Zum Begriff: Religion

Der Begriff ‘Religio‘ geht im klassischen Herkunftsverständnis auf den grossen Cicero selber zurück: relegere: re (wieder) und lego (lesen), wo lego im Sinne von drübergehen, wählen oder vorsichtig erwägen gemeint ist.

Eine andere Interpretation setzt den Begriff aus religare: re (wieder) und ligare (binden oder verbinden) zusammen. Diese zweite Interpretation wird von vielen Akademikern bevorzugt, und sie ist auch was hier Anleitung geben soll, um auf die eigentliche Bedeutung zurückzukommen.

Der folgende Text wurde aus einer Audiofolge von “The Duran” inspiriert (~Minuten 30-40). Folgendes ist nicht ein atheistisches oder materialistisches Argument, weil etwa das Wort ‘irrational’ im Zusammenhang mit Religion verwendet wird. Irrational ist ein besser verständlicher Gegenpol zu ‘rational’ als der Weltanschauungsgegenpol ‘dynamistisch’ es ist. Irrational ist somit nicht als willkürlich, widersinnig gemeint, sondern als etwas Natürliches, Eigenlogisches, nicht etwas auf Wortlogik und Semantik Basierendem.

Das Binden, Anbinden oder Verbinden in der ‘Religio’ bezieht sich als erstes auf etwas Gemeinsames. Die Religion ist als erstes nichts Privates, sondern etwas Gemeinschaftliches. Sie gibt dem Menschen die Anbindung oder Wiederanbindung an seinen sozialen Verpflichtungen. Religion bedeutete, die Familie, Vorbilder in der Gesellschaft (König, Helden, Ritter, Heerführer etc), die eigene Zunft (in Bezug auf die Arbeit) oder Gott/Götter zu ehren, usw. Das stille, unausgesprochene, persönliche, private Gebet ist in solcher Religio vielleicht ein Bestandteil, aber es wurde seit der Aufklärung nach und nach uminterpretiert zu einer Hauptsache: es wurde zur persönlichen Anbindung oder Wiederanbindung an Gott. So verstehen wir sie heute anders als noch vor der Trennung von Staat und Religion.

Die Anbindung an Gott war aber etwas das gemeinsam getan wurde, und es wurde gemeinsam angehört, ausgesprochen, gesungen – bei Naturvölkern auch getanzt usw.

Die Trennung von Kirche und Staat bewirkte in gewisser Weise eine Trennung von Religion und Öffentlichkeit. Religion wurde persönlich und privat, und dadurch fast widersinnig; sie unterschied sich immer weniger vom Glauben, sie wurde zu einem persönlichen Glauben, da sie in einer öffentlichen Rolle als etwas Überwundenes angesehen wurde, das einer Vergangenheit angehört(e). Für die moderne, westliche, in einseitiger Weise ‘aufgeklärten’ Gesellschaft bedeutete der Verlust von Religio einen Verlust von Zusammenhalt, wenn an die Stelle der Religio nicht Neues treten würde. Was an die Stelle der Religio trat, war die Ratio: der skeptische Verstand und dessen Produkt, die Scienzia (die Wissenschaft). Seltsamerweise erhält man mit dem Verlust von Religion – die nicht rationalistisch ist – die eher ein Gegengewicht zum Rationalismus ist, das Irrationale. Ideatrie und Ideologie finden ihren Weg in die Scienzia, da sie sonst nirgendwo untergebracht werden können. Und das gerade vom Zweifel Lebende, die Scienzia, wird zu einem Gegenteil dessen, was sie sein sollte, sie wird zu etwas, das Gewissheit in sich halten muss, während sie ihrem eigentlichen Begriffe nach gleichzeitig überall dazu angehalten ist, ihren Zweifel anzuwenden. Daraus entstehen viele widersinnige Dinge, die wir in der Gegenwart aus den Akademien kommend sehen können, wie die scheinbare Abschaffung von Kategorien (Skeptizismus), nur um sogleich mit neuen Kategorien aufzutanzen, in deren Aktualität der Aktualität wegen Gewissheit (Ideologie bis Ideatrie) eingegeben wird.

Eine Gesellschaft kann nicht auf Zweifel und Skeptizismus beruhen, es braucht etwas, das man gemeinsam teilen, gemeinsam glauben kann. Der Mensch braucht das Kollektive, von dem er Teil sein kann. Eine Methode zur Zerteilung – was der Skeptizismus letzten Endes ist – reicht hierzu jedoch nicht aus. Die Ideologie in Religion wird verpönt, und die Gegenwehr im Skeptizismus wird zur Ersatzideologie, und sie setzt sich in ungesunder Weise im nicht von Natur aus rationalistischen Menschen fest, und sie macht durch ihre Widersprüche jene Menschen einsam, dann frustriert, und dann wütend.

Eine bedeutende moderne Strömung im ‘Westen’ ist der Progressivismus. Die Aufgeklärtheit jener Progressiven erlaubt ihnen nicht, gemeinsam etwas Religionsartiges auszuüben, da dies (vermutlich korrekt) als rückwärts gewandt verstanden wird; dennoch ist in ihnen, wie in den meisten Menschen, ein starkes Bedürfnis nach einer kollektiven, sozialen Aufgabe, nach einem gemeinsamen Sinn. Der Widerspruch aus persönlicher Notwendigkeit und dem, was man sich gedanklich erlauben kann, zeigt sich durch ein geistiges Unbefriedigtsein letzten Endes als Wut. Progressive Menschen bedingen etwas wie Religion, aber sie können sich durch die Umstände der Gegenwart keine Religion erlauben. So schaffen sie sich das im positiven Sinne ‘Irrationale’, Religionsartige über andere Wege; Wege, die mit den passenden Begriffen wie ‘Aufklärung’, ‘Wissenschaftlichkeit’ usw. verknüpfbar sind. Das im positiven Sinne Irrationale ist ein Teil des Menschen, und es muss seinen Platz im Leben finden.

Die Ratio die alles, auch ‘Irratio’, in sich vereinigen muss, führt zu Wut unter den Menschen. Die Gesellschaft die nicht zwischen der falschen Auswahl aus Staatsreligion und Staat über Religion entscheidet, sondern beides im öffentlichen Raum belassen kann, ist viel friedlicher (siehe eine Vielzahl asiatischer Kulturen). Die Kunst ist, lediglich das Rechtswesen von der Religion zu trennen, aber nicht den Staat an sich.

Zum Begriff: Weltanschauung

Weltarkaden

Was die dutzend Weltanschauungen (DWA) an sich sind und was der Begriff innerhalb des Weltanschauungsprinzips beschreibt, sind eigentlich zwei verschiedene Dinge. So wie die Weltanschauungen (unabhängig vom Menschen) sind, wie sie sich in den Dingen zusammenfinden – ob nun darauf geschaut wird oder nicht – macht den Begriff streng genommen widersinnig. “Weltanschauungen” sind da, auch wenn niemand schaut. Weltanschauung ist ein anthropomorphistischer Begriff, er geht vom Menschen aus. Den nichtanthropomorphistischen Begriff für die dutzend Weltanschauungen definiere ich als die “dutzend Weltarkaden” (DWA). Der Baum im Wald fällt, auch wenn niemand schaut, nur ist es ein anderes Ereignis wenn es ohne einen Menschen geschieht: es sind keine Begriffe vorhanden, wenn kein Mensch es sieht. So haben die Weltaraden wie der Baum einen anderen Charakter, wenn kein Mensch sie betrachtet, dennoch sind sie auch ohne ihn vorhanden.

Die Weltarkaden sind nicht Tore, weil sowohl die Welt selber, wie auch jeder Mensch sie zu jeder Zeit bei und um sich hat. Kann man immer durch jede Arkade durchlaufen, drin stehen, hinein- und hinausschauen, so ist noch immer immerzu ein Mensch involviert. Ist das nicht anthropomorphistisch genug?

Das Erleben der Welt wie es zu jedem wachen Zeitpunkt geschieht, das ist der Realismus. Im ‘Geschehnis’ kann man den Phänomenalismus erleben, aber der Menschenzustand auf der Welt, wo Materie und Geist äussere Extreme darstellen, die sich in der Mitte treffen, das ist der Realismus. Es ist schwer eine einzige andere Weltanschauung zu verstehen, wenn nicht die Allgegenwärtigkeit des Realismus im Erleben des Menschseins erkannt wird. Weltanschauung ist zuerst eine Welterfahrung, und diese ist zuerst im Realismus.

Die Weltanschauung des WAP hat sowohl ihre eigenen Qualitäten, wie auch Qualitäten die sich aus der Beziehung oder dem Unterschied zu anderen Weltanschauungen ergeben. Die dutzend Weltanschauungen zusammen ergeben wiederum etwas, das das ‘Sein’ (die Welt) dem Menschen zugänglich macht, während die dutzend Weltarkaden das Sein, das die Weltanschauungen beschreiben, selber sind. Weltanschauungen sind vom Menschen ausgehend, Weltarkaden vom Kosmos. Dennoch bedingen beide den Menschen; so sind Weltanschauung und Weltarkade zwei Seiten einer Münze.

Die Dutzend Weltanschauungen (DWA)

Im Weltanschauungsprinzip (WAP) ist der Begriff Weltanschauung auf nur zwölf Stück anwendbar. Alles andere gilt als teilhaft (untergeordnet), übergeordnet, vermischt, irrelevant usw. Die DWA sind der Ausgangspunkt des Weltanschauungsprinzips, sie werden in die Mitte gestellt. Für den Weltanschauungsbegriff bedeutet dies, dass er sich innerhalb des WAP selbst erklären muss, und dann die Erklärung auf sich selber anwenden muss, was wieder die Erklärung ändert, usw. Der Begriff ist im WAP so in einem Endloszirkel, denn wo kann eine Erklärung beginnen, wenn der Beginn bereits das Resultat bedingt? Die Selbsterklärung gilt für jede anspruchsvolle Methode, für die Weltanschauungen aber besonders: Spiegelung und Gegensatz sind das WAP, und sofern das WAP Methode ist, ist es schwierig, einen Anknüpfungspunkt zu finden, weil nur schwerlich zwischen Methode, Studienobjekt und Ergebnis unterschieden werden kann. Können wir diese Zirkelargumentation im Verlaufe des Projekts auflösen, ist vieles auch für andere Methoden geschafft.

Während eine Weltanschauung für ein Gebiet spezialisiert ist, gilt die Methode des WAP allein für sich selbst, und für nichts ausser ihr. Das WAP studiert nur das WAP, aber anders als alle anderen Methoden, ist diese über diese Selbstbezogenheit ehrlich (wobei solche Unehrlichkeit im Fall des WAP unmöglich wäre). Dadurch ist der Weltanschauungsbegriff des WAP in gewisser Weise im WAP gefangen.

Der Begriff ‘Weltanschauung’ hat im Weltanschauungsprinzip verschiedene Schwierigkeiten, bevor eine Definition überhaupt versucht wird – deren Lösung sich mir noch entzieht. Mit der Unterscheidung zwischen Anschauung und Arkade können wir die Weltanschauung in angemessener Weise mit dem Menschen verknüpfen.

Zum Begriff: Ideologie

Ideologie ist die Lehre der Ideen, auch: Studium der Lehre der Ideen. ‘Die’ Ideologie ist nicht eine einseitige Weltanschauung, sondern ein Hauptaspekt des Idealismus, der sich über alle WA ausdehnt, da alle WA durch Ideen formuliert werden (ohne dass diese dadurch idealistisch werden müssen).

‘Eine’ Ideologie repräsentiert eine Ansammlung von Ideen und Idealen zu einem Weltbild, an ihr ist nichts notwendigerweise an sich Abwertendes, Parteiisches oder Einseitiges, auch wenn sie aus verschiedenen Gründen in bestimmte Richtungen mangelhaft sein kann.

Ideologie ist weder Doktrin noch Dogma

Sie wird spätestens seit anfangs zwanzigstes Jahrhundert, wo durch die fortwährende Partisanisierung der Gesellschaft (zum Zwecke kompetitiver, tyrannischer oder revolutionärer Gesellschaftssysteme) viele Begriffe ihre eigentlich neutrale Bedeutung in etwas zum Handeln Anregendes umgewertet sahen, fast immer verwendet für etwas, das als ‘Doktrin‘ (Ansammlung festgelegter Prinzipien oder Dogmata eines Wissensgebietes) oder ‘Dogma‘ (erledigte Meinung; ein nachdrücklich als abgeschlossen behauptetes Prinzip) bezeichnet werden sollte.

Unsere ‘Politik’ ist apolitisch, und Ideologie ist weit mehr als sie

Weiter, und hier kommt die Absurdität der Begriffsverständnisse der Gegenwart zur Geltung, wird sie für ‘politische’ Schemata verwendet, obwohl gerade solche meist apolitisch weil privatistisch sind, weil das Politische 1) keine Parteienbildung, 2) keine Inaktivität oder ungleiche Teilnahme an sich durch Bürger, und 3) keine Mittelbarkeit (durch Dritte oder sonstwie indirekt repräsentierte, ‘vermittelte’ Haltungen) erlaubt. Unsere ‘Politik’ geschieht in der Praxis hinter unzähligen verschlossenen Türen, und ist dadurch das Gegenteil von Politik: sie ist Privatismus. So wird die Ideologie auf etwas beschränkt, das wiederum selber dem eigentlichen Sinn des eigenen Begriffs widerspricht. Die Möglichkeiten für Missverständnisse gehen dadurch bereits (nicht in das Unendliche aber) ins Grenzenlose.

Ideatrie

Um zu beschreiben was abwertend als Ideologie bezeichnet wird, wird hier stattdessen das Wort ‘Ideatrie‘ (aus ἰδέα idea “Form, Muster” und λατρεία latreia “Verehrung”) vorgeschlagen, woraus sich ein ‘Überbewerten der Wichtigkeit einer Idee’ ergibt.

Zum Begriff: Politik

Der erste Teil des folgenden Artikels ist komplett von jemandem auf Twitter inspiriert, der jedoch (wie ich) seinen Namen nicht teilt: Nutt Los (der auch einen Youtube-Kanal hat). Er ist ein echter Philosophe auch wenn er sich vielleicht nicht so bezeichnet, denn seine Videos und seine Artikel sind (trotz einem Patreonkonto) für jeden frei zugänglich; die Ideen zum Begriff ‘Politik’ kommen vor allem von Christian Meier.

Politik in Abgrenzung vom Privaten

Das Wort Politik wird generell für etwas anderes verwendet, als die eigentliche Bedeutung verlangt. Es wird gegenwärtig mitunter für all die Systeme der Gegenwart verwendet, die eine bestimmte Repräsentation vieler verschiedener Menschen durch wenige Menschen zum Kern haben. Jene (Mis-)Repräsentation geschieht durch ‘Wahlverfahren’, wo einige Menschen sich zur Wahl stellen, mit dem Ziel, jene Wahl zu ‘gewinnen’. So ist das Gemeinschaftliche der Gesellschaft kaum etwas Gemeinschaftliches, sondern ein Gegeneinander, in dem sich allerlei Allianzen, Feinschaften und Intrigen finden. Dieses Gegeneinander hat nicht zum Ziel, sich als erstes um eine Lösung für alle zu tun, sondern aus einer Vielzahl an Kompromissen, Parteikämpfen, Schlagzeilen, persönlichen Streitereien, finanziellen Abhängigkeiten, Wahlversprechen, Umfragen, Abstimmungen, Ideologien, Karrieren, zeitlichen/geostrategischen Notwendigkeiten usw, manchmal unter dem Schein von Freundlichkeit und Zusammenarbeit irgendwas zu tun. Um eine echte Lösung kann es unter solch verworrenen Umständen fast nicht mehr gehen. Es ist ein Wunder, wirklich ein Wunder, dass unsere gegenwärtigen Institutionen unter solchen Umständen nicht schon lange durch innere Konflikte kollabiert sind.

Mit Politik selber, nach ihrer eigentlichen Bedeutung, hat all das, wenn man in der Sprache eine gewisse Strenge zeigt, nichts zu tun, denn Politik ist das Gemeinwesen wo jeder in gleicher Weise teilnimmt, und als Mitglied des Gemeinwesens auch teilnehmen mussnicht das delegierende Gegeneinander. Die Delegation, die Wahl von Repräsentanten, führt immer zu ‘privaten’ Treffen, nicht zu ‘politischen’. Das Private ist mit dem Politischen unvereinbar wie Tag und Nacht – wenn das Eine vorhanden ist, ist das andere, nach der strengeren Definition der Begriffe, nicht vorhanden.

Das Politische erlaubt keines der folgenden drei:

  • Parteienbildung,
  • Öffentliche Inaktivität oder ungleiche Teilnahme an sich [d.i. dem Politischen] durch Bürger, und
  • Mittelbarkeit (durch Dritte oder sonstwie indirekt repräsentierte, ‘vermittelte’ Haltungen).

Oder anders: Politik bedingt folglich

  • keine Parteienbildung,
  • aktive, gleichrangige und obligatorische Teilnahme aller mündigen Bürger und
  • Unmittelbarkeit (physische Anwesenheit).

Der zweite Punkt wird durch den Zufall des Losverfahrens ermöglicht (Isonomie).

Zum Privaten gehören nach Christian Meier Eigeninteressen und Wettbewerb, und hier beginnen die Probleme unseres Systems. Der Wettbewerb ist in der Polis (der Bereich wo die Politik der Bürger – nicht ‘Volk’ – hinreicht) destruktiv (während er im Wirtschaften bis zu einem Punkt konstruktiv sein kann), so sehr, dass eine Polis überhaupt nicht existieren kann, wenn stets darum gestritten wird. Um das Destruktive an unserem System (repräsentative Demokratie, in der Praxis Aristokratie, Ochlokratie oder Oligarchie) zu überwinden, finden sich bei bei den alten Griechen einige Lösungsansätze (isonomische Demarchie, aleatorische Demarchie, attische Demokratie). Die alten Griechen hatten ein sehr kompetitives Leben, von dessen schädlicher Wirkung auf die Gesellschaft sie wussten, wenn im ständigen Wettbewerben übertrieben wurde. Sie wussten, dass der Wettbewerb im öffentlichen Entscheidungsraum (Polis) keinen Platz haben kann, wenn irgendwas erreicht werden will. So verbannten sie den Wettbewerb aus diesen Räumen, und sie formten mit Klugheit und-oder Weisheit ein System, das durch einen friedlichen Konsens zu Lösungen kommen konnte: die Isonomie (Rechtsgleichheit) zusammen mit der Isegorie (Meinungsäusserungsgleichheit).

Die Isonomie gibt allen Menschen (damals: allen ‘Vollbürgern’, heute wäre es wohl: allen ‘Volljährigen’) die gleichen Rechte: durch das Losverfahren wird von jedem verlangt, am Gemeinwesen mitzuwirken. Nicht, indem er irgendjemanden wählt, sondern indem er selber, physisch hingeht, und an Gesetzgebung, Umsetzung usw mitspricht und mitwirkt. Hier hat man nicht mehr einen kleinen Bruchteil der Bevölkerung, die sich direkt an Politik (oder wie es im Falle des Apolitischen genannt werden sollte: am repräsentativen Privaten) beteiligt, sondern die grösste Mehrheit. Wer sich nicht beteiligt, wurde Idiot genannt, von ἰδιώτης Idiotes, für Privatperson. Es findet sich quer durch alle Schichten, durch das Zufallslos, die Gesellschaft so vor, wie sie sich wirklich zusammensetzt. Es ist nicht mehr ein einzelner, der die Widersprüche unzähliger Menschen und Gruppen in sich vereinigen muss, und der darauf hinaus noch alle möglichen Umstände navigieren muss, welche mit seiner Rolle einher gehen, sondern eine bestmögliche Widerspiegelung der Gesellschaft. Und das ist, was Politik eigentlich ist. Was wir mit unserer behaupteten Demokratie haben ist nicht Politik, sondern etwas äusserst Dysfunktionales, das die inneren Probleme im besten Fall nur durch grössere, nach aussen projizierte Probleme durch den gemeinsamen Feind in halbwegs angemessener Weise angehen kann.

Politik und Privation in Abgrenzung zum Partisanismus

Hier die Ergänzung zur binären Unterscheidung zwischen Politik und Privation: der Partisanismus dazwischen.

Auf Twitter verwendete ich das Wort Politik seit meiner Aufklärung zum Begriff durch “Nutt Los” nicht mehr, wie es für gewöhnlich verstanden wird (partisanes Denken, politisches Handeln, Demokratie), aber auch das mit falschem Verständnis Geschriebene werde ich alles überarbeiten, den falsch verwendeten, abwertenden Politikbegriff in den Partisanenbegriff oder ‘Politizismus’ umändern, und die Politik – ihrer eigentlichen Bedeutung nach – sich selber sein lassen.

Es sollte einem in der Auseinandersetzung mit ‘Politik’ immer bewusst sein, dass heute mit diesem Wort Unfug betrieben wird, und all die “-kratien” von der eigentlichen Politik sehr weit entfernt sind.

In Partisanismen wie ‘Politik der ersten Person‘ (Kampfaussage: ‘das Persönliche ist politisch’) durch Bewegungen wie dem Feminismus, fand und findet der Widersinn des Missverstehens des Politikbegriffs eine Art Höhepunkt, wo jede Abgrenzung von Politik und Privation entfernt werden will.

Hier zeigt sich auf, dass zur einfachen Unterscheidung zwischen politisch und privat etwas weiteres notwendig wird: das Adjektiv ‘partisan’. Denn das Kämpfen wie es von sozialaktivistischen Gruppen betrieben wird, ist nicht wirklich dem Privaten zuzuschreiben – besonders wenn es sich an die Öffentlichkeit richtet. Das Private hat nämlich, wie das Politische auch, im Kern etwas sehr Friedvolles an sich: die Intimität, die Zuneigung, die Formen von Liebe, die Freundschaft, die Nähe usw, zu einem anderen Menschen oder einer kleinen, bekannten Gruppe; all die Dinge, wo dem einzelnen anderen Menschen Vertrauen geschenkt werden kann. Das sind keine Kämpfe und Wettbewerbe – es gibt Kämpfe und Wettbewerbe um das in diesem Sinne ‘wirklich Private’ herum (Selektion im Dating, Familienfehnden, Differenzen in Idealen zwischen Freunden usw), diese dienen mitunter aber vor allem dem Erreichen des wirklich Privaten, wo im Idealfall schlussendlich bedingungslos vertraut werden kann. So haben wir mit dem Privaten und dem Politischen zwei friedvolle Extreme, wo das eine Extrem dem anderen näher kommt, den sozialen Darwinismus im Privatistischen, das öffentliche Verhandeln im Politizistischen und dergleichen (was nicht schlecht sein muss, sofern es an einem angemessenen Ort bleibt).

Finden wir Wege, das Private wie das Politische friedvoll zu gestalten, haben wir demnach tatsächlich erst Privates und Politisches. Und alles dazwischen, das Menschen gegeneinander und nebeneinander zu Rangeleien antreten lässt, nennt sich daraus folgend das “Partisane”.

  • Privat: wo dem einzelnen Menschen vertraut wird
  • Politisch: wo der Allgemeinheit vertraut werden kann
  • Partisan: wo auf bestimmte Spielregeln vertraut werden muss

Verzerrte Formen

Schleichen oder drängen sich Partisanismen in das Private oder das Politische (wie das Erwähnte “das Private ist politisch!”), so enstehen daraus der partisanistische Politizismus wenn es im öffentlichen Raum geschieht, oder partisanistische Privatismus wenn es im privaten Raum geschieht: der partisanistische Privatismus ist eine zum Kompetitiven verzerrte Form des ehemals Privaten, und der partisanistische Politizismus ist eine zum Kompetitiven verzerrte Form des vorher Politischen. Der partisanistische Privatismus und der partisanistische Politizismus sind dadurch ein unangemessenes Versetzen des Partisanismus an einen Ort, wo dieser nicht hingehört, und wo er das sonst in angemessener Weise Funktionierende stört oder verunmöglicht.

Finden sich kleine Gruppen, die zuerst in ihren Eigeninteressen hinter verschlossenen Türen für die Gesamtheit der Gesellschaft entscheiden, haben wir den privatistischen Politizismus, die wohl übelste Form der möglichen Verzerrungen. Die Bürger werden hier zum ‘Volk’ – einer schweigenden Masse, die nur lahm und schwerfällig auf Geschehnisse reagieren kann. Je länger Bürger als Volk leben (müssen), desto mehr verlieren sie die Fähigkeit, als Bürger zu handeln, und desto mehr werden sie Teil einer Masse. Kommt jene Masse wieder an die Macht, so ist ihr System zuerst die ‘Ochlokratie’ (Herrschaft des Pöbels), und ihr Weg zur Politik, und dann zur Demokratie, ist ein sehr, sehr schwerer. Demokratie ist ungeheuerlich schwer zu erlangen, und sehr leicht zu verlieren.

Der Grund, dass die Demokratie leicht zu verlieren ist, ist der, dass die in die (echte) Demokratie Geborenen die Demokratie als einen gegebenen Zustand verstehen. Für sie ist die Demokratie selbstverständlich, und sie verstehen nicht, warum die Demokratie bestimmte Strukturen als Notwendigkeit hat, und warum sie andere nicht hat. Wir irren gewaltig wenn wir glauben, dass es heute irgendwo auf der Welt Demokratie ihrem wahren Begriffe nach gäbe.

Politik minus Gleichrangigkeit, Unmittelbarkeit, Parteilosigkeit, universelle Aktivität -> partisanistischer Politizismus
Privation minus Ästhetische Erziehung, Generationenzusammenhalt, Mythos-Erzählkultur für die Jugend, Logos-Traditionskultur für Erwachsene -> partisanistischer Privatismus

Nun kann aber auch der Partisanismus, wo unter (für alle gleich geltenden) Spielregeln in verschiedensten Wettkämpfen Verlierer und Gewinner gesucht werden wollen, durch den Politizismus oder den Privatismus zu etwas entstellt werden, das er nicht sein sollte. Das ‘gute’ Partisane stellt das Talent des einzelnen oder einer Gruppe in Geschicklichkeit, Intelligenz, Kraft, Durchsetzungsvermögen, Ausdauer, Führungsstärke und dergleichen gegenüber, wo man sich gegeneinander messen kann. Es können für Spiele aber gegen den Geist des ‘geregelten Partisanen’ gesellschaftliche Fragen durch Wetten eingesetzt werden (“wenn X gewinnt, eskalieren wir; wenn Y gewinnt, versöhnen wir”), dann haben wir politizistischen Partisanismus; oder es werden durch Spiele z.B. persönliche Racheakte verübt, dann haben wir privatistischen Partisanismus.

Partisanismus im Öffentlichen

  1. Dogmatisch (starr)
  2. Polemisch (laut)
  3. Sophistisch (klug)

Partisanismus im Privaten

  1. Intrusiv (aufdringlich)
  2. Obtrusiv (versperrend)
  3. Seduktiv (verführend)

Ich hoffe mit solchem Unterscheiden die Dinge in sinnvoller und brauchbarer Weise aufzuteilen.

Die Systemtypen öffentlicher Struktur

Nach Güte:

  • Isonomie
  • Demarchie/Demokratie (Bürger)
  • Aristokratie (Beste)
  • Patriarchie (Vatertypus)
  • Monarchie (Einzelner)
  • Oligarchie (Reiche)
  • Ochlokratie (Pöbel)
  • Kleptokratie (Diebe)
  • Tyrannei

Zum Begriff: Substanz

Der Begriff Substanz hat die besondere Eigenschaft, etwas zu beschreiben, das man für die eigene WA gebrauchen kann, ohne dass der Begriff einer anderen zugehörig sein muss. Dies kann jedoch auch für Verwirrung sorgen, weil verschiedene WA Verschiedenes darunter verstehen werden. So wurde er bis jetzt zumindest gehandhabt, und vielleicht hat er in den Geisteswissenschaften deswegen etwas an Bedeutung verloren. Der Begriff passt sich jenem an, das in einer jeweiligen WA das ‘Zugrundeliegende‘ ist. Damit haben wir jedoch einen Begriff, der sehr relativ ist, weil eben für jeden Menschen durch dessen WA ein Teil (ein Dutzendstel, d.i. 1/12) alles Seienden nur auf etwas Zugrundeliegendes, aber nicht das Zugrundeliegende selber, geschlossen werden kann.

Das Problem können wir lösen, indem wir uns von Aristoteles etwas abknöpfen, Substanz nämlich einteilen in eine erste (primäre) und eine zweite (sekundäre). Haben wir nun zwei oppositionelle WA vor uns, z.B. Realismus und Idealismus, so kehrt sich das Primäre und das Sekundäre von der einen zur anderen WA um. Dem Realismus ist das Einzelne (e.g. Sokrates) das Primäre, und das Allgemeine (e.g. der Mensch) das Sekundäre, wobei sich das Sekundäre aus vielen Primären zusammensetzt, aber nur Begriff ist. Für den Idealismus ist hingegen das Allgemeine das Primäre, und das Einzelne das Sekundäre. Dem Idealismus ist das Allgemeine (anders als dem Realismus) weit mehr als die Summe dessen Teile.

Auf die VS (Visibilitätsstufen) bezogen, ist die primäre Substanz für den Okkultismus unerreichbar, während für den Gnostizismus primäre und sekundäre Substanz diesselbe Zugänglichkeit haben.

Zum Begriff: Naturwissenschaft

Naturwissenschaft ist ein Begriff, der zum Teil von jenen Wissenschaftlern unrechtmässig in Besitz genommen wurde, die sich gerade nicht mit der Natur beschäftigen, sondern auf jene Themen mit ihrer wissenschaftlichen Methodik zugehen, die (ursprünglich) aus der Natur entnommen und dann abstrahiert wurden, aber nicht die Natur selber betreffen. In der Natur findet sich Lebendiges, und damit – neben oder mit Materie – zugänglich Geistiges, und gehört damit, wenn wir uns auf eine WA beschränken, in den Realismus, wo das Geistige und das Materielle einander die Waage halten. Es ändert auch nichts an der Tatsache, dass die Physik, die mit der Paarung zum Mathematizismus naturentfremdet ist, die Natur durchaus begreifen und durch Formeln beschreiben können will. Diesen Anspruch haben alle Wissenschaften (Methoden zum Erreichen von Wissen) aller WA, allerdings nicht alle mit gleichem Recht.

Das weltlich erfahrbare Lebendige ist durch ‘Geist bewegte Materie’, aber nicht Mathematik, wie im Artikel zu den Grenzen der Logik berührt wurde. In Disziplinen wie der Physik findet sich nicht die gleiche Zugänglichkeit zum Geistigen, und auch nicht zur Natur, wie man das Geistige im Realen durch das Wachbewusstsein stets erleben kann, und so ist die Physik zwar ‘exakte Wissenschaft’, aber nur am Rande Naturwissenschaft.

Eine andere wissenschaftliche Disziplin, die Chemie, ist hingegen viel näher an der Natur, als die sehr mathematizistische (und damit von der Natur entfremdete) Physik es ist, aber sie interessiert sich vor allem für jenen Teil der Natur, der die materiell und sinnlich wahrnehmbaren Wirkungen des Natürlichen zeigt, nicht die Interaktion des Geistigen mit selbigem. Bei anderen Disziplinen wie Biologie oder Botanik, haben wir nun aber wahre Naturwissenschaft, weil sie das Lebendige miteinbeziehen, ja zum Thema haben.

Es ist ein rhetorischer Trick der exakten Wissenschaften, sich zum Zentrum von Naturwissenschaften zu machen, mit dem Zweck, mögliche Gegner von Beginn weg subtil zu zwingen, ihr Argument künstlich einzuschränken.

Es gibt damit Gründe, für einige Wissenschaften vom Naturwissenschaftsbegriff zu einem Begriff wie z.B. ‘Körperwissenschaften‘ überzugehen.

Wenn wir die Materie- oder eben Körperwissenschaften in ihrer Überkategorie kritisieren, so sollten wir dasselbe auch für die Geisteswissenschaften tun, denn diese beschäftigen sich meiner Meinung nach nicht genügend stark mit wirklich Geistigem, will heissen, mit geistigen Wesenheiten, um ihnen jene Überkategorie rechtmässig geben zu können. Der Begriff Geisteswissenschaft passt sehr viel besser zu einer Wissenschaftsströmung wie der Anthroposophie innerhalb des Spiritualismus, als zu Sozial- oder Sprachwissenschaften, die Psychologie, oder die in der Gegenwart zum wirklich Geistigen sehr berührungsscheue Philosophie und dergleichen. Ein, wie ich glaube, weitaus passenderer Begriff für diese ist ‘Denkwissenschaften’.

So steht für die Naturwissenschaft der Realismus im Zentrum, für die Körperwissenschaft der Materialismus, für die Denkwissenschaft der Idealismus, und zuletzt für die Geisteswissenschaft der Spiritualismus. Dadurch sind die Dinge, wie ich meine, eher an ihrem Platz. Mit jenen Begriffen sei das Untersuchungsobjekt beschrieben, nicht die Methodik, denn alle wirkungsvolle Methodik braucht den Menschen als Studierenden im Zentrum, und hat damit Anteil Natur, Substanz, Gedanken und Geist.

Enzyklopädische Erläuterungen

Das Passwort für geschützte Artikel lautet 12WA

Artikel werden geschützt, um eine kleine Hürde zwischen das mögliche geistige Eigentum von Autoren und Denkern, und dem öffentlichen Internet zu setzen. Ausgaben älter als 50 Jahre werden auf weltanschauung.org jedoch bald einmal vollständig als PDF zu finden sein (kein Urheberrecht mehr). Artikel werden jedoch im Falle von jüngeren Werken (<25 Jahre) entfernt, sollte jemand – mit rechtlichem Anspruch auf eine Entfernung – dies wünschen.