bookmark_border3.5.1.3-10 Ausmass der Komplexität

Dieser Artikel versucht auszumessen, ob mit dem Weltanschauungsprinzip ein Schematismus am einzelnen Menschen möglich sein könnte (‘nein’).

24 Kategorien

Rudolf Steiner spricht von 23 Weltanschauungen: 12 eigentlichen Weltanschauungen, 7 Visibilitätsstufen, 3 Seelentönen und 1 Anthropomorphismus. 7+3=10, +1=11, +12=23. Die Gesamtheit dieser Teile ist aber mehr als nur deren Summe. Und so zählen wir noch einmal +1 dazu, für das “Weltanschauungsprinzip” (WAP), die grosse Überkategorie. Damit sind wir bei 24 Kategorien (wobei eine davon, WAP, nun kategorisch auf einer anderen Ebene liegt als alle anderen). Und wenn wir die vier Hauptkategorien (Weltanschauungen, Visibilitätsstufen, Seelentöne, Anthropomorphismus) dazuzählen, die – abgesehen vom Anthropomorphismus – jeweils auch wieder mehr als die Summe ihrer Teile sind, so sind wir bei 27 (oder 28) Kategorien. Die Eigenschaften der vier Hauptkategorien fassen wir jedoch unter die Überkategorie Weltanschauungsprinzip und verbleiben damit bei 24 Kategorien, die zu studieren sind. Als Übersicht sieht dies wie folgt aus:

Kombinationen

Meine Hypothese ist, dass die Beschäftigung mit den einzelnen 12 eigentlichen Weltanschauungen so viel Arbeit beansprucht, wie alles andere Einzelne unter dem WAP (d.h. die anderen 11) zusammengenommen. Sind die einzelnen Teile des WAP einmal studiert, beginnt eine viel kompliziertere Arbeit, nämlich die Kombinationen der vier Hauptkategorien (12*7*3*1=252 Kombinationen, wobei der Anthropomorphismus stufenlos, von ‘fast nicht vorhanden’ bis ‘sehr stark vorhanden’, sein kann). Rein mathematisch betrachtet gibt uns nur schon die Stufenlosigkeit des Anthropomorphismus unendlich viele mögliche Kategorien, weil die Stufen in der Stufenlosigkeit unendlich fein abgestuft werden können, bis sie nicht mehr als Stufen wahrnehmbar sind.

Primäre und sekundäre Weltanschauung (hypothetisch)

Die Komplexität hört hier aber nicht auf. Denn es scheint in der Praxis bei einzelnen Menschen oftmals mehr als eine einzelne Kombination zu geben. Bei Kant z.B. scheint mir die primäre Kombination “transzendentalistischer Rationalismus” zu sein, und die sekundäre Kombination ein “empiristischer Sensualismus”, wobei die sekundäre weniger tatsächlich vertreten wird, als dass sie die Aufgabe hat, die primäre zu untermauern (bei Kant z.B.: der Verstand denkt und die Sinnlichkeit nimmt das Äussere wahr, dadurch ergänzen sich die beiden und Erkenntnis wird möglich). Die Seelentöne lasse ich bei Kant weg, da ich mir bei Kant um diese nicht sicher bin. Diese weitere Kombination multipliziert nun aber nicht einfach die 252 Kombinationen um x2, nur weil nun zwei solche Kombinationen gleichzeitig in einem Menschen vorhanden sein können. Die verbleibenden möglichen Kombinationen für die sekundäre betragen 11*6*3 (der Seelenton kann derselbe bleiben, aber Weltanschauung WA und Visibilitätsstufe VS müssen andere sein, als bei der primären Kombination, folglich 12->11 und 7->6). Es multipliziert nicht einfach nur mit etwas weniger als x2, weil es nicht eine einzige primäre der 252 Kombinationen ist, die mit einer der anderen sekundären, unter nur noch 11*6*3=198 Kombinationen, einhergehen kann, sondern jede der primären 252 mit jeder der sekundär verbleibenden, noch möglichen 198. D.h. die möglichen Kombinationen sind im Falle von zwei gleichzeitigen Kombinationen 252*198=49’896.

Ob es bei zwei gleichzeitig möglichen Kombinationen aufhört, oder ob es drei oder vier gleichzeitig auftreten können, weiss ich aber nicht.

Weltanschauungsreise

Die Komplexität hört aber noch immer nicht auf. Denn wer nun denkt, dass mit dem Schematisieren des Obigen irgendwas erreicht würde, sollte es denn überhaupt möglich sein, der wird wohl annehmen, dass nun die Bücher eines grossen Denkers studiert werden können, und die Kombinationen liessen sich zumindest theoretisch erschliessen. Hier kommt aber etwas Weiteres hinzu, nämlich die ‘Weltanschauungsreise’ eines jeden genügend alt werdenden Menschen. Rudolf Steiner zeigte eine solche Reise am Beispiel des Friedrich Nietzsche, der über die Jahrzehnte seines Lebens vom ‘mystizistischen Idealismus’, zum ’empirizistischen Rationalismus’, zum ‘voluntaristischen Dynamismus’ gereist ist. Das heisst, es muss nun auch identifiziert werden, in welchem Lebensabschnitt genau ein Werk geschrieben wurde, und ob die Veröffentlichung mit dem Zeitabschnitt, als es geschrieben wurde, übereinstimmt (siehe z.B. Nietzsches Schrift gegen Wagner, mit dem Titel “Der Fall Wagner”, deren Inhalt nach Steiner offenbar während oder oder um die Zeit der früheren, lobenden Werke über Wagner geschrieben wurde). Daraus folgt, dass eine treffende Zuweisung an die Kombinationen eine intensive, einfühlsame Biographiearbeit erfordert, wodurch auch entsprechend Belege und Schriften vorhanden sein müssen.

So finden sich bei einem älter gewordenen Menschen drei weitere Kombinationen, weil diese Reisen durch drei Kombinationen gemacht werden. Für die folgende Überlegung lasse ich die Seelentöne heraus, da ich nicht weiss, nach welchen Regeln sich die DST auf der Weltanschauungsreise in einem einzelnen Leben ändern. Wenn die erste WA-VS-Kombination im Leben eines einzelnen Menschen eins in 12*7=84 beträgt, dann schliessen sich eine WA und eine VS für die darauf folgende Kombination aus, also eins in 11*6=66, und für die dritte eins in 10*5=50. So haben wir 84*66*50 mögliche Kombinationen, also 277’200 Möglichkeiten, und dabei werden die Seelentöne, unendliche Anthropomorphismusabstufungen und gleichzeitig auftretende Kombinationen weggelassen.

Der äussere Einfluss

Weiter besteht die Möglichkeit, dass Menschen durch die Umstände, die um sie herum vorherrschen, nicht die Werkzeuge finden, ihre eigentliche Weltanschauungskombination, oder nur schon Weltanschauung, zu finden und auszubauen. Selbst wenn also alle obigen Kombinationen überschaut werden könnten, kann es sein, dass der Mensch nur äussere Eindrücke kopiert, und die eigene Weltanschauung gar nicht umsetzen kann. So kann ein Mensch eine bestimmte Kombination in sich tragen, aber diese Kombination ist ihm womöglich versteckt.

Daraus schliessen wir…

… dass es keinen Sinn hat, vom Schema der Weltanschauungen ausgehend den einzelnen Menschen anzuschauen. Die Komplexität der Möglichkeiten des Schemas des Weltanschauungsprinzips ist in der Praxis viel zu gewaltig, um von diesem aus für den einzelnen zuverlässig wahre Schlüsse ziehen zu können. Was ist dann aber der Nutzen des Schemas?

Der Nutzen des Weltanschauungsprinzips ist, das Beobachtete ordnen zu können. Daraus werden sich unter den Menschen mit der Zeit Tendenzen zeigen, die häufiger sind als andere, und vielleicht lässt sich von da aus ideell auf den einzelnen schliessen, sofern dies überhaupt das Ziel ist.

Das Weltanschauungsprinzip hat einen realistischen Zweck. Es ist über einem da, es ist eine Struktur, auf die immer zurückgegriffen werden kann, um die Gedankengänge bestimmter Denker besser erschliessen zu können. Es gruppiert Persönlichkeiten in sinnvoller Weise, und es lässt dadurch ein fokussiertes Studium bestimmter Weltanschauungsrichtungen zu. Es dient durch seine mögliche Komplexität jedoch nicht als Ausgangslage, um das Reale ordnen zu können.

Das Reale muss bei der praktischen Anwendung des Weltanschauungsprinzips die Ausgangslage sein, und so ist es das Reale, das sich in der Folge in das Schema – das Ideale – einfügen lässt. Nicht aber das Ideale in das Reale.

@12weltanschauungen

bookmark_borderGlauben-, Wissen- und Wollenschaft

(Beitragsbild von https://eurythmie-form.blogspot.com/2009/04/eurythmie-wollen-denken-fuhlen.html?m=1)

In der Anthroposophie (und auch andernorts) findet sich die Kategorisierung der drei Seelentätigkeiten (auch Seelenkräfte genannt): Denken, Fühlen und Wollen. Mit folgendem Artikel versuche ich, diese drei Seelentätigkeiten äusseren Strömungen generellen, reinen, menschlichen Interessen zuzuteilen:

  • Wissenschaft (Denken)
  • Glaubenschaft (Fühlen)
  • Wollenschaft (Wollen)

Die Abtrennung von der Wissenschaft

Obige Gruppierung kann weiter aufgebrochen werden, z.B. kann die Wissenschaft in Materiewissenschaft, in Lebenswissenschaft, in Logikwissenschaft usw aufgeteilt werden.

Die Glaubenschaft kann in Gottesglaubenschaft, in Geistesglaubenschaft geteilt werden, verschiedenste philosophische und theologisch-religiöse Strömungen zur Frage, was das ‘Erste’ war und das Gute ist, tummeln sich hier. So würde ich auch die Ethik hier platzieren.

Und schliesslich kann die Wollenschaft in die Ästhetikwollenschaft (Künstewollenschaften), die Rechtewollenschaft (z.B. gleiche Rechte für alle, oder Rechteausgleich für Schwächere), die Rechtswollenschaft (Jura) usw geteilt werden.

Was in den Wissenschaften geschieht, ist weitgehend bekannt. Es wird studiert, experimentiert, analysiert und nachgedacht. Da muss durchaus ein Wille vorhanden sein, um ein kompliziertes Experiment aufzubauen, und es muss mit Feingefühl ausgemittelt werden, wo das Wahre liegen könnte – aber weder der Wille noch das Fühlen steht bei den denkerischen Wissenschaften im Zentrum.

Die Wollenschaft

Bei der Betrachtung einer politische Bewegung, die eine bestimmte soziale Veränderung bewirken möchte, kann gefunden werden, dass zur Rechtfertigung der Anliegen zwar allerlei Daten und Studien verwendet werden, aber im Zentrum steht dann nicht das Verlangen, die Welt tatsächlich zu verstehen, sondern die Welt zu verändern, wodurch nicht eine Wissenschaft, sondern eine Wollenschaft am Wirken ist. Dies sehe ich z.B. bei Umweltthemen, bei Fragen um soziale Gerechtigkeit, beim Tierschutz, kurz, bei allen möglichen ethisch-moralischen Fragen. Dort sind schlichte Datensätze nicht ein Wissen, sondern ein Argument, da bei Daten ‘Rosinenpickerei’ betrieben werden kann (d.h. es werden nur Daten berücksichtigt, die dem Argument helfen, wodurch das Argument eindeutiger zu sein scheint, als die Gesamtheit an Daten suggerieren mag). Diese wichtigen, ethischen Fragen sollen keineswegs in Abrede gestellt werden, aber sie sollen mit Klarheit von denjenigen Absichten abgegrenzt werden, die sich rein auf Beobachtungen und Wissensbereicherung beschränken, und die bewusst versuchen, sich eines jeden Urteils über ‘gewünscht’ und ‘ungewünscht’ zu enthalten.

Das Vermischen ist hier deswegen problematisch, weil sich die Merhoden zu sehr unterscheiden. So schadet es der Wissenschaft aus offensichtlichen Gründen, wenn beim Urteil begonnen wird, und alles Folgende jenem Urteil unterworfen wird. Und es schadet der Wollenschaft, sich wissenschaftlich zu geben, weil sie als Wissenschaft moralische Neutralität schauspielern muss, und dann durch das verfrühte Urteil notwendigerweise die Fakten und die Schlüsse so verkehrt, dass es scheint, als wären die Schlüsse notwendig aus den Fakten entstanden. So wird die Wollenschaft eine Art Lüge auftischen, ob sie will oder nicht, weil sie in Wahrheit bei den Schlüssen begonnen hat, und dann die Fakten dazu sammelte. Die Fakten können aus einer Notwendigkeit wollenschaftlicher Methodik nur mit den Anfangsschlüssen übereinstimmen. Wenn die Wollenschaft sich aber als Wollenschaft zeigt, muss sie sich nicht verkrümmen, und sie gewinnt besonders in den Augen der Wissenschaftler an Authentizität (Glaubwürdigkeit).

Die Glaubenschaft

Ähnlich kann z.B. dafür argumentiert werden, die glaubenschaftliche Theologie bewusst von den Wissenschaften abzugrenzen. Es gibt zwar bedeutendes empiristisches Tun bei den Theologen, wo z.B. sehr präzise dokumentiert wird, welche Gebäude, Persönlichkeiten und Ideen wann und wo aufgekommen sind, wie sich wandelten und wie sie manchmal verkümmerten. Aber die Grundsätze der Theologie, und die Schlüsse die aus ihr kommen, haben nicht Gedanken (oder einen inneren Willen) als Quelle, sondern ein gesundes Gefühl. Die Gedanken formen sich aus diesem Gefühl, aber sie sind nicht der Ursprung der theologischen und kirchlichen Künste und Inhalte.

Es findet sich bei den Theologen und bei den politischen Aktivisten eine Ähnlichkeit, weil beide ein Gefühl dafür haben, was wahr ist, und weil beide einen Willen haben, danach zu handeln. Die einen riskieren die eigene Sicherheit zum Protest gegen bestimmte Verhältnisse, die anderen opfern Zeit und Energie um grosse Bauwerke zu errichten. Zentral ist aber, was für den jeweiligen Menschen im Mittelpunkt steht. Für den Religiösen ist es nicht das Bauen, sondern das Vertrauen und die Hingabe in Gott, und die Bauwerke sind ein Ausdruck des Glaubens. Für den Aktivisten ist weniger eine bestimmte Ungerechtigkeit der Ausgangspunkt, und mehr der Wille eine Bereitschaft zu zeigen, sich für andere einzusetzen. Für welches politische Anliegen hierbei Zeichen gesetzt werden, ist aus dem Grund nicht zentral, weil die Anliegen austauschbar sind (es kann genausogut gegen Kernkraftwerke, Krieg, Formen von Intoleranz, oder sehr konkrete Dinge wie Pelzmäntel oder Krokodillederschuhe und dergleichen, protestiert werden).

Wenn mit der Wollenschaft und mit der Glaubenschaft übertrieben wird, passt folgende Analogie:

Mein Smartphone ist meine Bibel. Mein Podcast ist mein Gottesdienst. Mein Professor ist mein Priester. Mein Slogan ist meine Hymne. Meine Partei ist meine Kirche. Meine Revolution ist meine Inquisition. Meine Ideologie ist meine Religion. – der Aktivist

@DWA_KPT auf Twitter

Denken, Fühlen und Wollen

Diese drei hauptsächlichen Seelenkräfte sind zu unterscheiden, weil das Zusammenmengen der drei sich schädlich auswirken kann. So muss z.B. verhindert werden, dass der Wille direkt auf das Gefühl folgt und davon nicht unterschieden werden kann, weil der Mensch ansonsten sehr impulsiv wird, und bei jeder wahrgenommenen Ungerechtigkeit sogleich zur Tat schreitet, wenn es zu einer jeweiligen Situation vielleicht noch viel mehr zu verstehen gäbe.

Ist der Gedanke eng mit dem Gefühl verbunden, so verschmilzt der Mensch zu sehr mit den Inhalten vor ihm, und er denkt vor allem auf einer emotionalen Ebene und es fällt ihm schwer, sachlich und nüchtern zu sein. Ist der Gedanke schliesslich mit dem Willen verknotet, so wird der Mensch Mühe haben, sich von seiner Umwelt abzugrenzen, und sein Denken wird sich immerzu äusseren Umständen fügen, was es schwer macht, über sich selbst zu lernen.

Generell sind alle drei stärker oder schwächer mieinander verknotet. Das heisst, es ist weniger so, dass sich eines von den beiden anderen sauber abtrennt, während die beiden anderen verschmolzen bleiben.

Was häufiger ist, ist das Herausstehen einer der drei Kräfte relativ zu den anderen beiden. Dass also z.B. der Wille überbetont wird, und der Mensch fast zu einem Willenstier wird, aber die drei Berührungspunkte einander noch immer gleichmässig überschneiden.

Liegen die Berührungspunkte einander berührend übereinander, so hat man eine ‘assoziative Psyche’. Die Dinge werden in dieser Psyche vermischt. Trennen sie sich auf, gibt es also keine Berührung mehr zwischen ihnen, dann nennt sich dies die ‘dissoziative Psyche’. Die geordnete Dissoziation der drei Kräfte ist eines der Ziele der anthroposophischen Schulung. Geschieht die Dissoziation aber nicht geordnet, kann es zu einer dissoziativen Persönlichkeitsstörung kommen, deren Folgen z.B. psychotische und-oder schizophrene Zustände sein können.

bookmark_borderZu den Adjektiven: Prinzipiell, speziell, universell

Es unterscheiden sich hier 1) prinzipiell für etwas, das über seine bestimmte Aufgabe hinaus (auch notdürftig) verwendet werden könnte, 2) speziell für etwas, dem eine bestimmte Aufgabe zugesteht, und 3) universell für etwas, das für einen ganzen Bereich von Aufgaben immer passende Anwendbarkeit oder gar Notwendigkeit hat.

Sie beziehen sich entweder auf eine Sache in deren Anwendung, z.B. ist ein Brotröster (um den Anglikanismus ‘Toaster’ zu vermeiden) speziell für Röstbrot (Toastbrot), und universell für alle Röstbrotarten, zu verwenden, aber nicht prinzipiell für Brot, weil es bereits hartes Brot gibt, das durch das Rösten zu sehr verhärtet und ungeniessbar wird, und erst recht nicht universell fürs Rösten.

Oder die drei Adjektive beziehen sich dann auf Dinge, wie die Dinge mit allem anderen verglichen werden können. So ist der Brotröster speziell ein Gerät zum Zubereiten von Frühstücksröstbrot, er könnte aber prinzipiell zu jeder Mahlzeit, auch für Mitternachstsnaschereien, zum Röstbrotrösten verwendet werden. Seine Nützlichkeit ist allerdings zu sehr beschränkt, um etwa als Universalanwendung im Haushalt gesehen werden zu können, wie etwa Stoizismus oder Stossgebete – ein Status, der nicht einmal von Panzertape oder Sekundenkleber erreicht wird. Was universell an jeder Mahlzeit beteiligt ist, ist allein der Magen. Wäre der Brotröster für jede Mahlzeit unverzichtbar notwendig, so würde er universell für alle Mahlzeiten verwendet werden. Da dies nicht seine Aufgabe ist, könnte er speziell hierfür aber, zumindest für den Röstbrotliebhaber, wie gesagt, prinzipiell immer verwendet werden.

bookmark_borderDie dutzend Weltanschauungen in der Mikroarkatur

Im Artikel “Die dutzend Weltarkaden in der Makroarkatur” wird in verkürzter Form gezeigt, wie die zwölf Tierkreiszeichen Teil einer Makroarkatur sind, wie sie von da die Welt, die Menschheit, und damit jeden Menschen bescheinen, und wie ihre Impulse durch den Menschen zu Weltanschauungen werden.

Der folgende Artikel geht vom Makrokosmos zum Mikrokosmos, und versucht hier, eine Analogie zu erarbeiten. Das heisst, das Kosmische soll den Funktionen und Systemen des Menschen zugeteilt werden, was die Aufgabe eine spiritualistische macht. Allerdings habe ich mangels Wissen in Biologie hier so viele Fragezeichen, dass ich eine Zuordnung nicht einmal versuche. Der Artikel besteht für das Grundgerüst, wobei die Feinheiten hoffentlich später einmal ausgefüllt werden.

In diesem Artikel findet sich eine ‘inhaltslose Form’. Darin wird eine Kategorisierungsweise gezeigt, ohne die Kategorien tatsächlich ordnen zu können. Dies tue ich im Wissen um meine Faulheit, weil begonnene und nicht abgeschlossene Artikel eines von zwei Schicksalen erwartet: wird der nicht abgeschlossene Artikel veröffentlicht, wird er Monate, vielleicht Jahre später verbessert oder fertiggestellt. Wird der nicht abgeschlossene Artikel aber nicht veröffentlicht, wird er Monate später gelöscht, und die Idee darin ist weg.

Weiter benötigt spiritualistisches Kategorisieren Zeit und Übung. Es verwirrt nur, unklare Kategorien zu erzwingen, und irgendwas hinzuschreiben, in der Hoffnung, dass bessere Ideen von sich aus folgen werden. Der Artikel zu den nicht einfachen Fehlern ist ein solches Beispiel, wo die Kategorien noch immer nicht wirklich Sinn ergeben. Wie mit den meisten Problemen wird aber der Tag kommen, wo sich die Lösung findet.

Im Spiritualismus sind Fragezeichen temporäre Platzhalter, die bald durch wahre Zusammenhänge ersetzt werden, wenn man ihnen nur genügend Zeit und Aufmerksamkeit schenkt. Ideen müssen im Spiritualismus mit Vorsicht ausgelegt, und Fragen dazu geduldig im Raum stehen gelassen werden, und das Wahre dahinter erschliesst sich nach und nach ohne bewusstes Zutun, bis es auf einmal erkannt werden kann. Man erschafft keine wahren spiritualistischen Kategorien, sondern das Bedürfnis danach. Die Kategorien erbauen sich dann selber, und folgen einem. Den Kategorien, die man benötigt, werden im Geistigen Form gegeben, bis sie sich einem auf einmal zeigen.

Der Mensch verkörpert das WAP

Eine Makroarkade ist der Ursprung eines bestimmten, mit unserer Welt in bedeutender Weise in Zusammenhang stehenden, kosmischen Impulses. Bevor jener Impuls durch einen Menschen anthropomorphisiert (vermenschlicht) wird, ist er eine ‘Weltarkade’ (unter KTT alternativ ‘Makroarkadenimpuls’, kurz ‘MAI’, der auch Impulse einschliesst, die mit uns und unserer Welt nichts zu tun haben). Der von einem Menschen aufgenommene, und dabei zwingend anthropomorphisierte Impuls, wird zu einem Element einer der dutzend Weltanschauungen. So gibt es für uns sowohl die Weltarkade Idealismus, wie auch die Weltanschauung Idealismus. Der ‘weltarkadische Idealismus’ wirkt auf den Menschen ein, der ‘weltanschauliche Idealismus’ wirkt durch den Menschen hindurch.

Der Mensch ist ein schöpferisches Wesen – was von uns gewusst werden kann, weil der Mensch nach dem Ebenbilde Gottes geschaffen wurde. So ist der Mensch nicht allein passiv aufnehmend gegenüber dem Kosmos. Der Mensch gibt als schöpferisches Wesen selber Impulse an den Kosmos, auch wenn die menschlichen Impulse im Vergleich zu den kosmischen sehr klein sind. Der Mensch ist eine kleine Arkade, eine Mikroarkade, die, wenn es um den Menschen gut steht, ihre Weltanschauung an den Kosmos (der voller Makroarkaden ist) ausschickt. Diese kleine Arkade unterliegt allerlei Voraussetzungen, wie Ich, Körper, Psyche, Sinne, usw, die das Schaffen von Impulsen voraussetzt. Die Voraussetzungen lassen sich in die vier Hauptgruppen des Weltanschauungsprinzips (WAP) einteilen. Es gibt so viele Mikroarkaden wie Menschen auf unserer Welt, aber es gibt unter ihnen nur zwölf Typen von Impulsen: das sind die dutzend Weltanschauungen. Die Menschheit als Ganzes ist die ‘Mikroarkatur‘ (auch wenn es widersinnig ist, etwas so grosses wie die Menschheit ‘mikro’ zu nennen, die Bezeichnung schliesst sich aus dem Vergleich zur Grösse des Kosmos). Analog dazu ist der Kosmos als Ganzes die Makroarkatur (und dessen Impulse ‘Weltarkaden’).

Zuunterst finden sich in dieser Zuteilung zwölf Körperorgane, darüber sieben Systeme des Körpers, wiederum eines höher die drei Glieder eines jeden Menschen, und schliesslich der Mensch als eine einzelne Einheit. Wie genau sich die Teile dieser Gruppen Tierkreiszeichen und Planeten zuordnen lassen, weiss ich nicht. Spiritualistischer Logik aus Makro- und Mikrokosmos folgend, müsste sich hier aber ein Zuordnen erlauben lassen.

Die Dutzend Weltanschauungen als die dutzend Organe

Ob sich die Zwölfteilung in folgender Liste bewahrheitet, ist von mir zu hoffen, aber nicht von mir zu beurteilen. Ich habe leider viel zu wenig Ahnung von Biologie, um hier eine wahre Ordnung finden zu können.

Nr.OrganEWA
?Muskeln?
?Skelett mit Knochenmark?
?Haut und subkutanes Gewebe?
?Verdauungstrakt?
?Leber?
?Geschlechtsorgane?
?Gehirn?
?Lunge?
?Herz?
?Nieren?
?Milz?
?Schilddrüse?
EWA steht für “Einzelne Weltanschauung”.

Die sieben Visibilitätsstufen als sieben Körpersysteme

Es findet sich bestimmt eine weit nützlichere Auflistung als die folgende durch jene, die von menschlicher Biologie weit mehr Ahnung haben. Die erste Bedingung ist, dass es sieben sein müssen.

Nr.KörpersystemEVS
?Herzkreislaufsystem?
?Atmungssystem?
?Endokrinsystem?
?Immunsystem?
?Nervensystem?
?Bewegungssystem?
?Verdauungs- und Stoffwechselsystem?

Die drei Seelentöne als die drei Glieder

Die drei Glieder (links) müssen Theismus, Intuitismus und Naturalismus (rechts) zugeordnet werden können. Da sie die drei ‘Seelentöne‘ heissen, sollte sich anstatt Leib und Geist vielleicht eine dreigeteilte Seele finden (z.B. Empfindungsseele, Verstandesseele und Bewusstseinsseele). Da aber der Mensch als Ganzes das WAP repräsentiert, liegt meiner Meinung nach folgende Auflistung näher.

?Geist?
?Seele?
?Leib?

Der Anthropomorphismus als der ganze Mensch

Nur hier findet sich eine Zuteilung ohne Zweifel.

1.Der einzelne MenschAnthropomorphismus

Es ist zu hoffen, dass sich in diesem Artikel in der Zukunft eine wissens- und wahrheitsbasierte Ergänzung findet.

bookmark_border3.5.2.2-10 Der Beweis durch die Abduktion

Der folgende Artikel wird später wohl in mehrere Artikel aufgeteilt. Er ist im Moment noch sehr chaotisch.

“Die dutzend (klein geschrieben) Weltanschauungen” sind zwölf einzelne Weltanschauungen, “das Dutzend (gross geschrieben) der Weltanschauungen” ist eine einzelne Zwölfheit, so wie bei “die zwölf Weltanschauungen” die Zwölf klein geschrieben ist, während in “die Zwölfheit der Weltanschauungen” die Zwölfheit gross geschrieben wird. Im Folgenden wird aber meistens einfach von “den Weltanschauungen” geschrieben – womit nie etwas anderes als “die dutzend (einzelnen) Weltanschauungen” gemeint ist. 

Ein erstes Problem bei einem solchen universellen Thema wie dem Weltanschauungsprinzip, ist der Anfang des Werkes. Denn ein Weltanschauungsprinzip (“WAP”) soll umfassend sein, es soll allumfassend sein – wie aber soll etwas beginnen, das alles umfassen soll, ohne damit schon zu Beginn fast alles auszulassen? Denn einen Anfang z.B. etwa damit zu machen, wie die Dinge überhaupt begriffen werden, und wo sich im Begreifen beim WAP Grenzen finden, schliesst wohl den Rationalismus ein, aber es schliesst alles andere aus. Oder damit zu beginnen, was das WAP als Idee bedeutet, schliesst wohl den Idealismus ein, aber wieder alles andere aus, usw. Der günstige Anfang wird andernorts betrachtet, hier geht es um das Beweisen, und wie im Kontext des WAP über das Beweisen nachgedacht werden könnte.

Einleitung

Der Anfang erfordert, nicht schon zu Beginn mit verschiedenen Undingen oder Nebensächlichkeiten aufzumarschieren. Es soll aber gültig sein, eine Brücke zu schlagen, wie z.B. hier vom ‘Beginn’ zum ‘Beweis’ eine Brücke geschlagen werden will.

Um also “nicht schon zu Beginn” einer einzelnen WA den Vorzug zu geben; oder das Ende vorweg zu nehmen; oder etwa in den Vordergund zu rücken was keiner im Vordergrund gebrauchen kann; und schliesslich auch nicht eine Tugend als Motivation zu behaupten, wenn jene nichts zum WAP beiträgt, geschieht der Beginn von Kontention womöglich damit, zu beschreiben, was das WAP nicht ist; was das Buch (Kontention) nicht ist; was dieses wie jenes nicht kann; und schliesslich was nicht gekonnt werden will, selbst wenn ein Können vorhanden wäre. So haben wir zu Beginn eine Art Nichtanfang, in dem gezeigt wird, welche Absicht sich nicht findet; in dem hoffentlich keine Weltanschauung ein bedeutenderes Scheinwerferlicht als eine der anderen Weltanschauungen bekommt – denn das WAP soll ein harmonisches Prinzip bleiben (dafür brauchen wir Weltanschauungen die einander nicht beneiden). 

Das WAP ist durch eine einzelne Methode weder beweisbar noch widerlegbar, es kann nicht einmal durch eine einzelne Methode dargestellt werden – und mit dieser einfachen Erkenntnis ist dies auch nicht der Versuch eines Anfangs. Dadurch ist es nicht einfach, einen Vorzug zu vermeiden.

Was somit eine nachvollziehbare Kontention vom Autor verlangt, ist eine Beweglichkeit im Denken, im Nachvollziehen, vielleicht auch im Empfinden, denn es werden verschiedenste Denkarten gebraucht, um verschiedenste Denkarten und Methoden darzustellen (Vielfalt). 

Das Beweisen aus der Scheinwiderlegung

Jede einzelne Weltanschauung hat ihre Grenze, und innerhalb dieser Grenze hat sie ihren Einflussbereich. Was innerhalb der Grenze ist, ist Teil der Weltanschauung, und was ausserhalb von ihr ist, ist nicht Teil von ihr. Die jeweilige Weltanschauung hat ihre eigenen Gesetze innerhalb dieser Grenze, und nach diesen Gesetzen formt sie ihre Methode. Diese Methode folgt den Gesetzen dieser Weltanschauung; und was die Methode beweist, beweist immer auch die Weltanschauung, in der die Methode angewandt wird. Was die Weltanschauung durch ihre Methode zu verstehen und zu beweisen vermag, ist also nichts anderes, als sich selbst. 

Nun ist die Weltanschauung Teil von etwas, denn sie steht nicht alleine. Sie ist ein Teil von den “dutzend Weltanschauungen”, und diese wiederum sind als Zwölfheit ein Teil vom “Weltanschauungsprinzip”. Das Dutzend der Weltanschauungen als Ganzes, ist nicht nur ein Teil des WAP, es repräsentiert alle ‘Organe’ dieses Gebildes. Die anderen (höheren) Teile des WAP sind übergeordnete Prinzipien, im bildlichen Vergleich mit dem menschlichen Körper sind z.B. die sieben Visibilitätsstufen die Stoffwechsel- und Kreislaufsysteme; die drei Seelentöne entsprechen Körper, Seele und Geist, und der Anthropomorphismus schliesslich entspricht dem Menschen als einer individuellen Einheit. Der Mensch ist durchaus ein Ebenbild des WAP (wie eben gezeigt: auch physisch). 

Die gleichzeitige Gültigkeit von Objekt A innerhalb der einen Weltanschauung X (nach den Bedingungen X), und dann dem dazu polaren Objekt B in einer anderen Weltanschauung Y (nach deren Y-Bedingungen), ist im WAP das Aufzeigen der Möglichkeit der Gültigkeit von beidem. Solches Aufzeigen ist als Beweis teils (meist, um ehrlich zu sein) unvermeidlich schwach – so ist es z.B. in der Natur des Spiritualismus, gerade dort nicht zu sein, wo hingeschaut wird, während bei der Polarität des Spiritualismus hingegen, dem Materialismus, von allen Weltanschauungen am einfachsten durch direkten Fokus Beweise erlangt werden (sonst wären die beiden nicht Polaritäten zueinander), da er die unmittelbare, auf ihn direkt ausgerichtete Aufmerksamkeit für jede Wahrnehmung gerade erfordert. Da das WAP sechs Polpaare kennt, muss die Darstellung der Polarität (in der Sprache der Logik: die Scheinwiderlegung) sechs mal gezeigt werden. Die Stärke im Argument wird erst ersichtlich, wenn alle Darstellungen durchgeackert wurden, und die Harmonie und Allseitigkeit daraus erkannt werden kann. 

Die sechsfache Scheinwiderlegung wird zum Schluss hin zu einer Art Beweis. 

Die Abduktion

Wir haben drei Modi logischer Sätze. Den abduktiven, den deduktiven und den induktiven. Im Englischen ist die Abduktion eine ‘Entführung’. Für uns ist sie eine bestimmte Art logischen Schliessens.

Irgendwo beginnend, nehmen wir zuerst den induktiven: vom Resultat (der Wirkung der Einzelfälle; in diesem Fall z.B. Eigenschaften einzelner Weltanschauungen) und vom Einzelfall (z.B. von mindestens zwei einzelnen, zueinander polaren Weltanschauungen) wird auf ein Allgemeines (z.B. das Polaritätsgesetz des WAP) geschlossen. 

Der induktive Satz ist häufig beim Realismus zu finden, wo Wirkungen und Resultate beobachtet werden, bis sich eine Regel/ein Muster, also etwasAllgemeines, abzeichnet.

So nehmen wir aus obigem Beispiel durch den induktiven Satz an, dass die Idee der Polaritäten im WAP Gültigkeit hat. Wenn wir genügend sich ergänzende, induktive Sätze haben (genügend Schlüsse aus Einzelfällen), ist dies erlaubt. Weiter haben wir vom Allgemeinen aus, neben dem induktiven Satz, zwei mögliche Sätze, den deduktiven und den abduktiven

Mit dem deduktiven Satz nehmen wir das Allgemeine und das Einzelne, und schliessen damit auf das Resultat, z.B.: das WAP mit dem Polaritätsprinzip ist gültig, der Materialismus mit dessen Eigenschaften ist gültig, folglich hat der Spiritualismus diese und jene Eigenschaften, die polar zum Materialismus sind.

Der deduktive Satz ist meistens beim Idealismus zu finden, wo ein absolutes Gesetz, d.i. ein erdachter oder gefundener, übergeordneter Zusammenhang, geprüft werden will. 

Mit dem abduktiven Satz nehmen wir hingegen das Allgemeine und das Resultat, und schliessen damit auf das Einzelne, z.B.: Das Polaritätsgesetz des WAP ist gültig, der Materialismus hat diese und jene (bewiesenen) Eigenschaften, folglich ist der Spiritualismus mit dessen dazu polaren Eigenschaften gültig. 

Dieser Satz scheint in der Nachvollziehbarkeit seines Schlusses wohl den grössten Sprung zu machen, aber bei genauer Betrachtung folgt er lediglich einer Logik gleich den anderen beiden. Wäre z.B. das Polaritätsgesetz nicht gültig, könnte mit dem Materialismus keine Aussage über den Spiritualismus gemacht werden. 

Wir brauchen den induktiven und den deduktiven Term für den abduktiven Satz; den abduktiven und induktiven Term für den deduktiven Satz; und den abduktiven und den deduktiven Term für den induktiven Satz. Hier haben wir wieder ein Problem damit, wo eigentlich begonnen werden soll. 

Der abduktive Satz ist weniger bekannt, er ist zwischen dem Idealismus und dem Realismus beheimatet, da er das Ideale (das Allgemeine) wie das Reale (das Resultat) für seinen Schluss verwendet. Da uns in diesem Werk vor allem die einzelnen Weltanschauungen beschäftigen, also das Einzelne, ist der abduktive Satz für alles Folgende sehr wichtig.

Noch ergänzend:

  • Resultate sind der Ausgangspunkt des Realismus; zum Allgemeinen arbeitet er sich herauf.
  • Das Allgemeine ist der Ausgangspunkt des Idealismus, der sich dann zu den Resultaten hinunterarbeitet.
  • Das Einzelne ist dazwischen: es ist sowohl nahe am Resultat wie auch beim Allgemeinen. Es bewirkt Resultate, ist selber aber auch aus Anteilen bestehend, und damit ein ‘einzelnes Allgemeines’. Das Einzelne ist die Synthese der Polarität aus Idealismus und Realismus, ja, es ist Synthese aller sechs Polaritätspaare.

Das Nichtbeweisbare

Im WAP gibt es durch einige Weltanschauungen viele Inhalte, die Unbeweisbares zum Kern ihrer Ideen haben. So ist es im WAP notwendig, einige unbeweisbare Annahmen akzeptieren zu können.

Welchen Sinn hat es, nicht Beweisbares zu untersuchen? Es finden sich einige begründete Antworten darauf: Untersuchungen zu nicht Beweisbarem führen erstens zu Gedanken, die die Ideenwelt bereichern, wodurch Gedanken entstehen, die zu Theorien führen, zu denen man sich flussabwärts irgendwann besondere Experimente (mit der Eigenschaft der Beweisbarkeit) überlegen kann. Zweitens – und wohl wichtiger – ist es kein gutes Denken, zu versuchen durch Rationalismen zu begründen, dass nur beim Beweisbaren verblieben werden soll. Das Denken ist frei (oder kann es zumindest sein), und nicht an strenge Kausalität gebunden, wie etwa die physische Welt. Personifiziert man die beiden, so kann man sagen: das Denken und die Physis haben unterschiedliche Qualitäten, und daraus folgend unterschiedliche Notwendigkeiten an Methoden: das eine ist nicht kausal, aber möchte kausal sein, das andere ist immer kausal, ob es nun will oder nicht. Im Denken ist der Irrtum möglich, die Materie an sich kann hingegen keine Fehler machen. Daraus folgend sollte sich das Denken nach der Natur seines eigenen Wesens bewegen, nicht nach der Natur von etwas zu ihm Verschiedenen (wie z.B. eben der Physis), nur weil das von ihm Verschiedene sich mit einer Qualität unterscheidet, die dem Denken fehlt (absolute Kausalität). Ist das Denken in der fehlgeleiteten Absicht nach absoluter Kausalität nicht frei, sind auch dessen Schlüsse dazu, was als Beweisbar gelten darf, unfrei. Der absolut kausale Geist ist ein kleiner Geist, da er in seinem Denken nicht seiner Natur nach bewegen kann. So sind die absolut kausalen Schlüsse der Weltsicht eines kleinen, eingeschlossenen Geistes unterlegen; und es sind daraus folgend kleingeistige Schlüsse. Der Schluss über das Beweisbare, das nur gültig sei, wenn es absoluter Kausalität folgt, ist ein kleingeistiger Schluss, weil er dem Wesen des Denkens widerspricht. Darüber, ob eine Weltanschauung, oder der Inhalt einer Weltanschauung, untersucht werden soll oder nicht, sollte folglich auf keinen Fall deswegen geurteilt werden, allein weil sich in einem bestimmten Moment noch keine Beweisbarkeit abzeichnet. 

Das Beharren auf dem Beweisbaren widerspricht so dem Denken, das ultimativ für Erkenntnis zuständig ist. Das Physische kann durch seine absolute Kausalität zuverlässig bestätigen und neue Fragen aufwerfen, aber es kann von sich aus nichts Neues liefern (es ist universell, d.h. in jedem Zustand der ihm möglich ist, ideenlos) deswegen sollte es in der Erkenntnissuche (besonders ausserhalb des Materialismus) nie mehr als ein Mittel sein. 

Selbst wenn es nie dazu kommt, oder nicht einmal dazu kommen kann, dass sich eine einzige Beweisbarkeit aus einer Weltanschauung bildet – na und? Ist es beweisbar oder  bewiesen, dass nur Beweisbares Gültigkeit hat? Wenn nein (und es ist ein Nein), wodurch ist die Bedingung an Beweisbarkeit entstanden? 

Das Beweisbare ist eine Ausweichstrategie, die für – uns durch alles Wirkliche auferzwungene – Subjektivität kompensieren soll. Es ist ein zu grandiosem Scheitern verurteilter Versuch, das Äussere zu depersonalisieren, es selbstständig zu machen, es vom Menschen unabhängig zu machen. Äussere Erkenntnis, wir sagen: ‘Welterkenntnis’, von Selbsterkenntnis trennen zu wollen, kann nicht gelingen.

Solche allein äussere Wahrheit, die nichts mit mir zu tun haben soll, soll von mir so weit unabhängig sein, dass ich mich nicht mehr in ihr sehen kann, dass ich mich nicht mehr sehen muss. Denn ich will nicht ständig mit meinem kleinen Geist konfrontiert werden – und klein muss ein Geist in solcher Wahrheit sein: er muss klein sein, oder klein gemacht werden, um in einer engen Wahrheit Platz zu haben. Nur sind all die Versuche zu einer vom Menschen abgetrennten Wahrheit dazu verdammt, kleingeistige, einseitige Produkte zu sein, sollte daraus ein Weltbild geformt werden wollen. Das heisst nicht, dass Objektivität unmöglich sei, es ist auch kein Relativismusargument, aber es will gesagt werden, dass die Erkenntnis vom Menschen kommt, und dass der Mensch und das Wesen seines Denkens nicht aus der Gleichung zu entfernen ist. Folglich brauchen wir beim WAP ganz andere Standards für Beweisbarkeit, denn die Schlüsse aus dem WAP sollen nicht kleingeistige sein.

bookmark_border3.5.1.1-10 Axiomatische Fragen

Im Artikel zum ‘Grundaxiom‘ wurde das Weltanschauungsprinzip (WAP) als Ausgangspunkt ausgewählt. Wir haben es hierfür in zwei ‘Zustände’ geteilt: Einen Zustand brauchen wir für den Anfang, den anderen für das Ziel. So haben wir das grundlegende axiomatische Weltanschauungsprinzip (AWP) und das angestrebte teleomatische Weltanschauungsprinzip (TWP, von Telos).

Auch wenn es wie eine offensichtliche Bestimmung scheinen mag, das WAP als Grundaxiom zu verwenden, es finden sich dennoch einige Gedanken dahinter. Als ich den folgenden Artikel vor einigen Wochen schrieb, fehlte mir die Bestimmung des Grundaxioms des WAP noch, und weil der Kern fehlte, blieb eine Veröffentlichung aus. Es gehört sich aber zum Aufbau von Kontention, auch die Gedanken, die zu einer Idee führen, aufzuzeigen. Denn damit ist die Einsicht in den Entstehungsprozess einer Idee möglich.

Wie beginnt ein Anfang?

Der Anfang des eigentlichen Inhaltes (d.h. der Anfang des WAP) beginnt weniger mit der Einleitung, als direkt danach. Den ‘Anfang danach’ machen wir mit der Bestimmung der für das WAP notwendigen Axiome. Diesen ‘Anfang danach’ beginnen wir mit Begriffsbestimmungen.

Axiome sind Sätze, deren Glaubwürdigkeit allgemein zugegeben werden kann. Ein Axiom ist eine Bestimmung ohne Bedingung; man könnte sagen: ein Schluss ohne einen dazu oder darauf führenden Satz. Das Grundaxiom ist ein Ausgangssatz, der keinen zu ihm gehörenden Vordersatz kennt, aber dennoch auf “notwendigerweise weiter zurück gehende Axiome” folgt. Das ‘universelle Grundaxiom’ ist dagegen ein hypothetisches, vermutlich unmögliches Axiom, das kein weiter zurückgehendes Axiom erlaubt.

Mit dem ‘einfachen Axiom’ wird für einen Punkt beschlossen, dass dieser der Anfang ist. Dies entspricht – als vereinfachendes Bild – etwa dem Mathematiker, der Zahlen für Mengen, Grössen, Reihenfolgen etc. bestimmt, wie die Eins für alleinige Dinge, oder die Zwei für Dinge in Paaren, ohne sich dafür rechtfertigen und erklären zu müssen, warum diese Zahl diese Menge und jene Zahl jene Menge beschreiben kann, oder warum diese oder jene Zahl in dieser oder jener Weise auf die andere folgt. Man gibt in der Mathematik den Zahlen eine gewisse Autorität über Mengen und Grössen, ohne begründen oder gar beweisen zu müssen, warum die Zuteilung so oder so geschieht. Das Axiom ist somit die Aussage, die keine Rechtfertigung benötigt. Axiome sind unbewiesene, aber in gutem Denken bewusst ausgestaltete Grundannahmen und -vorstellungen. In Bezug auf Zahlen gibt es übrigens einige Axiomsysteme, die für ihre Zwecke funktionieren.

Auf die Axiome, also auf die Grundsätze, folgen erste Prinzipien. Arbeitet man z.B. mit Computern, so bedeutet das Lernen erster Prinzipien das Lernen über die Grundstruktur eines Betriebssystems, z.B. BIOS, und die darin verwendeten Sprachen. Meistens wird in Schulen nicht über wirklich erste Prinzipien gelehrt (und praktisch nie das Studium damit begonnen), sondern über nützlichste, einfachste und anschaulichste Prinzipien ein mehr Freude machender Anfang versucht. 

Die Transzendenz des Grundaxioms

Das grosse Ziel unter den Axiomen ist “das erste Axiom”: das ist das Axiom der Axiome, der “erste Grund”, oder eben das vorhin erwähnte ‘universelle Grundaxiom’. Ein solcher erster Grund, so muss angenommen werden, ist absolut transzendent (das heisst, immer mindestens eine Stufe über dem Begreifbaren), da mit jedem Ursein wieder die Frage auftaucht, wie denn dieses entstanden sei. Dies ist unser (unser, d.h.: “wir” und “uns” ist hier überall der eine Autor mit den Lesern) erster Satz zu den Axiomen: das ‘erste Axiom’ kann wohl nie in folgeschwere, verständliche Worte gefasst werden (wohl aber in mystizistische, also in Vergleiche und symbolhafte Bilder), ist somit notwendig transzendent. 

Unser zweiter Satz zu den Axiomen besagt: jedes Axiom muss einen Axiomfehler (Begründungsfehler) in sich tragen, um überhaupt ein Axiom sein zu können. Wir sagen also, dass der Axiomfehler nicht nur bei manchen Axiomen (speziell) auftritt, sondern etwas ist, das prinzipiell in die Struktur der Axiome eingebaut ist, und sich nicht vermeiden lässt. 

Der Axiomfehler ist der Fehler, der entsteht, wenn etwas Anfängliches ohne Begründung behauptet wird. Jedes Axiom bräuchte dadurch Axiome direkt davor, um nicht unbegründet zu sein, aber da es keine Axiome mehr sind, wenn sie direkt auf etwas anderes folgen, sondern zu Prämissen werden, müssen wir den immer präsenten Axiomfehler akzeptieren, wenn wir Axiome verwenden. Allerdings gibt es Axiomfehler, die gravierender sind als andere (und hier ist das geringere Übel zu wählen)

WAP und Axiome

Die Logik der Axiome trifft auf alle Weltanschauungen zu – aber praktisch kein Axiom trifft auf alle Weltanschauungen zu (ich weiss zumindest von keinem). So können durch einzelne Weltanschauungen echte axiomatische Sätze gemacht werden.

Wenn wir für das WAP einen Uranfang benötigen, so sagen wir, dass ein solches Vorhaben immer nur Annäherung, aber nie wirklich wahr ist. Unser erstes Axiom betrifft so das erste Axiom: es entzieht sich uns, da es transzendent sein muss, um ein wirklich Erstes zu sein. Und es gibt keine Möglichkeit, ein wahres erstes Axiom zu formulieren, das in den Begriffen auch spezifisch ist, da für jeden Begriff und jeden Gedanken, flussaufwärts irgendwo das unbegründet Angenommene vorhanden ist. Dies verunmöglicht uns nicht die folgende Arbeit an dem WAP, es zwingt uns aber womöglich in eine Vorgehensweise mit einem Unwissen darüber, was die richtige Methode ist (!). 

Das Erste mag für uns für immer transzendent sein, aber für Axiome ist das Transzendente nur bedingt nützlich. Und der Grund dafür ist, dass das Transzendente immer durch grossen Aufwand verdient werden muss. So wie die Mathematik nicht mit der Null arbeiten dürfte, ohne die Null als etwas Transzendentes definieren zu können, darf nicht mit Axiomen gespielt werden, die unzugänglich sind. Dies macht das erste brauchbare Axiom dasjenige der ersten Zugänglichkeit

Methodenfreiheit erlaubendes Grundaxiom

In der Physik findet sich ein Axiom, nach dem ein Erstes und ein Letztes aus derselben Qualität beschaffen sein soll; sie nennt es Materie. Diese Materie ist im Urzustand unendlich stark zusammengedrückt, explodiert dann wie eine Bombe, und nun ist das Universum – ohne Schöpfung.

Hier ist unter anderem der Fehler, dass nicht gewusst werden kann, ob sich die Qualität des Ersten zum Jetzigen nicht bis zur Unkenntlichkeit änderte. Man kann weiter gehen und fragen, ob es nicht ein gravierender Axiomfehler ist, anzunehmen, dass Materie in ihrem ersten Zustand nur schon in vergleichbarer Weise existierte, wie heute, und ob dies allgemein als glaubwürdig zugegeben werden kann. Noch weiter gehend wäre wohl zu urteilen: eine solche Annahme ist unwahrscheinlich; sie ist vermutlich durch eine bestimmte Vorstellungsqualität begründet. Das muss sie nicht unwahr machen, aber es sollte darin Zurückhaltung geübt werden, solcherlei jemals als ‘Stand der Wissenschaft’ zu behaupten. 

Wir können für das WAP nun zweierlei versuchen, und wir müssen uns dabei nicht einmal für das eine oder das andere entscheiden, sondern können beides gleichzeitig wagen. Wir können einerseits nach den Gesetzen des WAP für das Transzendente eine transzendente Sprache gebrauchen (nach dem ‘Methodenspiegel’ A für A und B für B); das ist das Eine. Das Andere ist, dass wir schlichtweg alles, was ausprobiert (und nicht universell behauptet) wird, gelten lassen. Ersteres können wir wohl versuchen, und vielleicht wird es uns gelingen, Zweiteres ist aber bestimmt möglich, und es formt das Fundament des WAP. Der Name des alles-Zulassens ist die “Methodenfreiheit”. 

Methodenfreiheit stellt den Inhalt (das Wissen) über die Form (den Prozess), und es wird der Weg von der Wollenschaft der Moderne (die allein die zur Form passenden Resultate zur Erwägung erlaubt) zu einer tatsächlichen Wissenschaft ermöglicht. Und wenn eine Wissenschaft erst einmal da ist, ist die Liebe zur Wissenschaft (Philosophie) möglich. Und wenn Philosophie erstmals wieder unter den Menschen ist, und nicht mehr nur die Torhüter des Wissens und deren Wissensprodukte (deren Liebe zum Wissen kaum weiter geht als die Liebe zur eigenen Karriere), deren erste Bedingung zu Wissen die Verleugnung der selbstständigen Erkenntnis, und damit die Verleugnung der eigenen Person, ist, dann können sich die Pforten der Weltanschauungen einmal mehr öffnen, und wir haben sperrangelweit offene Arkaden, durch die jeder schreiten kann, egal welche Akademien welche Papierchen ausstellten. Mit den Möglichkeiten des Internet ist ein Wissen ausserhalb finanzierter Geistesarbeit realisierbar. 

Die Methodenfreiheit kommt aus einer anderen Notwendigkeit; das ist die Idee von ‘das Ich als Ausgangspunkt’. Diese der Methodenfreiheit zugrunde liegende Idee ist für jede Annahme, jeden Gedankengang und jede Erkenntnis wichtig. So ist es für die Methodenfreiheit, als die übergeordnete Methode, unter anderen Fragen eine grundlegende Frage, was das ‘Ich’ ist.

Diese Idee ist wichtig für diese Arbeit, denn nach welchem Standard werden hier Schlüsse aufgeführt, akzeptiert und verwendet? Nach dem Urteil davon, was aus der Sicht des Autoren erstens als gesunden Menschenverstand durchgehen kann, was zweitens genügend Glaubwürdigkeit zeigt, und was drittens als erwiesen scheint. 

Dieses Werk ist dadurch eingeschränkt, dass es von einem einzelnen geschrieben ist. So müsste wohl damit begonnen werden, wer der Autor genau ist, was er glaubt, welche Weltanschauung er bevorzugt und wie er denkt, um dadurch einfacher darauf zu kommen, wo hier Fehler geschehen. 

Wir benötigen überall Axiome, und sie bestimmen alles (sofern das Thema/Gebiet einer Logik folgend ist). Ohne Axiome haben wir keine Sprachen, keine logische Schlüsse und Urteile, keine Sinnbildung usw. Alles nicht-Mutwillige, alles Systematische, alles Kulturelle braucht Axiome, ob diese Axiome nun bewusst formuliert werden, oder ob sie uns unbemerkt im Hintergrund vorhanden sind. Axiomfindung für bereits Vorhandenes ist höchster Empirizismus, im Sinne von “schwierigster Empirizismus”, da eine grosse Menge an Denkarten, logischen Folgen und Schlüssen nicht nur gekannt und verstanden, sondern auch als Ganzes überschaut werden muss.

Das WAP entsteht aus unseren Axiomen

[Anmerkung: für das WAP wurde schliesslich der umgekehrte Schluss gezogen, und das WAP bildet nun das erste Axiom.]

Rudolf Steiners 23 Kategorien für das Weltanschauungsprinzip ersparen uns die Überlegung nach dem besten ersten Anfang, denn diese Kategorien liefern uns einen Anfang bereits durch ihre Anordnung: der Anthropomorphismus ist der für uns bereits vorgegebene Anfang. Beim APM stellen sich uns zwei Fragen: erstens: was ist der Mensch (resp. was ist das menschliche Ich) und zweitens, was ist die Natur des Hauptprodukt des Menschen (resp. was ist ‘Sprache’). Sprache ist etwas, das sich nur beim Menschen findet, sie ist sein äusseres Hauptinstrument zur Verwirklichung seiner Weltanschauung. 

Dann fragen wir uns: welches sind die einfachsten Kategorien, nach denen ein jeglichstes Studium geschehen kann, und dies sind die drei Seelentöne: wir können durch Meditation und Selbstreflexion  in uns selbst hineinhorchen, wir können die Welt ausser uns studieren, und wir können uns schliesslich mit grösseren Fragen und Prinzipien beschäftigen. 

Das WAP hat die wunderbare Qualität, dass es (vielleicht nur neben dem Christusprinzip) das einzige absolute Ideelle in der Welt ist, da es auch alles Reelle, sowie alles zwischen den beiden, umfasst. Die Kategorien des WAP sind – wenn zusammengenommen – die einzig absoluten Kategorien, die es gibt. Das heisst, wir können die Welt beschreiben, während wir das WAP beschreiben, und wir beschreiben das WAP nur schon dadurch, dass wir es verwenden. 

Der Anthropomorphismus leitet uns also an, beim Menschen, oder einem Produkt des Menschen (z.B. Sprache, siehe das ‘Wort’ in der Genesis desAlten Testaments), zu beginnen. Auch ist der freie Mensch zu Schöpfung fähig, deren Natur nach Thomas von Aquin das Gute sein muss. Ist der Beginn beim Guten akzeptabel übereinstimmend mit dem Anthropomorphismus? 

Klassische Logik, traditionelle Logik

Die Philosophie verwendet durch die klassische Logik und die traditionelle Logik Anfangssätze als Grundbausteine für alles Schliessen und Denken, das danach folgt. Ein Beispiel dafür ist der “Satz vom Widerspruch”, der besagt, dass ein Ding nicht gleichzeitig P und nicht-P sein kann. Z.B. kann ein Objekt nicht gleichzeitig rot und nicht-rot sein. Ein solcher Satz vom Widerspruch macht im WAP keinen Sinn. Hier hat man z.B. im Sensualismus die nicht klar zuweisbaren Farben um das “Rötliche” herum; oder man hat im Phänomenalismus die Komplementärfarben, die bei längerer Betrachtung aus der ersten Farbe auftauchen, wodurch die Farbe und die ‘Gegenfarbe’ aus dem Gleichen hervorkommen; oder man hat im Realismus ohnehin praktisch nie reine, überall geltende “P”-Zustände, usw. All die Fragen, die mit solchen rationalistischen Sätzen sogleich auftauchen, führen zu tausendfacher, falscher Auswahl. Selbst wenn die Auswahl nicht binär ist (falscher Dualismus), kann die Auswahl noch immer eine falsche sein. Ein Satz vom Widerspruch ist z.B. äusserst nützlich für mathematische und mechanische Probleme und Erklärungen, die durch ihre Aufgabe des Problemelösens notwendigerweise reduktionistischer Logik folgen müssen, er verleitet aber zu auslassenden Urteilen, wenn er auf das Lebendige, das Phänomenale, das Geistige usw angewendet werden soll. Das WAP sagt nicht, dass solche Sätze falsch sind, es sagt, dass sie durchaus wahr sind, aber das WAP gibt ihnen eine klare Grenze in ihrer Gültigkeit. 

Zum Satz vom Widerspruch fand ich auf Wikipedia Folgendes: “Am Satz vom Widerspruch zeigt sich die Unbeweisbarkeit und Unwiderlegbarkeit der Evidenzen besonders deutlich. Jeder Versuch, ihn zu beweisen bzw. zu widerlegen, würde ihn immer schon voraussetzen, weil jede Aussage bzw. jedes Argument ja sich und nicht sein Gegenteil vermitteln soll.”

Eine solche Aussage setzt rationalistisches Denken als die einzig mögliche Denkart voraus. Denn das Beweisen- und Widerlegenwollen ist eine rationalistische Projektion auf alles Nichtrationalistische. Was, wenn etwas auch ohne rationalistisch-logische Beweisbarkeit im Wirklichen wahr ist, oder ohne Widerlegbarkeit unwahr ist? Was, wenn die Gültigkeit einer Sache keiner rationalistischen Sprache bedarf? Was, wenn das binäre schwarz-weiss-Urteilen nicht allein durch eine schwammige Logik abgelöst werden kann, in der das meiste aus Grauzonen besteht (“Fuzzylogik”)? Einseitigkeit ist nicht nur als ein eingeschränktes Eigenes vorhanden, Einseitigkeit schränkt auch alles andere nach sich selbst ein. Auch jede Alternative folgt in der Einseitigkeit der eigenen Logik: als eine Wischi-Waschi-Form davon (!). 

Die Axiome der klassischen Logik sind für das WAP an sich von wenig Nutzen, auch wenn die Sätze für einzelne WA wie den Mathematizismus durchaus selbst axiomatische Gültigkeit haben können (grundlegende Gültigkeit).

Mit einer kleinen Ergänzung kann der Satz vom Widerspruch auch mit dem WAP übereinstimmen, indem wir ihn nämlich den “Satz vom absoluten Widerspruch” nennen. Hier finden sich absolute Zustände, sagen wir: für absolutes Sein (Schöpfergott) und absolutes Nichtsein (restlose Vernichtung) können nicht beide Konzepte gleichzeitig eines sein. Alle nicht-absoluten Zustände dazwischen haben aber kein absolutes Sein, und so sind sie bestimmte Dinge nicht, während sie andere sind. Wenn eine Sache in der realen Welt also sowohl unmöglich absolutes Rot wie auch absolutes Nichtrot, sein kann, ist sie sowohl zu einem Grad rot wie auch zu einem Grad nichtrot, und der “Satz vom absoluten Widerspruch” ist gültig. Da sich in der Mathematik überall absolute (‘idealisierte’) Zustände finden, speziell dort, wo die Mathematik einfacher ist, ist dort der “Satz vom absoluten Widerspruch” gleich dem “Satz vom Widerspruch”. Im WAP an sich, wo sich allerlei Nichtabsolutes findet, muss mit diesem kleinen Zusatz aber eine Unterscheidung gemacht werden, um in den Gedankengängen nicht ungenau, und von da aus falsch, zu werden. Im WAP hat Idealisiertes, Absolutes nur mancherorts Platz. 

12 mögliche Anfangsaxiome

  1. Sein ist positiv. PTM (-> die beste aller Welten) (-> das Sein bedingt einerseits Güte, andererseits Nichtsein) (-> das Sein als Ganzes ist die beste aller Möglichkeiten)
  2. Der Beginn ist das Erste (und geschieht durch und beim Ersten). RAM
  3. Ohne das Erste ist das Zweite nicht. MZM (-> ohne Erstes zu verstehen, wird Zweites nicht verstanden)
  4. Das Erste hat einfachste Essenz. MDM (-> nichts ist schwieriger zu beschreiben, als die einfachste Essenz)
  5. Erst das dem Ersten Ähnliche kann das Erste begreifen. PCM
  6. Das Erste zeigt sich im Sein. PLM
  7. Der Mensch ist dem Ersten ähnlich. STM
  8. Alles (!) vollzieht Wandel (auch erste Prinzipien). DMM
  9. Form und Wesen sind im Sein nicht dasselbe. MLM
  10. Der Mensch hat Teil am vorhandenen Sein. SSM
  11. Vom Vorhandenen lässt sich auf das Ursprüngliche rückschliessen. REM
  12. Zwar lässt sich nur über das Denken über Erste Gründe reflektieren (Rationalismus), aber nur über lebendige Ideen findet sich ein Zugang zu einem hypothetischen Urzustand. ILM

Axiomatische Hierarchie

Wenn wir für das WAP Axiome suchen, was suchen wir dann für die DWA, wenn wir deren Grundsätze definieren möchten? Dort suchen wir “abgeleitete Axiome”. Die grundlegenden Sätze des DWA entstehen aus einer direkten Folge des WAP-Axioms. Da das DWA eine Unterkategorie des WAP ist, steht das DWA-Axiom unter dem WAP-Axiom. 

Formulieren wir im WAP Sätze, die nach dem WAP-Axiom kommen, die aber noch immer bei notwendigen Annahmen sind, so nennen wir diese Annahmen “Prämissen”. Gleiches gilt für Annahmen in den DWA nach den DWA-Axiomen: Annahmen zweiter Stufe sind Prämissen. Prämissen werden für einzelne Gedanken gebraucht, Axiome für die Grundstruktur. 

bookmark_borderDas sprachlose Herz

Welches Schicksal hat das Herz, das ohne eine zum Zeitgeist passende Weltanschauung ist?

Von unten wirken Triebe hinauf zum Herzen, von oben wirken rationale Gründe hinab auf das Herz. Das Herz liegt dazwischen, und was man als Mensch vom Herzen wahrnimmt, hängt erstens davon ab, ob das Herz in der äusseren Welt eine Entsprechung findet, und zweitens, wie stark die Einflüsse von unten und von oben sind. Findet sich in der äusseren Welt nichts, das dem Herzen gleicht, so wird das Herz durch eine zunehmende Anzahl enttäuschender Erlebnisse lernen, schweigen zu müssen, denn es kann keine gesunde Sprache entwickeln, wenn es kein Ohr findet.

Das einsame Herz ist dasjenige, das sich den äusseren Umständen in der Welt anpassen muss, wenn die Umstände nicht passen. Der Kopf wird lange nichts vom Schweigen des Herzens mitbekommen. Und meint der Kopf klug genug zu sein, kann er die unbestimmbaren Schmerzen in der Brust allerlei körperlichen Dingen zuschreiben, und dann sich selbst von den eigenen Begründungen überzeugen.

Passen die äusseren Umstände in der Welt aber, und findet es Wege, sich durch die Sprache hindurch auszudrücken, so wird es stärker und wärmer. Sieht es die eigene Weltanschauung bereits durch andere Menschen (und deren Herzen) in der Welt verkörpert, so kann sich der Mensch “aus dem Herzen sprechen”, und er sieht, wie andere Menschen auch ihm aus dem Herzen sprechen.

Die lebendige Weltanschauung

Lebt ein Mensch in einer für ihn ungünstigen Kultur, in der er seine Weltanschauung um sich herum nicht so weit verkörpert sehen kann, um sich selbst darin erkennen zu können, so mag er von der eigenen Weltanschauung eine falsche Vorstellung bekommen, und sie vielleicht gar bekämpfen. Ist er z.B. ein Spiritualist in einer materialistischen Welt, so denkt er vielleicht, dass diese eine Weltanschauung z.B. vor allem bei alten Menschen zu finden sei, die kurz vor ihrem Ende noch einen echten Glauben, oder die Zeit für ihren Glauben, gefunden haben. Vielleicht denkt ein solcher Scheinmaterialist, diese Spiritualisten würden nur dasitzen und mit ernster Miene in alten Büchern lesen.

Trifft ein solches einsames Herz dann auf einmal ein anderes Herz, das ihm gleicht, das aber nicht schweigend, sondern lebendig ist, das etliche Wege gefunden hat, seiner in Menschen so selten aufblühenden Weltanschauung äussere Formen zu geben, so wird das zuvor in Einsamkeit schweigende Herz zuerst nicht die Worte finden, sich dem anderen gegenüber auszudrücken, denn es wird sich nie eine Sprache angewöhnt haben, mit der es sprechen kann. Der Kopf wird, seiner Aufgabe getreu, nur die Sprache seiner zum Herzen leider unpassenden, äusseren Umgebung kopieren, während das Herz vielleicht über Jahre hindurch schweigend auf einen möglichen Anknüpfungspunkt gewartet hat.

Das lebendige Herz wird im schweigenden wohl kaum etwas sehen können – und das schweigende, wenn es nicht genügend Geduld mit sich hat, wird vielleicht an sich selbst verzweifeln, denn es sieht sich bereits wieder in Einsamkeit gehüllt.

Das sind die Hürden vom Herzen, das ohne eine zum Zeitgeist passende Weltanschauung ist.