Zum Unterschied: Inhärenz und Immanenz

Inhärenz

Inhärenz, aus dem Lateinischen inhaerere (in etwas hängen, an etwas haften), ist die Eigenschaft einer Sache, die zwar nicht Bedingung für ihre Sache, aber schwer wegzudenken ist. Ist z.B. eine Partei ‘inhärent korrupt’, so ist die Korruption der Partei ist nicht deren Aufgabe, Idee oder Strategie, sondern etwas, dem sie sich nicht entledigen kann. Inhärenz ist etwas, das sich z.B. von aussen kommend in einer Sache einnistet, in einer Sache entsteht und anwächst, oder sonstwie scheinbar oder tatsächlich zunehmend zum Wesen einer Sache wird.

Immanenz

Immanenz ist hingegen kein Begriff aus dem Lateinischen. Faber Stapulensis (Geburtsname ‘Jacques Lefèvre d’Étaples’) übersetzt das Altgriechische περιχώρησις (perikhōrēsis, Griechisch aus peri, also um etwas herum; und chorea, d. h. schwingen; zusammen: rotation) mit invicem immanentia (invicem beiderseits, einander, umgekehrt; in manera, verbleiben in) als die Eigenschaft einer Sache, die nicht über ihre Sache hinaus kann. Für das Weltanschauungsprinzip ist ein solches Verständnis jedoch eine verpasste Möglichkeit, einen notwendigen Begriff für den Monadismus zu nutzen. Der Monadismus vertritt eine Denkweise die unserer angewohnten mathematizistischen schwer zugänglich ist. Im Monadismus sind die Grenzen vom einen zum anderen nicht nur nicht klar, es macht darin überhaupt keinen Sinn von Grenzen und Abständen und dergleichen zu sprechen. Das innere Wesen der Dinge ist überall vom einen Ding zum anderen überlappend, teilhaft, ähnlich und unähnlich, und selbst im Gegensatz Teil voneinander. Die Immanenz einer Monade ist ausserhalb aristotelischer Kategorien wie Proprium oder Akzidens, dessen Kategorien wie Körper voneinander verschieden sein müssen, solche Immanenz ist gleichzeitig Proprium und sie ist es nicht.

Immanenz kann vielleicht am einfachsten wie auch genausten mit der Perichorese (vom Verb perichorein, herumgehen, durchwandern, durchdringen sowie auf jemanden übergehen) der göttlichen Trinität erklärt werden: Vater, Sohn und Heiliger Geist sind sowohl eine jeweilige Identität, wie auch gegenseitige Durchdringung (Einheit ohne Verschmelzung). Das eine ist dem anderen in christlich-dogmatischem Sinne immanent, wenn 1) das eine gleichzeitig im anderen, 2) das andere im einen, und 3) jedes sich selbst ist. Mathematische 1+1 Logik, in der Inhalte wie Gegenstände behandelt werden, reicht nicht an die Eigenschaften von Monaden heran. Im Physischen mag ein Gegenstand räumlich seinen Platz haben, den er niemals mit einem anderen gleichzeitig teilen kann während er sich selbst bleibt – im Monadismus haben solche Räume keinen Sinn, da keine Realität. Geistige Kategorien bedingen einen Betrachter, und sind mit dessen Wahrnehmung und Wesen eng verknüpft. Der Monadismus, der Spiritualismus und der Pneumatismus haben durchaus Kategorien, aber sie sind beweglicher als die, die wir für gewöhnlich kennen.

Der Begriff benötigt noch mehr Vertiefung, die mit der Arbeit am Monadismus automatisch geschehen wird.

Für den Rationalisten Kant ist die Immanenz ein Begriff der sich aus der Theologie entnehmen lässt, in der das sonst transzendente Göttliche eine zugängliche Form findet (z.B. in der Physis, oder etwa durch Christus) – eine ‘immanente Form’, die vom Menschen erkannt und verstanden werden kann. Kant zieht das Immanente dadurch in die Welt des Bewusstseins: zugänglich (immanent) und nicht-zugänglich (transzendent). Er macht einen monadistischen Begriff rationalistisch.

Der Unterschied aus Inhärenz und Immanenz sollte dadurch offensichtlich sein: die beiden haben nicht vieles gemeinsam.