusammen aus Erde (geo) und Messung (-metron). Folglich geht es dem Wort nach in der Geometrie darum, die Erde auszumessen. Da die Geometrie die wir kennen, jedoch auch sehr viel anderes tut, als nur die Erde zu vermessen (mit ihr werden ‘geometrische Figuren und Verhältnisse’ studiert), sollte für sie ein anderes Wort verwendet werden. Eines, das auch alles beschreibt, was in jenen Tätigkeiten geschieht, welche man unter die Geometrie fasst.

Da die Geometrie für so vieles gebraucht wird, das nichts mit dem Vermessen der Erde zu tun hat, mussten jene, welche die Erde tatsächlich vermessen wollten, auf einmal ein neues Wort für ihre Tätigkeit finden, und so entschieden sie sich für das Wort Geodäsie: aus ‘Erde’ (geo) und ‘teilen’ (daïzein). Die Kartographie ist ein anderer Begriff des Erdenvermessens, auf die Oberfläche und deren Eigenheiten bezogen. Dass sie das tun mussten, ist eigentlich unnötig. Geodätiker sind eigentlich Geomatiker (oder Geometer), und Geomatiker sind Diastegraphometer. Wir wir zu diesem umständlichen Begriff kommen, soll im Folgenden beschrieben werden.

Der Diastemismus kommt von ‘Zwischenraum’ (diástēma). Das Wort Diastema hat es in der Praxis nur durch die Medizin in die Gegenwart geschafft, nämlich dort, wo in der Zahnmedizin die Zahnlücke ist: es bezieht sich auf den Zwischraum zwei nebeneinander liegender Zähne. Dieses Wort wollen wir hier gebrauchen, um unseren neuen Begriff für Geometrie zu erstellen. Mit dem Diastema haben wir etwas, das schon etwas beschreibt, was in jenem Bereich geschieht, den wir als Geometrie bezeichnen, der mit der Erdvermessung eigentlich nur am Rande zu tun hat. Aber eigentlich sind wir alleine mit der Lehre des Zwischenraumes, der ‘Diasteologie’ erst bei der Mathematik, und noch nicht bei der Darstellung derselben, wir haben eigentlich noch nichts anderes, als einen Teil der Mathematik, ähnlich der Topologie. Mathematik ist ‘die Kunst des Lernens’, sie setzt sich zusammen aus Lernen (mathēma) und Technik, Kunst (téchnē). Ich verstehe es als eine ‘der Technik ähnliche Lern- und Anwendungstechnik’ – sehr strukturiert und exakt. Da wir aber mit dem, was unter Geometrie verstanden wird, etwas Darstellendes haben, das wir beschreiben wollen, sollten wir das Darstellende in den Begriff hinein nehmen.

So kommen wir zur Diastegraphologie, der ‘Lehre des dargestellten Zwischenraumes’. Und da wir diese Disziplin für die Ausmessung des Zwischenraumes verwenden wollen, kommen wir zur Diastegraphometrie als den Begriff, mit dem wir das für unsere Zwecke einseitige Wort ‘Geometrie’ ersetzen wollen. Die Diastegraphometrie setzen wir also aus drei Begriffen zusammen, dem Zwischenraum (diástēma), der Darstellung (gráphein) und der Ausmessung (-metron).

Was ist das Gegenteil der Diasteologie? Es ist dies die Morphologie, wo die innere Gestalt, das Wesen um den Kern herum, erfasst wird. In diesem Gegenteil der Diasteologie, in der Gestaltenlehre, geht es nicht um die Linien aussen drum, sondern um jenes dazwischen, das eigentlich Wesenhafte, und wie dieses aufgenommen wird. Deswegen ist es nur angebracht, dass die Morphologie vor allem für die Biologie gebraucht wird, wo der Realismus, und vielleicht der Phänomenalismus, sie gebraucht. Wenn wir ein Wesen betrachten, und das Wesen des Wesens verstehen wollen, so sollten wir die Morphologie verwenden. Dort wo das Wesentlichste, im WAP die Monade, beschrieben wird, kommt die Morphologie zum Zug.

Und wenn wir etwas abstrahieren wollen, wenn wir es also nicht be– sondern umschreiben wollen, wenn wir also den Umriss auf einen letzten Nenner bringen wollen, so sollten wir verwenden, was wir besser als Diasteologie bezeichnen. Und wenn wir dieses Abstrahierte mit einer Grösse darstellen wollen, so sind wir bei der Diastegraphometrie, der Darstellung der Zwischenräume.