Kategorien sozialer Dreigliederung

Jeder Kulturmensch ist von drei Arten sozialer Strukturen umgeben:

  • 1) Familie/Beziehung (private Struktur wenn ‘gut’)
  • 2) Gemeinde/Staat (politische Struktur wenn ‘gut’)
  • 3) Freunde/Bekannte/Kollegen (manchmal Teil einer partisanen Struktur, nie ganz privat und nie ganz politisch).

Der Staat wiederum besteht aus dreierlei: dem Geistesleben, dem Rechtsleben und dem Wirtschaftsleben.

Anmerkung: meine Beschäftigung mit der anthroposophischen ‘Dreigliederung des sozialen Organismus’ ist bisher nur oberflächlich geschehen. Dieser Artikel ist in diesem Sinne möglicherweise grundfalsch.

GeisteslebenRechtslebenWirtschaftsleben
BildungsstätteBürokrativeLehrhaus
KunststätteExekutiveMarkthaus
ReligionsstätteJudikativeSpendenhaus
SinnstiftungsstätteLegislativeZunftshaus

Geistesleben

Bildungsstätte, Kunststätte, Religionsstätte, Sinnstiftungsstätte.

Im Geistesleben wird das Schöne geschaffen, ausgeformt und gepflegt. Hier muss nichts gewonnen und bewiesen werden wie im Wirtschaftsleben, und es gibt auch keinen verpflichtenden Zustand wie im Rechtsleben. Das Geistesleben ist der Ort wo der Mensch eine (beschränkte) Freiheit aus- und erleben kann. Die Sinnstiftungsstätte ist der Ort wo Erzählungen, Symbole und Riten entwickelt, weitergegeben und untersucht werden.

Rechtsleben

Bürokrative, Exekutive, Judikative, Legislative.

Im Rechtsleben muss die gesamte Gesellschaft, das heisst jeder vollmündige Bürger, teilnehmen, hier geschieht ‘Politik’ im wahren Sinne des Wortes; hier gilt die Stimme von jedem gleich viel. Es darf keine ‘Politiker’ geben, der Begriff ist ein Oxymoron (Widerspruch in sich – ausser es ist damit die gesamte Bürgerschaft gemeint). Es wird nicht durch rhetorische Wettkämpfe eine Repräsentation gewählt, es gibt keine politische Karriere, es gibt keine Macht. Jeder Bürger wird per Zufallslosverfahren zwischendurch dazu aufgerufen, am politischen Geschehen teilzunehmen, physisch präsent zu sein, um sich da sachlich und gründlich mit den ihm vorgelegten Themen zu beschäftigen und unter Erwägung aller Konsequenzen verbindliche Entscheidungen zu formulieren.

Das mag alles sehr nett klingen, aber es gibt nichts Schwierigeres für eine Gesellschaft, als eine hohe Politisierungsrate unter den Bürgern zu erreichen. Selbst die ‘besten’ Demokratien (Skandinavien, Schweiz) der gegenwärtigen Welt erreichen keine zweistelligen Prozentsatz, und die alten Griechen, so wird geschätzt, erreichten teilweise gut über 80%. Eine solche Rate ist eine gewaltige, ja fast unmögliche Herausforderung an ein Bildungssystem, gleichzeitig muss aber gesagt werden, dass es damals geschafft wurde. Die grosse Frage ist wie.

Wirschaftsleben

Lehrhaus, Markthaus, Spendenhaus, Zunftshaus.

Die Brüderlichkeit die hier notwendig sein soll, bezieht sich vielleicht nicht auf ein aufopferndes Teilen, sondern bis zu einer bestimmten Grenze auch gesunden Wettbewerb. Kain und Abel waren Brüder, aber eine solche Art von ‘Brüderlichkeit’ sollte hier wohl vermieden werden.

Symbolische Kategorisierung

GeisteslebenFreiheit – Stoffwechselsystem – franz. Flagge blau

RechtslebenGleichheit – Rhythmisches System – franz. Flagge weiss

WirtschaftslebenBrüderlichkeit – Nerven-Sinnesssystem – franz. Flagge rot

Gesellschaftsform

In diesem Artikel wird kurz berührt nach welcher Art wir unsere moderne, westliche Gesellschaft aufgebaut sehen, warum sie anders ist als wir meinen, und welche anderen Möglichkeiten es gibt.

Eine funktionierende Gesellschaft aufzubauen ist nicht einfach, und je grösser sie sein soll, desto schwieriger ist es. Kann aber mit einer vorhandenen Infrastruktur gearbeitet werden, so erleichtert es die Aufgabe etwas. Haben die Menschen bereits Erfahrung darin, kooperativ zu leben, ist die Aufgabe weiter erleichtert. Kann man sich auf alte, sorgfältig formulierte Dokumente berufen, die dabei helfen einfache Fehler in der Zusammensetzung und Entwicklung der Gesellschaft zu vermeiden, die davon berichten, welche Folgen aus welchen Fehlern entstanden, so ist die Aufgabe noch einmal etwas einfacher.

Kultur und Natur

Von all den Menschen auf dem Planeten ist eine grosse Mehrheit ‘Kulturmensch’. Wir können mehrheitlich lesen und schreiben, nutzen Strassen und Gefährte, sind Angestellte für Gegenleistungen, tauschen Güter nach einem Standard, usw. Der ‘Naturmensch’ hingegen ist fast ausgestorben, oder besser: ist am schlafen. Wir sind von Natur aus Naturmenschen, aber manchmal überdecken wir ihn mit dem Kulturmenschen. Mit Naturmenschen sind hierbei nicht Hippies, Selbstversorger, jene Verarmten mit schlechter Infrastruktur oder dergleichen gemeint, sondern Menschen die z.B. aus tausenden Pflanzen die Giftigkeit kennen, ohne jemals ein Wort gelesen oder ein Buch aufgeschlagen zu haben.

Die Menschheit hat als Ganzes grundlegende Kulturbedingungen erfüllt. Jedes Land kennt mindestens ein Schriftsystem, mindestens ein Wertesystem, ein Rechtssystem usw. In jedem Land der Welt gibt es Museen, Grundbildung und Steuern. In manchen Ländern sind die Menschen gerade gebildet genug um Propagandaplakate oder -artikel lesen und verstehen zu können. Aber auch das reicht schon als Grundlage, denn auch Propaganda hat einen gewissen ordnenden Nutzen.

Unzählige Gesellschaftssysteme sind schon ausprobiert worden, manche mit mehr, andere mit weniger Erfolg. Manche scheiterten durch ungünstige Umstände, manche durch strukturelle innere Schwächen. Von den meisten ist nichts in die Gegenwart hinein überliefert. Was wir uns für die Gegenwart vorstellen können, ist stark davon beeinflusst, was wir in der Gegenwart vor uns haben. Es gibt viel mehr Mögliches als das, was direkt vor unserer Nase liegt.

Was wir meinen zu wollen: die Säkulargesellschaft

Oder auch: “was wir (im kollektiven Westen und tendentiell) fälschlicherweise meinen zu haben”. Wir sind nicht säkular (Staat und Kirche trennend), wir sind eher ‘anti-Vergangenes’. Die neue Kirche heisst Szientizismus (Wissenschaftsglaube), so widersprüchlich dies auch zu sein scheint. Der moderne Staat nimmt mehrheitlich von da seine Ideologien. Das Aggregat all der szientizistischen und pseudowissenschaftlichen Ideologien dient als Ersatzreligion.

Wir leben mit haufenweise neuen Werkzeugen und Einrichtungen, und meinen erstmals Grenzen überschritten zu haben, von denen all unsere Vorfahren nur träumen konnten. Wir schreiben den gewonnenen materiellen Komfort unserer Wissenschaftlichkeit zu und grenzen ihn ab von unseren frommen Vorfahren. Die Fortschritte sind materiell; wir meinen aber, dass sie auch uns als Menschen betreffen; wir meinen, wir selber seien in gewisser Weise besser als unsere Ahnen; wir meinen von Glauben und Mythos befreit zu sein, und der ‘Beweis’ dafür ist unser Wohlstand. Wir wollen fortschrittlich sein, und so wollen wir z.B. unsere Ethik so weit fortschreiten sehen, wie wir all unsere Elektrospielzeuge und dergleichen fortschreiten sehen.

Die Realität ist jedoch nüchterner. Wir haben zwar unzählige neuartige Materialien, Technologien, ganze virtuelle Welten, eine unüberschaubare Komplexität usw. Was wir jedoch nicht haben, ist eine ‘neue Psyche’. Unsere Psyche ist vermutlich diesselbe wie vor 2000, 3000, 4000 Jahren. Das Menschheitsgeschlecht gibt es schon sehr lange, und grossflächige Änderungen geschehen in ihm sehr langsam. Die neue Weltlichkeit gibt uns auch nicht eine bessere Ethik, Ästhetik, Wertesysteme etc, nur weil der Mythosglaube ausgeklammert wird.

Was daraus geschlossen werden kann ist, dass unsere Welt in der Gegenwart durch verschiedenste äussere Dinge zwar anders aussehen mag, dass sich diese Veränderungen jedoch vor allem an der Oberfläche vollzogen haben. Wir haben weder mehr Klugheit, noch mehr Weisheit, noch mehr Erinnerungs- oder Vorstellungsvermögen etc, wir haben lediglich physische Instrumente die uns diese Dinge abnehmen. Ob das unsere persönlichen, geistigen Fähigkeiten verbessert ist fraglich. Es verbessert sicher unsere unpersönlichen physischen Fähigkeiten.

Die ‘private Religion‘, zu der diese Form einer Gesellschaft geführt hat, macht den Menschen jedoch unter anderem einsam, da ihm nun der Raum fehlt mit anderen Menschen etwas zu teilen, das weit mehr ist als nur intellektuelle Übereinstimmung. Daraus entstehen verschiedenste gesellschaftliche Probleme (die unter dem Artikel über Religion berührt werden). Eine Säkulargesellschaft zu wollen, ist aus dem Grunde nicht der beste Wille.

Was wir haben: die Äppelgesellschaft

Durch die Veräppelung nimmt man jemanden sprichwörtlich (im Gegensatz zu ‘wortwörtlich’) auf den Arm; man macht sich einen Scherz mit einem anderen Menschen.

Nun muss es nicht notwendigerweise eine Person sein, die sich mit einem anderen Menschen einen Scherz erlaubt, es kann auch ein Unternehmen oder eine Organisation sein, das oder die sich seinen Kunden oder ihren Mitgliedern gegenüber so verhält, dass man denken könnte, die Menschen würden mit Absicht veräppelt.

Durch dreierlei Strategien wird z.B. bei der Firma Apple ein weltlicher Schabernack mit der Kundschaft betrieben: erstens durch Hardware, zweitens durch Kosten, und drittens durch Software. Apple wird hier als Beispiel verwendet, weil die Firma durch ihre ‘Scherze’ in Umsatz bis vor kurzem noch die grösste der Welt war, und einen speziell unbarmherzigen Klamauk betreibt.

Erstens werden Geräte verkauft die so gebaut sind, dass in wenigen Jahren neue (teure) Ersatzgeräte gekauft werden müssen. Die Geräte sind so gebaut, dass eine Reparatur mühsam ist, und so ist der Kauf von einem komplett neuen, teuren Gerät im Fehlerfall naheliegend genug zu sein scheint (siehe ‘Right to Repair‘, das ‘Recht auf Reparatur’). Das Material für die Geräte wird so gewählt und zusammengebaut, dass es nach wenigen Jahren zerfällt; dies nennt sich ‘geplante Obsoleszenz’ (absichtlicher Zerfall). Ein Gerät nach dem anderen zu kaufen ist übrigens kein Materialismus[1].

Zweitens kosten die Geräte sehr viel, obwohl sie nicht anhaltend gut, sondern gut aussehend gebaut werden. Die Qualität beschränkt sich auf die Bedienung und die Optik (das Aussehen).

Drittens ist das Betriebssystem so gestaltet, dass die Menschen alles nur genau so tun können, wie Apple es für sie vorsieht. Der Konsument wird davon abgehalten zu verstehen, was im Hintergrund geschieht. Das Nutzererlebnis ist wie eine Einbahn ohne Hürden, und die Dinge funktionieren, ohne dass man sie durch den geringsten persönlichen Aufwand oder durch ein Verstehen der Sache zum Funktionieren bringen muss. Und: auch über die Software findet sich bei Apple geplante Obsoleszenz (alter Artikel bei Forbes).

Der dritte Punkt scheint in Bezug auf die einfache Bedienung etwas Gutes zu sein – es ist für die Psyche aber schädlich, wenn die Menschen ihre Umgebung nicht mehr verstehen und immerzu Dinge gebrauchen, die von Anfang bis Ende alles für den Menschen übernehmen. Die Realität wird dem Menschen abgenommen und er entkoppelt sich ohne es zu merken von seiner Umgebung – vom Wirklichen.

Apple baut Akkus so, dass sie eine künstlich verkürzte Lebensdauer haben, macht es schwierig, sie auszuwechseln, und verlangsamt das Gerät nach einer gewissen Nutzungszeit absichtlich über Software, mit dem Scheinargument, die Akkus stellten nach einer Anzahl Ladevorgänge eine Gefahr dar. Man sieht das zirkulare Begründen. Da solches Tun sehr subtil ist, und in den Augen von Ökonomen die Wirtschaft anfeuert, ist es nicht etwas, das einfach durch ein Gesetz entfernt werden könnte. Es ist ein systemisches Problem.

Eigentlich sollte jeder Mensch der mit digitalen Geräten hantiert, etwas vom Programmieren verstehen. Wenn der Mensch sich vom Wirklichen abtrennt, geht nicht nur seine praktische Fähigkeit verloren mit der Natur in einfacher Weise umzugehen, auch seine Vorstellungen, seine Begriffe, sein innerer Bezug zu den Realitäten der Umwelt schwindet. Er beginnt in einer ideelen Welt oder einer Fantasiewelt zu leben; er verliert die Fähigkeit, zwischen Ideologie und Utopie zu unterscheiden. Real werden Unterhaltungsmedien, die tatsächlich fiktive Dinge vorzeigen. Und hier verliert der Mensch durch die früh im Leben erscheinenden digitalen Bilder neuer Technologien gar die Fähigkeit, in sich selber z.B. innere Bilder zu schaffen. Es gibt heute viele, die sich eine Sache nicht einmal abstrahiert vorstellen können. Es ist eigentlich normal, dass in einem Menschen Bilder auftauchen, wenn er z.B. die Augen schliesst – viele haben das nicht mehr. Sie haben keine Bilderschaffenskraft. Das mag schwer zu glauben sein, aber das Absterben der Imagination ist ein zunehmendes Phänomen. Bildschirme, die schon in früher Kindheit für die kleinsten, jüngsten Menschlein allerlei Bilder erzeugen, übernehmen etwas, das der Mensch selber ausbilden und erlernen können sollte. Der Bildschirm nimmt dem Kind die Möglichkeit, sich im Geiste Bilder zu Sagen und Märchen selber zu erzeugen. Der Mensch wird innerlich still. Es gibt in meinen Augen fast nichts Schrecklicheres als die Idee, keine Bilder erschaffen zu können.

So lebt der Mensch in einer Fantasiewelt, obwohl er keine Fantasie hat. Ein solcher Mensch ist ein Gefangener, ohne dass ihn jemand gefangen hält. Er trägt Ketten, von denen er meint, sie seien ein natürlicher Teil von ihm.

Wir meinen von Technologien unterstützt zu werden – was einerseits richtig ist, andererseits werden wir von ihnen abhängig und verlieren verschiedenste Kräfte, und werden schleichend zu geistigen (und irgendwann auch physischen) Krüppeln. Wir drehen in der Äppelgesellschaft in einem Hamsterrad. Wir mühen uns darin für Dinge ab, die keinen anhaltenden Wert, und damit eigentlich auch generell keinen Wert haben.

Eine solche Gesellschaft hat verlockende Vorteile, aber sie ist nicht die beste.

Was wir wollen sollten: die Beteiligungsgesellschaft

Jede Gesellschaft hat in ihrer Form Vorzüge und Schwächen. Wie eine Gesellschaft aufgebaut ist, ist weniger gradlinig als man meinen könnte. Denn es ist ein Fehler zu denken, dass man für die beste Gesellschaftsform einen ‘besten Fokus’ auswählen müsse, z.B. Entrepreneuren all die nötigen Anreize zu geben, ihre Ideen umzusetzen, herzustellen und zu vermarkten. Oder dann möglichst sozial zu sein, und Güter und Mittel so effizient und fair wie nur möglich unter dem Volk aufzuteilen. Oder einen Staat zu haben, der jede Form von Kriminalität mit aller Härte zerschlägt, usw. Der Fokus ist gerade ein Fehler.

Jeder Mensch ist einzigartig. Es gibt Menschen, die durchsetzungsstark, arbeitsfreudig und kompetitiv sind. Von solchen Menschen wird das Beispiel mit der Wettbewerbsgesellschaft abgeschaut. Dann gibt es Menschen, die vielleicht einen feinen Sinn dafür haben wenn andere leiden, und die den Willen oder Drang haben, deren Leiden zu mindern; an ihrem Beispiel wird z.B. der soziale Staat abgeschaut. Und als drittes Beispiel haben wir Menschen, die einen strengen Gerechtigkeitssinn haben, die es nicht ertragen, wenn gegen das Gesetz verstossen wird. An jenen wird z.B. der tyrannische Staat abgeschaut.

Durch die Einzigartigkeit eines jeden Menschen, dessen Talente, dessen Interessen, dessen Umgang mit anderen usw, kann eine Gesellschaftsform geformt werden. Man könnte eine Sportlergesellschaft haben, eine Bürokratengesellschaft, eine Langweilergesellschaft usw, die Möglichkeiten sind endlos. Man bedenkt es nicht, aber was wir als Potential vor uns haben, ist tatsächlich eine von etwa acht Miliarden Möglichkeiten.

Wie entscheiden wir uns unter all diesen, welche die beste ist? Nehmen wir den produktivsten, den sozialsten, den gerechtesten Menschen als Beispiel, und bilden diesen in einer Staatsform ab?

Die beste Form lässt alle Formen zu; die beste Staatsform begünstigt nicht eine Menschen-Charakteristik über die andere. Eine gute Gesellschaftsform ist so nicht die kämpferischste, die sozialste, die gerechteste usw, sondern die, welche all die verschiedenen Menschen mit ihren Eigenheiten (Formen), in ihren Formen erfolgreich sein lässt, ohne sie durch eine ‘Bildungs’-Mühle drücken zu müssen, oder in einem Hamsterrad der Beschäftigung rennen zu lassen und dergleichen Übel, nur damit sie besser zu der bevorzugten Form passen. Die beste Gesellschaft ist weder die beste Form (z.B. aristokratisch), noch ist sie formlos (anarchistisch) – sie bietet Formfreiheit: Sie lässt all die kleinen Formen (Individualitäten) zu. Sie drängt sich weder auf, noch lässt sie den einzelnen draussen in der Kälte stehen und für sich selber kämpfen.

Die Gesellschaft, in der sich ein jeder direkt und mittelbar zu beteiligen hat, wo nicht z.B. wenige Repräsentanten für zehntausende Individuen oder mehr gewählt werden, und wo der Privatismus von Parteien zurecht eine irre Absurdität ist, ist die einzige die allen etwas geben kann. In einer solchen Gesellschaft wird durch ein Zufallslosverfahren entschieden, wer dazu antraben muss politische Entscheidungen zu treffen. Dadurch findet sich eine echte Repräsentation der Bürger vor, wo jeder zwischendurch physisch hin muss, und sich in der Polis aktiv zu beteiligen hat. Die zufällig ausgewählten treffen sich, beschäftigen sich mit all den vorgelegten, trockenen Fragen in ruhiger, sachlicher Art, formulieren eine Entscheidung und gehen dann weiter ihres Weges. Keine Berufspolitiker, keine Wettkämpfe um Stimmen, keine Aufregung um Probleme, keine hetzerischen, aufreibenden Medien, kein Skandaljournalismus der die Aufmerksamkeit lenkt und am erfolgreichsten ist wenn er wütend macht, keine Koordination privater Gruppen, kein Fingerzeigen, keine Schlammschlachten.

Diese Form nennt sich ‘Demokratie‘, und sie ist etwas grundsätzlich anderes als das, was wir haben (ein Artikel zu Politik zum Thema). Demokratie ist die schwierigste Form von allen, sie ist die wahre ‘Hochkultur’. Sie wurde bereits errichtet (auch wenn es mit vor ~2’500 Jahren länger her ist), wir können auf vorhandener Infrastruktur bauen, und haben durch Dokumente wie die Bibel und vielen anderen Schriftwerken ‘Anleitung zur Vermeidung’.

Aus diesen Gründen ist die Umsetzung der Demokratie möglich.

Anmerkung

[1] Solcher Konsumerismus ist kein Materialismus, weil der Materialismus sich um Materie sorgt; nichts liegt dem Materialismus ferner als Materie absichtlich so zu bearbeiten, dass sie nach einer kurzen Zeit zerfällt, nur damit mehr geschäftet werden kann. Müllberge (oder: Vergeudung von Materie in reinem Zustand) sind dem Materialismus etwas Abstossendes.

Zum Begriff: Religion

Der Begriff ‘Religio‘ geht im klassischen Herkunftsverständnis auf den grossen Cicero selber zurück: relegere: re (wieder) und lego (lesen), wo lego im Sinne von drübergehen, wählen oder vorsichtig erwägen gemeint ist.

Eine andere Interpretation setzt den Begriff aus religare: re (wieder) und ligare (binden oder verbinden) zusammen. Diese zweite Interpretation wird von vielen Akademikern bevorzugt, und sie ist auch was hier Anleitung geben soll, um auf die eigentliche Bedeutung zurückzukommen.

Der folgende Text wurde aus einer Audiofolge von “The Duran” inspiriert (~Minuten 30-40). Folgendes ist nicht ein atheistisches oder materialistisches Argument, weil etwa das Wort ‘irrational’ im Zusammenhang mit Religion verwendet wird. Irrational ist ein besser verständlicher Gegenpol zu ‘rational’ als der Weltanschauungsgegenpol ‘dynamistisch’ es ist. Irrational ist somit nicht als willkürlich, widersinnig gemeint, sondern als etwas Natürliches, Eigenlogisches, nicht etwas auf Wortlogik und Semantik Basierendem.

Das Binden, Anbinden oder Verbinden in der ‘Religio’ bezieht sich als erstes auf etwas Gemeinsames. Die Religion ist als erstes nichts Privates, sondern etwas Gemeinschaftliches. Sie gibt dem Menschen die Anbindung oder Wiederanbindung an seinen sozialen Verpflichtungen. Religion bedeutete, die Familie, Vorbilder in der Gesellschaft (König, Helden, Ritter, Heerführer etc), die eigene Zunft (in Bezug auf die Arbeit) oder Gott/Götter zu ehren, usw. Das stille, unausgesprochene, persönliche, private Gebet ist in solcher Religio vielleicht ein Bestandteil, aber es wurde seit der Aufklärung nach und nach uminterpretiert zu einer Hauptsache: es wurde zur persönlichen Anbindung oder Wiederanbindung an Gott. So verstehen wir sie heute anders als noch vor der Trennung von Staat und Religion.

Die Anbindung an Gott war aber etwas das gemeinsam getan wurde, und es wurde gemeinsam angehört, ausgesprochen, gesungen – bei Naturvölkern auch getanzt usw.

Die Trennung von Kirche und Staat bewirkte in gewisser Weise eine Trennung von Religion und Öffentlichkeit. Religion wurde persönlich und privat, und dadurch fast widersinnig; sie unterschied sich immer weniger vom Glauben, sie wurde zu einem persönlichen Glauben, da sie in einer öffentlichen Rolle als etwas Überwundenes angesehen wurde, das einer Vergangenheit angehört(e). Für die moderne, westliche, in einseitiger Weise ‘aufgeklärten’ Gesellschaft bedeutete der Verlust von Religio einen Verlust von Zusammenhalt, wenn an die Stelle der Religio nicht Neues treten würde. Was an die Stelle der Religio trat, war die Ratio: der skeptische Verstand und dessen Produkt, die Scienzia (die Wissenschaft). Seltsamerweise erhält man mit dem Verlust von Religion – die nicht rationalistisch ist – die eher ein Gegengewicht zum Rationalismus ist, das Irrationale. Ideatrie und Ideologie finden ihren Weg in die Scienzia, da sie sonst nirgendwo untergebracht werden können. Und das gerade vom Zweifel Lebende, die Scienzia, wird zu einem Gegenteil dessen, was sie sein sollte, sie wird zu etwas, das Gewissheit in sich halten muss, während sie ihrem eigentlichen Begriffe nach gleichzeitig überall dazu angehalten ist, ihren Zweifel anzuwenden. Daraus entstehen viele widersinnige Dinge, die wir in der Gegenwart aus den Akademien kommend sehen können, wie die scheinbare Abschaffung von Kategorien (Skeptizismus), nur um sogleich mit neuen Kategorien aufzutanzen, in deren Aktualität der Aktualität wegen Gewissheit (Ideologie bis Ideatrie) eingegeben wird.

Eine Gesellschaft kann nicht auf Zweifel und Skeptizismus beruhen, es braucht etwas, das man gemeinsam teilen, gemeinsam glauben kann. Der Mensch braucht das Kollektive, von dem er Teil sein kann. Eine Methode zur Zerteilung – was der Skeptizismus letzten Endes ist – reicht hierzu jedoch nicht aus. Die Ideologie in Religion wird verpönt, und die Gegenwehr im Skeptizismus wird zur Ersatzideologie, und sie setzt sich in ungesunder Weise im nicht von Natur aus rationalistischen Menschen fest, und sie macht durch ihre Widersprüche jene Menschen einsam, dann frustriert, und dann wütend.

Eine bedeutende moderne Strömung im ‘Westen’ ist der Progressivismus. Die Aufgeklärtheit jener Progressiven erlaubt ihnen nicht, gemeinsam etwas Religionsartiges auszuüben, da dies (vermutlich korrekt) als rückwärts gewandt verstanden wird; dennoch ist in ihnen, wie in den meisten Menschen, ein starkes Bedürfnis nach einer kollektiven, sozialen Aufgabe, nach einem gemeinsamen Sinn. Der Widerspruch aus persönlicher Notwendigkeit und dem, was man sich gedanklich erlauben kann, zeigt sich durch ein geistiges Unbefriedigtsein letzten Endes als Wut. Progressive Menschen bedingen etwas wie Religion, aber sie können sich durch die Umstände der Gegenwart keine Religion erlauben. So schaffen sie sich das im positiven Sinne ‘Irrationale’, Religionsartige über andere Wege; Wege, die mit den passenden Begriffen wie ‘Aufklärung’, ‘Wissenschaftlichkeit’ usw. verknüpfbar sind. Das im positiven Sinne Irrationale ist ein Teil des Menschen, und es muss seinen Platz im Leben finden.

Die Ratio die alles, auch ‘Irratio’, in sich vereinigen muss, führt zu Wut unter den Menschen. Die Gesellschaft die nicht zwischen der falschen Auswahl aus Staatsreligion und Staat über Religion entscheidet, sondern beides im öffentlichen Raum belassen kann, ist viel friedlicher (siehe eine Vielzahl asiatischer Kulturen). Die Kunst ist, lediglich das Rechtswesen von der Religion zu trennen, aber nicht den Staat an sich.

Zum Begriff: Weltanschauung

Weltarkaden

Was die dutzend Weltanschauungen (DWA) an sich sind und was der Begriff innerhalb des Weltanschauungsprinzips beschreibt, sind eigentlich zwei verschiedene Dinge. So wie die Weltanschauungen (unabhängig vom Menschen) sind, wie sie sich in den Dingen zusammenfinden – ob nun darauf geschaut wird oder nicht – macht den Begriff streng genommen widersinnig. “Weltanschauungen” sind da, auch wenn niemand schaut. Weltanschauung ist ein anthropomorphistischer Begriff, er geht vom Menschen aus. Den nichtanthropomorphistischen Begriff für die dutzend Weltanschauungen definiere ich als die “dutzend Weltarkaden” (DWA). Der Baum im Wald fällt, auch wenn niemand schaut, nur ist es ein anderes Ereignis wenn es ohne einen Menschen geschieht: es sind keine Begriffe vorhanden, wenn kein Mensch es sieht. So haben die Weltarkaden wie der Baum einen anderen Charakter, wenn kein Mensch sie betrachtet, dennoch sind sie auch ohne ihn vorhanden.

Die Weltarkaden sind deswegen nicht Tore (die sich öffnen und schliessen lassen), weil sowohl die Welt selber, wie auch jeder Mensch sie zu jeder Zeit bei und um sich hat. Kann man immer durch jede Arkade durchlaufen, drin stehen, hinein- und hinausschauen, so ist noch immer immerzu ein Mensch involviert.

Das Erleben der Welt wie es zu jedem wachen Zeitpunkt geschieht, das ist der Realismus. Im ‘Geschehnis’ kann man den Phänomenalismus erleben, aber der Menschenzustand auf der Welt, wo Materie und Geist äussere Extreme darstellen, die sich in der Mitte treffen und zu etwas Neuem werden, das ist der Realismus. Es ist schwierig, eine einzige andere Weltanschauung zu verstehen, wenn nicht die Allgegenwärtigkeit des Realismus im Erleben des Menschseins erkannt wird. Weltanschauung ist zuerst eine Welterfahrung, und diese geschieht zuerst im Realen.

Die Weltanschauung des WAP hat sowohl ihre eigenen Qualitäten, wie auch Qualitäten die sich aus der Beziehung oder dem Unterschied zu anderen Weltanschauungen ergeben. Die dutzend Weltanschauungen zusammen ergeben wiederum etwas, das das ‘Sein’ (die Welt) dem Menschen zugänglich macht, während die dutzend Weltarkaden das Sein, das die Weltanschauungen beschreiben, selber sind. Weltanschauungen sind vom Menschen ausgehend, Weltarkaden vom Kosmos. Dennoch bedingen beide den Menschen; so sind Weltanschauung und Weltarkade zwei Seiten einer Münze.

Die Dutzend Weltanschauungen (DWA)

Im Weltanschauungsprinzip (WAP) ist der Begriff Weltanschauung auf nur zwölf Stück anwendbar. Alles andere gilt als teilhaft (untergeordnet), übergeordnet, vermischt, irrelevant usw. Die DWA sind der Ausgangspunkt des Weltanschauungsprinzips, sie werden in die Mitte gestellt. Für den Weltanschauungsbegriff bedeutet dies, dass er sich innerhalb des WAP selbst erklären muss, und dann die Erklärung auf sich selber anwenden muss, was wieder die Erklärung ändert, usw. Der Begriff ist im WAP so in einem Endloszirkel, denn wo kann eine Erklärung beginnen, wenn der Beginn bereits das Resultat bedingt? Die Selbsterklärung gilt für jede anspruchsvolle Methode, für die Weltanschauungen aber besonders: Spiegelung und Gegensatz sind das WAP, und sofern das WAP Methode ist, ist es schwierig, einen Anknüpfungspunkt zu finden, weil nur schwerlich zwischen Methode, Studienobjekt und Ergebnis unterschieden werden kann. Können wir diese Zirkelargumentation im Verlaufe des Projekts auflösen, ist vieles auch für andere Methoden geschafft.

Während eine Weltanschauung für ein Gebiet spezialisiert ist, gilt die Methode des WAP allein für sich selbst, und für nichts ausser ihr. Das WAP studiert nur das WAP, aber anders als alle anderen Methoden, ist diese über diese Selbstbezogenheit ehrlich (wobei solche Unehrlichkeit im Fall des WAP unmöglich wäre). Dadurch ist der Weltanschauungsbegriff des WAP in gewisser Weise im WAP gefangen.

Der Begriff ‘Weltanschauung’ hat im Weltanschauungsprinzip verschiedene Schwierigkeiten, bevor eine Definition überhaupt versucht wird – deren Lösung sich mir noch entzieht. Mit der Unterscheidung zwischen Anschauung und Arkade können wir die Weltanschauung in angemessener Weise mit dem Menschen verknüpfen.

Methodenprojektion

Beitrag unter KTT-KJT

Die Art die Welt zu sehen und zu verstehen folgt den Vorstellungen, die von der Welt gehalten werden. Aus der Welt wird entnommen was man (persönlich) verstehen kann. Mit guten mathematischen und statistischen Kenntnissen werden z.B. ganz andere Schlüsse aus einzelnen Ereignissen gezogen, als ohne. So wird eher Zurückhaltung geübt, wenn mit guten Mathekenntnissen von einer Anekdote auf eine Gesamtheit geschlossen werden kann, da man mit nur einer Anekdote vielleicht besser versteht, was alles für einen wahren Schluss noch fehlt. Oder jene, die ein hartes Leben mit schwierigen Menschen hatten und für alles kämpfen mussten, werden im Menschen vielleicht eher das Schlechte sehen und weniger schnell Vertrauen aufbauen, usw.

Die Art, wie unser Wesen der Welt eine bestimmte Form gibt, nennt sich die ‘Projektion‘. Durch die Projektion sehen wir im Prinzip uns selbst in der Welt, oder zumindest bestimmte Eigenschaften von uns selbst.

Wie wir Entscheidungen treffen leitet sich direkt davon ab, welche Optionen wir uns vorstellen können. So mancher Irrtum liesse sich leicht lösen, wenn nicht aus einer Scheinauswahl aus Entweder und Oder gewählt würde, sondern aus einer von vielen anderen Möglichkeiten. Unser eigenes Wesen gibt uns aber oftmals vor, was wir überhaupt erwägen können, und so sind die meisten Optionen vielfach überhaupt nicht sichtbar.

Die dutzend Weltanschauungen spielen hier eine gewisse Rolle, denn sie haben alle ihre jeweilige ‘Form’. Jeder Mensch hat unter den dutzend Weltanschauungen bestimmte Vorzüge, und die Form der ihm nahe liegenden Weltanschauungen bestimmt ihn mit.

Die Methode

Um über die Welt und sich selbst zu lernen, sucht der Mensch ‘Muster‘. Die Muster sind Zusammenhänge aus verschiedenen Beobachtungen, die den Zweck haben, eine Erkenntnis aus Beobachtung (Wahrnehmung über längere Zeit) und Wahrnehmung zu ziehen. Die wahre Erkenntnis (oder Wahrheit) ist das letzte Ziel der Muster.

Die Methode ist ein Werkzeug mit dem die notwendigen, die nützlichen, und die bevorzugten Muster für das Wahrheitsziel gesucht und ausgewählt werden.

Je nach beobachtetem Inhalt sind andere Muster notwendig. Eine spiritualistische Frage muss ganz anders angegangen werden als eine materialistische, und so muss die Methode für das Eine eine ganz andere sein als die Methode für das Andere. Wenn aber eine Methode sich in einem Gebiet als sehr erfolgreich herausstellt, so wird mit der Zeit gerne zu viel Vertrauen in jene Methode gesteckt, und sie wird auf Dinge angewandt, welche nicht mehr zu jener sonst so erfolgreichen Methode passen. Im Mittelalter gab es z.B. eine grosse Krise des Psychismus, von dem gedacht wurde, er könnte nie widerlegt werden. Er wurde aber dennoch zurückgedrängt, so sehr nämlich, dass heute die Psychologie nicht einmal zu sagen wagt, was das Wort ‘Psyche’ bedeutet, und was es beinhaltet. Welcher ‘Psychologe’ spricht heute wirklich über die Eigenschaften der Seele? Viel lieber wird über Neurologie, Geisteskrankheiten und Charaktereigenschaften gesprochen. Keine Methode gilt für alles, und keine währt ewig – jede erfolgreiche hat irgendwann ihre Übertreibungen, dann ihre Krise, und schliesslich ihre Ablösung.

Die Übertreibung einer Methode führt irgendwann zum (nie berechtigten) ‘universellen Alleingültigkeitsanspruch’.

Aus dem Grund bildet sich aus dem WAP (Weltanschauungsprinzip) die Notwendigkeit zum “Gesetz der Methodenwahl“. Dieses Gesetz besagt, dass eine Methode einer Weltanschauung dann am nützlichsten ist, wenn sie ihre eigenen Themen behandelt; und dass sie am meisten Fehler macht, wenn sie sich mit Themen ihrer Opposition beschäftigt. Der Zweck von diesem Gesetz ist nicht ein Aufruf, sich nur noch mit den Inhalten einer einzelnen WA zu beschäftigen, sondern zeigt einfach, wo durch Methoden Fehler geschehen.

Die Methodengrenze

Jede Methode erreicht irgendwann die Grenze ihres Gebietes. Der Materialismus hat seine Grenze z.B. dort, wo die Materie aufhört und etwas anderes beginnt. Wird aber behauptet, der Materialismus gälte für alles, so wird mit dem Materialismus übertrieben und es wird dazu beigetragen, irgendwann eine Materialismuskrise heraufzubeschwören.

Weltanschauungen können im Weltanschauungsprinzip in dreierlei Weise in ihren Grenzen falsch angewandt werden: sie können deplatziert werden, sie können übertrieben werden, und sie können untertrieben werden. Eine falsch angewandte Methode lässt sich häufig in eine dieser drei Kategorien einteilen, am aufälligsten ist die Übertreibung, am anstrengendsten zum Widerlegen ist die Deplatzierung (siehe z.B. Soll-vor-Ist-Ideen wie der Marxismus, wo ad-hoc, d.h. nachträglich, durch den sogenannten ‘dialektischen’ Materialismus idealistische Vorstellungen dazu, wie die Dinge sein sollten, begründet werden wollen). Werden die Grenzen einer Weltanschauung nicht in richtigem Masse gewürdigt, vergrössert sich die Wahrscheinlichkeit von Einseitigkeit in der Projektion, und so ist weder die dreiste (übertreibende) noch die zauderhafte (untertreibende) Anwendung angemessen.

Wie die Welt für den Menschen vielfach nicht für viel mehr als eine Leinwand seines eigenen Filmes zu dienen scheint, projiziert auch die Methode ihr Wesen auf ihre Gegenstände: wo sie etwas beweist, beweist sie als erstes sich selbst. Und wo sie etwas beweisen sollte, aber nichts beweisen kann, widerlegt sie sich in gewissem Sinne selbst. Viel zu oft geraten Methoden, die für ihr Gebiet eigentlich sehr brauchbar sind, in eine unverdiente Kritik, weil sie keinen Allgemeingültigkeitsanspruch auf andere Gebiete machen können (oder wollen). Das heisst, die offensichtlich eingeschränkte Methode wird als mangelhaft angesehen, nur weil sie nicht eine breite Gültigkeit über verschiedene Weltanschauungen hinaus beanspruchen kann. Solche Kritik kommt von einem einseitigen Bild von Wahrheit, das davon ausgeht, dass das Sein einen einfachsten gemeinsamen, widerspruchslosen Nenner haben müsse. Das Weltanschauungsprinzip wird dies in der Zukunft hoffentlich ändern, weil es ein viel feiner gegliedertes Bild davon hat, was wahr sein kann, als vermutlich alles, was bisher sonst existiert. Im Weltanschauungsprinzip setzt sich das Sein aus Gegensätzen zusammen, die sich in der Welt da draussen zu etwas zusammenfinden das wir ‘Phänomen’ nennen. Finden sich die Weltanschauungen hingegen im Menschen zusammen, so nennen wir dies ‘Psyche’.

Für gewöhnlich wird die Funktion der Methode ganz anders angeschaut, denn für gewöhnlich werden mit gutem Grund, ja mit Notwendigkeit, Gegensätze vermieden. Nehmen wir als Beispiel eine generelle ‘naturwissenschaftliche Methode’. Eine solche Methode reduziert die Möglichkeit von Erkenntnis auf materialistische Evidenz, deren Nachweise quantifizierbar, falsifizierbar und reproduzierbar sein müssen. In anderen Worten müssen die Ergebnisse jener Methode gemessen und dann modelliert werden können, sie müssen widerlegbar sein, und wenn das Experiment wiederholt wird, müssen wieder genügend ähnliche Ergebnisse auftreten. Werden diese Dinge erfüllt, kann in ihr von Evidenz gesprochen werden. Was die Methode in ihren Ergebnissen nun zeigt, sind eigentlich nicht Erkenntnisse, denn der Erkenntnisablauf des Menschen ist in einer solchen Methode zweitrangig. Eine solche Methode spricht lieber von Tatsachen oder Fakten, wenn in ihr ein Schluss gemacht wurde. Der Mensch ist in einer solchen, auf das Messen, Datensammeln und -interpretieren ausgerichteten Methode eher ein Störfaktor, dessen Vorurteile und Eigenheiten die Ergebnisse häufig verzerren. Die Berücksichtigung menschlicher Einflüsse ist in ihr insoweit von Bedeutung, als verstanden werden muss, wie weit seine Eigenheiten, seine Vorzüge, seine Karriereziele usw. von der Objektivität der Messungen wegführen. Eine solche Methode beweist in anderen Worten, wenn sie denn auch wirklich ihrem Sinne nach angewandt wird, erstens die Genauigkeit der Messinstrumente, zweitens materielle Grössen, und drittens manche materialistische Annahmen – und natürlich: sich selbst.

Wird die Methode dieses Beispiels auf Dinge angewandt, die das Materielle nicht betreffen, wird sie Ergebnisse vorzeigen die zufällig, falsch oder irreführend sind. Das ist nicht eine Kritik an materialistischer Methodik, das trifft auf alle Methoden zu, die Aussagen über ihre Grenze hinaus machen wollen. Keine Methode mit dem Anspruch auf spezifische Ergebnisse darf einen universellen Alleingültigkeitsanspruch stellen, und wenn es dennoch versucht wird, entstehen Falschheiten.

Das Weltanschauungsprinzip ist keine Methode, sondern etwas über den Wissenschaften Stehendes, das (unter vielem anderen) alle Methoden sinnvoll kategorisieren können will.

Der universelle Alleingültigkeitsanspruch

Mit dem universellen Alleingültigkeitsanspruch kommt die Selbstwiderlegung. Jeder universelle Alleingültigkeitsanspruch ist eine Grenzüberschreitung, eine Übertreibung einer Methode. Wird ein universeller Alleingültigkeitsanspruch erhoben, wird von der Methode behauptet, sie sei universell für alles Seiende zu Wahrheit führend. Das Weltanschauungsprinzip schliesst solcherlei für eine einzelne Methode aus, da das Sein in sich als grundlegende Seinsbedingung Gegensätze vereinigt, das heisst, widersprüchlich ist; und die Methode, um das Wesen des Seins wahrhaftig widerzuspiegeln, selber widersprüchlich sein müsste. Methoden haben jedoch eine ‘menschenartige’ Qualität (wohl weil sie von Menschen gebraucht werden), die zu einem Zeitpunkt nur eine Betrachtungsart in eine Richtung erlaubt. Eine Methode kann dadurch nicht widersprüchlich sein, und sie kann auch nicht einen legitimen universellen Alleingültigkeitsanspruch aufstellen, ohne dabei sehr bald sich selbst zu widersprechen.

Es gibt den nicht-universellen Alleingültigkeitsanspruch, nämlich überall dort, wo nur eine Weltanschauung alle notwendigen Begriffe aufbringen kann, und die Resultate nirgendwo sonst brauchbar sind. Solches gilt für sehr isolierte, spezialisierte Felder.

Die Methodenprojektion

Rudolf Steiner gibt im Primärwerk für das Weltanschauungsprinzip, den vier Vorträgen unter dem Titel: “Der menschliche und der kosmische Gedanke”, das absurde (und lustige) Beispiel des Schuhmachers, der die ganze Welt als ein Schuh sieht.

Nehmen wir einmal folgendes an: Es hätte in Görlitz einen Schuhmacher namens Jakob Böhme gegeben. Und jener Schuhmacher namens Jakob Böhme hätte das Schuhmacherhandwerk gelernt, hätte gut gelernt wie man Sohlen zuschneidet, wie man den Schuh über den Leisten formt, wie man Nägel in Sohlen und Leder hineintreibt und so weiter. Das hätte er alles aus dem Fundament heraus klar gewusst und gekonnt. Nun wäre dieser Schuhmacher namens Jakob Böhme hergegangen und hätte gesagt: Jetzt will ich einmal sehen, wie die Welt konstruiert ist. Nun, ich nehme einmal an, der Welt liegt zugrunde ein großer Leisten. Über diesen Leisten sei einmal das Weltenleder darübergezogen worden. Dann wären die Weltennägel genommen worden, und man hätte die Weltensohle durch Weltennägel in Verbindung gebracht mit dem Weltenlederüberzug. Dann hätte man die Weltenschuhwichse genommen und den ganzen Weltenschuh gewichst. So kann ich mir erklären, dass es am Morgen hell wird. Da glänzt eben die Schuhwichse der Welt. Und wenn diese Schuhwichse der Welt am Abend übertüncht ist von allem möglichen, so glänzt sie dann nicht mehr. Daher stelle ich mir vor, dass irgend jemand in der Nacht zu tun hat, um den Weltenstiefel neu zu wichsen. Und so entsteht der Unterschied zwischen Tag und Nacht.

Nehmen wir an, Jakob Böhme hätte dies gesagt. Ja, sie lachen, weil Jakob Böhme dies allerdings nicht gesagt hat, sondern er hat für die Görlitzer Bürgerschaft anständige Schuhe gemacht, hat dazu seine Schuhmacherkunst benutzt. Er hat aber auch seine grandiosen Gedanken entfaltet, durch die er eine Weltanschauung aufbauen wollte. Da hat er zu anderem gegriffen. Er hat sich gesagt: Da würden meine Gedanken des Schuhmachens nicht ausreichen; denn will ich Weltgedanken haben, so darf ich nicht Gedanken, durch die ich Schuhe mache für die Leute, auf das Weltgebäude anwenden. Und er ist zu seinen erhabenen Gedanken über die Welt gekommen. Also jenen Jakob Böhme, den ich zuerst in der Hypothese konstruiert habe, hat es in Görlitz nicht gegeben, sondern jenen anderen, der gewusst hat wie man es macht.

Rudolf Steiner, Der menschliche und der kosmische Gedanke, GA 151, Zweiter Vortrag, S. 20ff

Das ist ein anschauliches Beispiel, wie eine Denkart über ihre Grenzen hinaus wächst, wie sie einseitig und dadurch unangemessen wird. Dass dies auch bei sehr fein ausgestalteten Denkarten nicht nur möglich ist, sondern dass es überall geschieht, wird mit einer Untergebenheit gegenüber einer empfundenen Autorität vor der Wissenschaft (singluar) nicht bedacht. Dass die Methoden, die aus einem Denken entstehen, das nur einen Aspekt des Seins zulässt, zu vielen Inhalten unangemessene Dinge behaupten, das wird heute durch fast jeden Raum, fast jeder Universität, unterschätzt.

Der Methodenspiegel

Das Ergebnis (der ‘Schluss’) einer Untersuchung ist eine Art Spiegelung der Methode, die zum Ergebnis geführt hat. Wurde die Methode falsch angewandt (“hat der Spiegel eine Krümmung”), ist das Ergebnis entsprechend falsch (“verkrümmt”). Fand die Methode eine richtige Anwendung, ist es noch immer die Methode die sich als erstes im Gegenstand ausdrückt, und nicht der Gegenstand selber.

Zuerst wird projiziert, dann wird zurückgespiegelt, und dann erst hat man das Ergebnis. Unsere Wahrnehmung zur Welt kann dem nicht ausweichen – es gibt keine andere Art des in-die-Welt-Sehens. Alle Erkenntnis der Welt wird daraus geschöpft. Das heisst nun nicht, dass alle Erkenntnis falsch sei – überhaupt nicht! – sondern, dass unser Auge uns stets nur einen Ausschnitt der Welt zeigen kann, und das meiste auslassen muss. Die Projektion und der Spiegel sind Tatsachen, mit denen wir umgehen müssen, die wir verstehen müssen; besonders darin, wie sie uns einschränken.

Verstehen wir diese Dinge nicht, so verstehen wir auch die Grenzen unserer Methoden nicht, und wir laufen drinnen und drüber, ohne darum zu wissen ob wir uns wie der Schuhmacher unangemessen verhalten, oder ob wir noch viel mehr dürften. So ist es schwierig darüber urteilen zu können, ob eine Erkenntnis überhaupt Gültigkeit haben kann, oder ob mit ihr unter- oder übertrieben wird.

Grenze, Projektion und Spiegel

Wenn sich das Sein derart hinter der Methode versteckt, welchen Sinn hat es überhaupt zu versuchen, Erkenntnis über das Sein zu gewinnen?

Hier kommen die sieben Visibilitätsstufen des Weltanschauungsprinzips ins Spiel; wir können sie auch die sieben Philosophien nennen. Durch die sieben Philosophien haben wir unterschiedliche Wege, wie wir das Sein wahrnehmbar, durchschaubar und unserer Erkenntnis zugänglich machen. Das Sein besteht einerseits aus all den Gegensätzen die sich aus den Weltanschauungen ergeben, es hat weiter die Eigenschaft, unterschiedlich ‘sichtbar’ zu sein. Manche Weltanschauungen sind durch die eine Philosophie eher zugänglich als durch die andere, manche Kombinationen aus Weltanschauung und Philosophie bringen hingegen nicht viel Nützliches hervor. Es geht in den ‘Gattungskombinationen’ (z.B. die Kombination aus Weltanschauung und Philosophie) darum, durch die passende Philosophie (z.B. Gnostizismus oder Empirizismus) die passende Methode für ein Thema innerhalb einer Weltanschauung (z.B. Pneumatismus oder Realismus) zu finden. Das einzelne aufgeschlüsselte Thema mag noch nicht ein Sein beschreiben können, aber doch einen Teil davon. Werden Themen verschiedener Weltanschauungen nach und nach aufgeschlüsselt, wird sich irgendwann etwas finden, das zusammengebracht werden kann (die Synthese aus Weltanschauungspolaritäten). Dadurch entsteht die Hoffnung, das Wesen eines Seins, wie es sich z.B. als Phänomen zeigt, eines Tages zu ergründen.

Auf diesem Weg können die Grenzen der Weltanschauungen und deren Methoden, die Projektionen die auf das Sein gestrahlt werden, und die Spiegelbilder, die in jenen Projektionen leben, bewältigt werden.

Die Methodenvielfalt

Der noch sehr weite und entfernte Weg zu Allseitigkeit in der Erkenntnis bedingt 1) die Methodenvielfalt, 2) ein feinfühliges Wahrheitsverständnis zur inneren Gegensätzlichkeit des Seins, und 3) angemessene Gattungskombinationen des Weltanschauungsprinzips. Der Weg zu Methodenvielfalt ist Methodenfreiheit, etwas, das ich ‘Methodenanarchonomie‘ nenne: die Untersuchung und Auswahl der passenden Methode zu ihrem Gegenstand. Keine (!) Idee darf darin von vornherein ausgeschlossen werden, jede Art des Denkens ist erlaubt.

Zum Unterschied: Inhärenz und Immanenz

Inhärenz

Inhärenz, aus dem Lateinischen inhaerere (in etwas hängen, an etwas haften), ist die Eigenschaft einer Sache, die zwar nicht Bedingung für ihre Sache, aber schwer wegzudenken ist. Ist z.B. eine Partei ‘inhärent korrupt’, so ist die Korruption der Partei ist nicht deren Aufgabe, Idee oder Strategie, sondern etwas, dem sie sich nicht entledigen kann. Inhärenz ist etwas, das sich z.B. von aussen kommend in einer Sache einnistet, in einer Sache entsteht und anwächst, oder sonstwie scheinbar oder tatsächlich zunehmend zum Wesen einer Sache wird.

Immanenz

Immanenz ist hingegen kein Begriff aus dem Lateinischen. Faber Stapulensis (Geburtsname ‘Jacques Lefèvre d’Étaples’) übersetzt das Altgriechische περιχώρησις (perikhōrēsis, Griechisch aus peri, also um etwas herum; und chorea, d. h. schwingen; zusammen: rotation) mit invicem immanentia (invicem beiderseits, einander, umgekehrt; in manera, verbleiben in) als die Eigenschaft einer Sache, die nicht über ihre Sache hinaus kann. Für das Weltanschauungsprinzip ist ein solches Verständnis jedoch eine verpasste Möglichkeit, einen notwendigen Begriff für den Monadismus zu nutzen. Der Monadismus vertritt eine Denkweise die unserer angewohnten mathematizistischen schwer zugänglich ist. Im Monadismus sind die Grenzen vom einen zum anderen nicht nur nicht klar, es macht darin überhaupt keinen Sinn von Grenzen und Abständen und dergleichen zu sprechen. Das innere Wesen der Dinge ist überall vom einen Ding zum anderen überlappend, teilhaft, ähnlich und unähnlich, und selbst im Gegensatz Teil voneinander. Die Immanenz einer Monade ist ausserhalb aristotelischer Kategorien wie Proprium oder Akzidens, dessen Kategorien wie Körper voneinander verschieden sein müssen, solche Immanenz ist gleichzeitig Proprium und sie ist es nicht.

Immanenz kann vielleicht am einfachsten wie auch genausten mit der Perichorese (vom Verb perichorein, herumgehen, durchwandern, durchdringen sowie auf jemanden übergehen) der göttlichen Trinität erklärt werden: Vater, Sohn und Heiliger Geist sind sowohl eine jeweilige Identität, wie auch gegenseitige Durchdringung (Einheit ohne Verschmelzung). Das eine ist dem anderen in christlich-dogmatischem Sinne immanent, wenn 1) das eine gleichzeitig im anderen, 2) das andere im einen, und 3) jedes sich selbst ist. Mathematische 1+1 Logik, in der Inhalte wie Gegenstände behandelt werden, reicht nicht an die Eigenschaften von Monaden heran. Im Physischen mag ein Gegenstand räumlich seinen Platz haben, den er niemals mit einem anderen gleichzeitig teilen kann während er sich selbst bleibt – im Monadismus haben solche Räume keinen Sinn, da keine Realität. Geistige Kategorien bedingen einen Betrachter, und sind mit dessen Wahrnehmung und Wesen eng verknüpft. Der Monadismus, der Spiritualismus und der Pneumatismus haben durchaus Kategorien, aber sie sind beweglicher als die, die wir für gewöhnlich kennen.

Der Begriff benötigt noch mehr Vertiefung, die mit der Arbeit am Monadismus automatisch geschehen wird.

Für den Rationalisten Kant ist die Immanenz ein Begriff der sich aus der Theologie entnehmen lässt, in der das sonst transzendente Göttliche eine zugängliche Form findet (z.B. in der Physis, oder etwa durch Christus) – eine ‘immanente Form’, die vom Menschen erkannt und verstanden werden kann. Kant zieht das Immanente dadurch in die Welt des Bewusstseins: zugänglich (immanent) und nicht-zugänglich (transzendent). Er macht einen monadistischen Begriff rationalistisch.

Der Unterschied aus Inhärenz und Immanenz sollte dadurch offensichtlich sein: die beiden haben nicht vieles gemeinsam.